Tröten und Trillerpfeifen waren keine zu hören, auch wenn auf dem Plakat, mit dem Vorsitzende Melanie See und Schiftführerin Gabriele Schleßing den Protestzug anführten, stand: "Wir sind hier und wir sind laut, weil ihr uns die Schule klaut."

Dafür ließen die Aussagen auf den Plakaten ("Wir wollen unsere Schule behalten!") an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Teilnehmerzahl allerdings schon: Eine Grippewelle hatte den Demonstrationszug schrumpfen lassen. Statt der erwarteten rund 40 Schüler marschierten nur rund 17 Jungen und Mädchen aus der siebten, achten und neunten Klasse von der Friedrich-Baur-Mittelschule zum Rathaus, wo Melanie See rund 200 Unterschriften an Bürgermeisterin Christine Frieß übergab.

Onlinepetition

Alle Schüler hatten unterschrieben.
Zudem waren Unterschriften in Geschäften und über eine Onlinepetition gesammelt worden. Das Stadtoberhaupt brachte als ehemalige Lehrerin der Mittelschule Verständnis für den Protest auf ("Mir blutet das Herz"), betonte zugleich aber auch, dass ihr nach dem Stadtratsbeschluss die Hände gebunden seien.

"Wir fühlen uns hier wohl. Die Schule ist für uns wie ein zweites Zuhause", meinte die 14-jährige Pia Schleßing während Patrick Kappl feststellte: "Hier ist es schön übersichtlich. Außerdem verstehen sich alle Schüler gut miteinander." In kleineren Klassen lerne es sich besser, lautete das Argument das Christopher Trenkwald anführte.

Elternbeiratsvorsitzende Melanie See lobte die Mittelschule als "überschaubare, wohnortnahe, pädagogisch gewachsene Einheit mit familiärer Atmosphäre, in der sich die Kinder und Jugendlichen wohl fühlen und das ihre Motivation zum Lernen erhöht".

Die Schülerzahlen sinken

Bürgermeisterin Christine Frieß versuchte den Kindern und Jugendlichen die Angst vor der neuen Schule in Altenkunstadt zu nehmen. Sie verwies auf das vielfältige kreative Angebot und die zahlreichen Wahlfächer, die an der dortigen Mittelschule angeboten werden, an der die Pennäler ab kommendem Schuljahr unterrichtet werden sollen.

Zudem erinnerte sie an die seit Jahren sinkenden Schülerzahlen: "Besuchten im Schuljahr 2013/2014 noch 177 Kinder die Mittelschule, waren es im Schuljahr 2013/2014 nur noch 68. Die Zeiten, wo jede Kommune auch eine Schule hatte, sind aufgrund der demographischen Entwicklung passe."

Während die Bürgermeisterin keine Chance mehr für einen Erhalt sieht, sieht man in den Reihen der Eltern doch noch einen Funken Hoffnung: "Die Regierung von Oberfranken hat noch nicht das letzte Wort gesprochen", erklärte Melanie See.

Argument zieht nicht

Das Argument mit den sinkenden Schülerzahlen zieht für sie nicht: "Für die Klassenstärken an Mittelschulverbünden gibt es keine verbindliche Untergrenze." Der Elternbeirat möchte weiter für den Erhalt der Schule kämpfen. "Falls nötig gehen wir bis zum Kultusministerium in München", ließ Schleßing an der Entschlossenheit des Gremiums keinen Zweifel.

In der Friedrich-Baur-Mittelschule werden nicht nur englische Vokabeln einstudiert und Matheaufgaben gelöst, sondern auch gerappt, was das Zeug hält. Der Jugendtreff der Kulmbacher Geschwister-Gummi-Stiftung im ehemaligen Physiksaal der Bildungseinrichtung, der seit fünf Jahren besteht, macht es möglich.

"Bedeutet die Schließung der Schule auch das Aus für das Jugendzentrum?" Diese Frage beschäftigt Claudia Allmich, die sich ebenfalls in den Protestzug für den Erhalt der Friedrich-Baur-Mittelschule eingereiht hatte. Die Burgkunstadterin war der maßgebliche Motor, als es darum ging, einen Hort für die Jugend einzurichten.

Schriftlich nachgefragt

Schriftlich hatte sie bei Bürgermeisterin Christine Frieß nachgefragt, wie es um den Jugendtreff bestellt sei. In ihrem Antwortschreiben signalisierte diese Interesse an einer Weiterführung - eventuell auch in einem anderen Gebäude. Wörtlich heißt es: "In diesem Zusammenhang laufen bereits Planungen, eine solche Einrichtung in einem größeren geplanten Projekt mit zu verwirklichen." Konkret genannt werden ein Mehrgenerationen-Wohnen oder ein betreutes Wohnen.

Ein anderer Absatz, der nicht mehr ganz so positiv klingt, stößt Allmich hingegen sauer auf. Darin wird auf ein Treffen mit Elsbeth Oberhammer, Bereichsleiterin bei der Geschwister-Gummi-Stiftung und Jennifer Baumüller, Leiterin des Jugendtreffs, hingewiesen, ehe es dann wörtlich heißt: "In diesem Gespräch kam allerdings auch zum Ausdruck, dass die Besucherzahlen in dieser Einrichtung in den vergangenen Monaten stark gesunken sind."

Noch vor einem halben Jahr habe es geheißen, die Einrichtung laufe gut, wunderte sich Allmich. Ihre Befürchtung: "Man möchte diese Einrichtung ebenfalls schließen."

"Das wäre eine Verschlechterung für Burgkunstadt"

"Das wäre eine Verschlechterung für Burgkunstadt. Ich wusste meine beiden Söhne im Jugendtreff immer gut aufgehoben", kommentierte Elternbeiratsvorsitzende Melanie See die neueste Entwicklung. Den Vorschlag, den Jugendtreff in ein Mehrgenerationenhaus mit einzubinden, sehen die beiden skeptisch.

"Hat die Stadt angesichts ihrer angespannten Haushaltslage, überhaupt so viel Geld?", fragten sie sich. Sorgen macht sich See auch um den Fortbestand der offenen Ganztagesschule der Geschwister-Gummi-Stiftung. Auch bei der Übergabe der Unterschriften hatte man das Thema Jugendtreff angesprochen. Die Bürgermeisterin zeigte sich allerdings recht zugeknöpft: "Wir werden sehen, welche weiteren Möglichkeiten es geben wird."