Der 1. FC Lichtenfels wird eine Million Stunden alt. Präsident Bernd Legal nimmt das zum Anlass, über den Verein zu sprechen. Es sind seine letzten Stunden als Präsident, in denen er als Kapitän auf der Brücke des immer wieder in schwere See geratenden FCL steht.

Legal war so lange Präsident, wie keiner seiner vier Vorgänger seit 1958: Walter Schäffler, Karl Fleschutz - nach dem das Stadion benannt ist - Günther Hauptmann und Hans Schlesing. Auf dem Weg ins Clubheim grüßt ihn jeder Spieler, der gerade zum Training kommt: Faust an Faust, der Corona-Gruß, die eine schaut aus einer Trainingsjacke, die andere aus einem gebügelten weißen Hemd. Bernd Legal ist 75, die Jungs könnten seine Enkel sein.

Herr Legal, wie geht es dem 1. FC Lichtenfels heute?

Bernd Legal: Der Verein ist in einem sehr gesunden Zustand. Wie immer - also so lange ich ihn kenne - ist er in einer finanziellen Stresssituation. Sportlich sind wir mit der 1. und 2. Mannschaft zufrieden. Wir gehören in die Landesliga. Da sind wir - und zwar im oberen Drittel, da bleiben wir. Ich bin jemand, der gerne Optimismus verbreitet. Wir haben eine starke Jugend, vor allem im Grundschulalter, in der A- und B-Jugend zukunftsweisende Spielgemeinschaften mit Staffelstein und Schwabthal. Ich erlebe einen starken Zusammenhalt und viel Freundschaft.

Nach 22,5 Jahren geben Sie das Präsidentenamt ab. Im 1. FC Lichtenfels, der am 15. September eine Million Stunden alt wird, werden Sie dann rund 200 000 Stunden Kapitän gewesen sein. Wie haben Sie den Verein geprägt?

Das Bild mit dem Kapitän gefällt mir. Ich bin 1998 geworben worden, ein schlingerndes Schiff zu übernehmen. Warum ich angenommen habe? Der Vorsitzende war damals Peter Böhm. Auf den konnte ich mich verlassen. Sonst hätte ich das nicht gemacht. Und mit den Vorsitzenden bin ich immer gut gefahren: mit Siegfried Lippert, Stephan Kohns, Martin Gernlein und seit 14 Jahren mit Thomas Neckermann. Auch wenn ich innerlich mal aufgewühlt bin - im Positiven wie im Negativen - merkt man mir das nach außen nicht an. Das kommt vielleicht auch von meinem Beruf als Anwalt. Da muss ich meine Emotionen und meine Wortwahl unter Kontrolle haben. Von dieser Ruhe und Besonnenheit konnte ich - glaube ich - schon etwas in den Verein tragen.

Woran machen Sie das fest? Wenn junge Spieler mit 18, 19, 20 Jahren zu mir kommen und mich nach Rat bei ganz unterschiedlichen Nöten oder Situationen fragen, dann höre ich zu. Das sind in der Regel gar keine sportlichen Dinge, sondern ganz persönliche. Die Versicherung des ersten eigenen Autos, der nicht immer ganz einfache Abnabelungsprozess in der Familie ... Krisen gibt es immer, es geht darum, sie zu bewältigen. Dabei möchte ich helfen, auch dem Verein. Der 1. FC Lichtenfels hat mir die ersten schlaflosen Nächte meines Lebens bereitet - da war ich schon über 50 Jahre alt.

Was war passiert?

Das waren wieder einmal finanzielle Schwierigkeiten. Es tauchten 2003 für uns unerwartet Zahlungsforderungen im fünfstelligen Bereich auf. Das konnten wir nicht leisten. Als Jurist musste ich mir die Frage stellen, sind wir überschuldet, droht eine Zahlungsunfähigkeit? Dann hätte ich zum Insolvenzrichter gehen müssen. Wir hatten eine gute Jugend- und Schülerarbeit - das alles wäre baden gegangen.

Wie sind Sie da wieder raus gekommen?

Das gute Ende vorneweg: Ich musste keine Insolvenz anmelden. Die Einschnitte waren aber enorm. Mit Spenden und Darlehen von Vereinsmitgliedern, die zum Teil bis heute laufen, haben wir es geschafft. Und wir zahlen seitdem keine Spielergehälter mehr. Es gibt Fahrtkosten und Siegprämien, das ist alles.

Das ging so reibungslos? Im Gegenteil. Alle Spieler der ersten Mannschaft verließen den Verein. Einzig unser Torwart Roland Göhring blieb. Er hat immer Verantwortung für den Verein empfunden und sich dann auch im Vorstand engagiert. Unser Ziel war, den Nachwuchs zu retten. Das haben wir erreicht. Um den Spielbetrieb der Erwachsenen damals aufrechtzuerhalten, haben wir dann die Alten zusammengetrommelt und aus dem Nachwuchs Spieler hochgezogen. Der Spielertrainer war damals Rudi Stöcker. Der hat einen tollen Job gemacht. Wir haben es geschafft.

Bis heute zahlt der FCL in der Landesliga keine Spielergehälter?

So ist es. Wir sind da weit und breit die einzigen. Die Spieler kommen zu uns, weil sie den Verein und die Freundschaft, den Zusammenhalt und den Teamgeist spüren und schätzen. Das ist unsere Stärke. Der Schnitt in der Not war also etwas, was uns auf lange Sicht unheimlich gut getan hat und immer noch gut tut. Einige Spieler von damals kehrten übrigens auch wieder zurück, nachdem ihr neuer Club Insolvenz angemeldet hatte. Wir haben ihnen keine Vorwürfe gemacht, sondern ihnen gesagt: Wir sind froh, dass ihr wieder hier seid.

Wie nah sind Sie als Präsident an den Spielern?

Menschlich bin ich allen nah. Ich bin in meinen ersten Jahren einmal in der Pause in die Kabine gegangen, dachte, ich sollte mich da sehen lassen. Als der Trainer mich fragte, was ich hier mache, fragte ich zurück, ob er mich rauswerfen wolle. Seine knappe Antwort war: Ja. Das habe ich verstanden und bin nie mehr in die Kabine. Das Sportliche, das sollen die Jungen machen. Der Freundschaft zwischen dem Trainer und mir hat das übrigens nicht geschadet - ganz im Gegenteil.

Was macht den Verein heute für Jugendliche attraktiv?

Wir brauchen und haben ein gutes Verhältnis zwischen den Trainern und Spielern, in der Jugend natürlich auch zu den Eltern. Dafür braucht es Menschen, die mehr können als nur Fußball spielen. Arbeit und Intellekt der Trainer sind wichtig. Sie brauchen Herz, Eloquenz und Standhaftigkeit. Das haben unsere Trainer, das macht unseren Verein aus. Dazu kommt noch eine gute Infrastruktur, die in den kommenden Jahren noch besser werden soll.

Was haben Sie geplant?

Wir wollen auf unserem Gelände Kunstrasenplätze bauen, die weniger wetterabhängig zu nutzen sind. Die Rasenpflege ist natürlich auch einfacher (lacht). Ich bin nach 22,5 Jahren ein scheidender Präsident. Also habe ich die Planung den Jüngeren überlassen. Wenn das Projekt in den nächsten Jahren realisiert werden könnte, wäre das ein Highlight. Ich wünsche es dem Verein von Herzen.

Auf der Jahreshauptversammlung am 16. Oktober endet Ihre Präsidentschaft. Was wünschen Sie sich von Ihrem Verein?

Ich habe die Vereinsarbeit immer mit Elan getan. Wenn ich das Präsidentenamt abgebe, bin ich ja nicht gleich verschwunden. Ich werde für den FC Lichtenfels weiterhin da sein. Wenn ich einen Wunsch haben darf? Ich möchte im Verein als normales Mitglied von den Jungen mit ins Gespräch einbezogen werden.

Die Fragen stellte Tim Birkner.