Lichtenfels
Widerstand

Bauernverband will gerechte Entschädigung

Sollte es zum Bau der 380-kV-Leitung zwischen Redwitz und Altenfeld in Thüringen kommen, fordert der Bauernverband einen jährlichen Ausgleich für die Flächen, die als Standorte der Masten für die Produktion verloren gehen.
Ortsobleute des Bayerischen Bauernverbandes Lichtenfels und Landwirte, die von der neuen 380-kV-Leitung betroffen sind, informierten sich vor dem Umspannwerk Redwitz. Foto: Andreas Welz
Ortsobleute des Bayerischen Bauernverbandes Lichtenfels und Landwirte, die von der neuen 380-kV-Leitung betroffen sind, informierten sich vor dem Umspannwerk Redwitz. Foto: Andreas Welz
Bisher hat es eine Rahmenvereinbarung über die Entschädigung für Mast-Standorte und Überspannung zwischen dem BBV und den Netzbetreibern gegeben. Diese Vereinbarung ist aber gekündigt worden, da der Bauernverband mit den bisherigen Entschädigungsregelungen nicht mehr einverstanden ist. Gestern trafen sich Ortsobleute und betroffene Bauern vor dem Umspannwerk Redwitz, um ihren Forderungen nach gerechter Entschädigung Nachdruck zu verleihen.
Kreisgeschäftsführer Hans Rebelein machte deutlich, dass bisher die Landwirte eine einmalige Entschädigung bekommen haben und damit die Leitung, solange sie stand, dulden mussten. "Dies ist aus unserer Sicht nicht mehr praktikabel", sagte der Rebelein. Es könne nicht sein, dass der Vater die einmalige Entschädigung bekommt und der Sohn und eventuell noch die Enkel die Mast-Standorte dulden müssen.
"Der BBV fordert deshalb die Umstellung dieser Entschädigungsregelung auf eine jährliche Entschädigung, damit auch der, der den Schaden hat, die Entschädigung erhält."
Ein weiteres Problem der 380-kV-Leitung seien die zusätzlichen Ausgleichsflächen. "Wir haben derzeit eine Planung einer 110-kV-Leitung im Bereich Coburg/Kronach/Thüringen. "Für eine elf Kilometer lange 110-kV-Leitung werden mehr als 30 Hektar Ausgleichsfläche verlangt", erläuterte der Geschäftsführer. "Sollte dies bei der 380-kV-Leitung gefordert werden, wird es einen massiven Widerstand der Landwirtschaft geben", kündigte Rebelein an. Die Landwirte im Landkreis Lichtenfels hätten bereits genügend Flächen durch den ICE, die Autobahn und andere Straßenbaumaßnahmen mit Straßenflächen und Ausgleichsflächen verloren. Auch durch die B 173 werde, gerade im Bereich Redwitz, noch einiges auf die Landwirte zukommen. Weitere Flächenverluste seien für die Landwirtschaft nicht hinnehmbar.
Kreisobmann Michael Bienlein erklärte, dass die Standorte für die Masten bereits Öko-Flächen seien, da sie nicht bewirtschaftet werden. "Wozu also weitere Ausgleichsflächen?", fragte er. Dies stimme nicht mit der Ankündigung des Planers überein, ökologisch bauen zu wollen. Hans Rebelein ergänzte, dass der Stromnetzbetreiber Tennet bei der Planung "sehr großzügig mit den landwirtschaftliche Flächen umgeht". Die 380-kV-Leitung zwischen Redwitz und Altenfeld in Thüringen stehe kurz vor dem Planfeststellungsverfahren, sagte Rebelein. Betroffene sollten und müssten in diesem Verfahren, das Mitte des Jahres geplant ist, ihre Bedenken und Anregungen zur geplanten Trasse vorbringen. Jeder sollte von seinem Recht Gebrauch machen und mit Einwendungen auf seine Probleme hinweisen. Am Ende des Planfeststellungsverfahrens gebe es den Planfeststellungsbeschluss, der nur mit einer Klage angegriffen werden könne.

Aufklärungsveranstaltungen

Der BBV werde, sobald die Pläne vorliegen, Aufklärungsveranstaltungen für seine Mitglieder halten und diese auch bei den schriftlichen Einwendungen unterstützen. Sollte es tatsächlich zu der sehr umstrittenen Trasse kommen, werde der Anwalt des BBV die Grundstückseigentümer bei den Entschädigungsverhandlungen unterstützen, sicherte Rebelein zu.
Dass der Netzbetreiber Tennet das Gespräch mit den betroffenen Grundstückseigentümern sucht, um sie bereits im Vorfeld zu informieren, sei sehr positiv, sagte Rebelein. Ein Problem sei aber, dass Tennet nur die Grundstückseigentümer der Flächen kennt, aber nicht die Bewirtschafter, die genauso in Mitleidenschaft gezogen würden. Es sei wichtig, die Notwendigkeit der Leitung zu hinterfragen.
"Wir brauchen für unseren Betrieb eine sichere Stromversorgung", stellte die Zettlitzer Ortbäuerin Monika Oettner fest. "Wenn wir von der Notwendigkeit der Stromleitung überzeugt sind, werden wir uns nicht dagegen stellen", machten auch die Ortsobleute deutlich.
Schließlich appellierte Rebelein an alle betroffenen Grundstückseigentümer, derzeit keinerlei Vereinbarungen über irgendwelche Regelungen zu unterschreiben. Ganz wichtig sei auch, dass sich die Landwirte im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens den Leitungsverlauf und vor allem die Mast-Standorte genau anschauen: "Diese können in gewissen Grenzen verschoben werden, so dass man sie, so weit wie möglich, an die Bewirtschaftung der Grundstücke anpasst." Dabei seien auch die Interessen des Grundstücksbewirtschafters zu beachten, da nicht immer alle Grundstücksgrenzen gleichzeitig Bewirtschaftungsgrenzen des Grundstückes seien. Deshalb sei es aus Sicht des BBV ganz wichtig, dass die Pächter der landwirtschaftlichen Grundstücke in die Planungen eingebunden werden.