Seit der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vergangene Woche die Lockerungen für Gastronomie und Gaststätten verkündet hat, ist Anne Maria Schneider wieder optimistischer gestimmt. Auch wenn die Türen des Bad Staffelsteiner Kur- und Tourismus-Service für Passanten in den vergangenen Wochen geschlossen waren und auch noch sind, gab es für die Leiterin und die neun Beschäftigten einiges zu organisieren.

"Von Mitte März bis Anfang Mai haben wir hauptsächlich Infomanagement betrieben", sagt sie. Das bedeutet, Informationen von verschiedensten Seiten - von Veranstaltern, Verbänden oder Vereinen - einzuholen: Welche Veranstaltungen können wann noch stattfinden, was muss abgesagt werden? Das alles muss kommuniziert werden.

Zudem wurde Rücksprache mit Buchungsgästen sowie den Vermietern von Übernachtungsunterkünften gehalten, da seit dem 18. März offiziell keine touristischen Reisen mehr erlaubt waren. "Durch die Allgemeinverfügung haben sich auch die Stornierungsbedingungen geändert", sagt sie. Alle Buchungen für die Zeit des Reiseverbots zu touristischen Zwecken durften demnach kostenlos storniert werden. Wer allerdings für vorher oder bereits für den Sommer stornieren wollte, hätte eigentlich zahlen müssen. Hier galt es, individuelle Vereinbarungen mit den Vermietern zu treffen.

Pläne können sich schnell ändern

Die Entwicklungen seien zurzeit zwar sehr dynamisch, trotzdem lege man viel Energie in die Planung, die möglich ist. Das Pfingstferienprogramm beispielsweise war im März schon druckbereit. Nach vielen Überlegungen hat das Team nun ein Alternativprogramm zusammen mit Vereinen, Einrichtungen und Privatpersonen geplant, welches wiederum mehrmals umgeworfen worden ist. "Wir müssen in Kauf nehmen, dass wir etwas geplant haben und sich das dann aber wieder ändert."

Spätestens in der kommenden Woche, in der die Außengastronomie wieder öffnen darf, wolle sie sich mit den Gastronomen in Verbindung setzen und einen Überblick erstellen, wer in welcher Form den Betrieb wiederaufnimmt. "Jetzt geht es langsam wieder mit dem Tourismus los", sagt sie.

Schneider sieht nun vor allem für den Tagestourismus Potenzial. "Für die nächste Woche gehe ich davon aus, dass Leute kommen." Zwar werde der Urlaubstourismus im Sommer in andere Länder voraussichtlich möglich sein. Der ländliche Tourismus werde in diesem Jahr aber ohnehin beworben, so Schneider. Bad Staffelstein und die Region stehen dabei gut da. Man könne hier genug Wege in der Natur gehen und Orte aufsuchen, wo nicht allzu viele Menschen auf einmal sind. "Man hat hier eigentlich alles."

Sie hofft deshalb, dass sich in den Sommerferien vor allem auch Familien für Urlaub in Deutschland, speziell in Bad Staffelstein, entscheiden. Auch hofft Schneider, dass die wieder geöffneten Läden und bald die Gastronomien den einen oder anderen Gast anziehen.

Die Tourismus-Branche zählt zu denjenigen, die mit am meisten Umsatz einbüßen mussten. Im Vorjahr hatte man in Bad Staffelstein noch einen Tagesgästerekord verzeichnet. 156.903 Besucher kamen 2019 nach Bad Staffelstein, das sind 1,5 Prozent mehr im Vergleich zu 2018, sagt Schneider. Auch der Januar und Februar 2020 lief in dieser Hinsicht gut an.

An die Ferienwohnungsbesitzer kann sie nur appellieren, mit dem eigenen Angebot im Internet präsent zu sein. "Wer nicht online buchbar ist, wird nicht gefunden", sagt Anne Maria Schneider.

Vieles hängt an der Therme

Achim Schnapp sitzt unterdessen an seinem PC und beantwortet Buchungsanfragen für den August, die ihn per E-Mail inzwischen wieder erreichen. Im Mai wären die vier Ferienwohnungen, die er gemeinsam mit seiner Frau vermietet, eigentlich ausgebucht gewesen.

Für Juni erwarten sie nun wieder erste Gäste. Etwa zu 50 Prozent seien die Ferienwohnungen zum jetzigen Stand im Juni ausgelastet, sagt Achim Schnapp. Die Vermietung der Ferienwohnungen sei ihre Haupteinnahmequelle. "Wir sind nicht notleidend, können vom Ersparten zehren", ist er froh darüber, in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet zu haben und keine Soforthilfe beantragt haben zu müssen. "Alleine, wenn man die Formulare, die man dafür ausfüllen muss, anschaut, wird einem ganz schwindelig."

Noch vor dem offiziellen Reiseverbot für Touristen war der Vermieter einer der Ersten, der seinen Gästen eine kurzfristige kostenlose Stornierung ermöglich hat. "Die Gäste können ja nichts dafür und wir auch nicht", sagt er. In den Buchungsanfragen, die er jetzt bekommt, werde sich nun auch nach Stornierungsbedingungen im Falle einer erneuten Corona-Beschränkung erkundigt. Wo er sonst ein bis zwei Minuten für eine Antwort gebraucht habe, zerbreche er sich jetzt auch schon einmal zehn Minuten den Kopf darüber, wie er möglichst detailliert antworte.

"Wir erwarten einige an Gästen, die noch nicht abgesagt hatten", sagt er. Doch ob viele neue Buchungen für die Sommermonate hinzukommen? Schnapp bleibt skeptisch. Viele Besucher kämen nach Bad Staffelstein hauptsächlich wegen des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses in der Gastronomie oder der Obermain-Therme. Doch hierbei gelten nach wie vor Einschränkungen, für eine Öffnung der Therme gibt es bislang noch keinen festen Termin.

Das Thermalbad ist allerdings ein Besuchermagnet für die Region. Rund 80 Prozent der Übernachtungsgäste in Bad Staffelstein kämen vordergründig wegen der Obermain-Therme, sagt Anne Maria Schneider.

Mit Aktivurlaub werben

Vor allem diesen Aspekt bekommt Günther Gawantka zu spüren. Der Vermieter von sechs Ferienwohnungen beherberge in erster Linie üblicherweise Gäste, die wegen der Therme anreisen. Nun möchten er und seine Frau sich auf jüngere potenzielle Gäste konzentrieren, um diese für einen Aktivurlaub zu gewinnen. Doch dass sich das Angebot so schnell etablieren könne, hält Gawantka nicht für realistisch.

"Wir warten jetzt ab, wann die Therme wieder öffnen darf. Bis dahin müssen wir kleinere Brötchen backen." In der Zeit ohne Gäste hat Günther Gawantka sich zudem intensiv mit Hygienemaßnahmen beschäftigt. Außerdem haben er und seine Frau die Homepage überarbeitet und um den Punkt "Aktivurlaub" erweitert.

An der Verbesserung der Homepage haben auch die Mitarbeiter des Kur- und Tourismus-Service in den vergangenen Wochen gearbeitet. Die überarbeitete Website soll im Juni online gehen. Das Projekt war ohnehin geplant, jetzt sei man damit aber schon weiter als ursprünglich eingeplant, so Anne Maria Schneider.