Zwei Gold-, vier Silber- und sieben Bronzemedaillen sind die Ausbeute Axel Richters allein bei der diesjährigen Europameisterschaft im Metall-Silhouettenschießen gewesen. Von den weiteren sechs World-Cup-Medaillen ganz zu schweigen. Erfolge und Einsichten dazu vom Medaillengewinner zwischen Reisen und Teamwork, Reizen und Ehrensachen.
Axel Richter (44) ist Bauingenieur und Unternehmer. Doch es gibt Momente, da ist er mit sich allein, fokussiert auf ein Ziel, ganz bei sich. Bald darauf fällt ein Schuss, und ein Ziel wird getroffen oder auch nicht. Weil er aber gut ist, sehr gut sogar, steht seine Unterschrift auch im Goldenen Buch der Stadt Lichtenfels. Wenn der Mann aus Altenkunstadt, der für die königlich-privilegierte Scharfschützengesellschaft Lichtenfels antritt, von seinem Sport erzählt, dann schwingt Begeisterung mit. Auf eine leise und nachhaltige Art.


Mit Truthähnen fing es an

Erst jüngst im Juli war er bei der EM im tschechischen Ludvikovice einmal mehr erfolgreich in einer Disziplin, die noch gar nicht so alt ist: das Metall-Silhouettenschießen. Es kommt aus Übersee und dort, in den USA bzw. Mexiko, seien in den 60er Jahren Truthähne auf "interessante Entfernungen" beschossen worden. Der beste Schütze bekam den Braten und heute ist das alles tierfreundlich reglementiert, weil ansonsten die beweglichen Ziele ausgingen. Zu der Reglementierung gehört, dass die Ziele aus Metallscheiben mit Silhouetten von Hähnchen, Schweinen, Truthähnen und Widdern bestehen, dass sie in unterschiedlichen Abständen bis zu 200 Metern Entfernung stehen und dass es sich dabei um Distanzen handelt, die für Kurz- und Langwaffen verhältnismäßig weit entfernt sind. Interessant also. "Seit ich da reingerasselt bin, habe ich wettkampftechnisch alles andere gehen gelassen", erklärt Richter. "Reingerasselt" sei er so um das Jahr 2007. Kommt man mit Axel Richter auf Wettkämpfe und Reisen zu sprechen, kann er schon einige bereiste Länder aufzählen. "Finnland gehört dazu, Frankreich auch, Österreich und die Niederlande sowieso." Und dann erzählt er von Schweden und Südafrika, Ländern mit Weite und "vergleichsweise dünner Besiedelung", optimal also für Weltmeisterschaften. Doch dort war er nie.


Schießstand in Philppsburg

In Deutschland, so der Insider, liege der einzige vollständige Silhouettenschießstand in Philppsburg. Aber weil man dort nicht immer sein kann und landschaftliche Weite nicht überall möglich ist, behelfe man sich als Silhouettenschütze damit, dass man die Zielbilder (Silhouetten) verkleinert, um das Verlängern der Schussdistanz vorzugaukeln. "Das ersetzt aber nicht die Wirklichkeit", so ein schmunzelnder Lichtenfelser Schütze, der Altenkunstadter ist.
"Es ist die reizvollste, anstrengendste und herausforderndste Schießart, die ich bisher gemacht habe. Es wird mehr Präzision von der Waffe, mehr Präzision vom Schützen gefordert", erklärt der 44-Jährige. Die Waffen sind Gewehre, aber auch der Colt. "Es ist ein Paradies", erklärt Richter zu dem Elbsandstein, auf den er in Ludvikovice stieß. Die Bilder, die er von dem Wettkampfort vorzeigt und auf denen zu sehen ist, dass die Silhouetten der Widder in begrünter Hanglage stehen, lassen eine Frage zu: Nimmt man als Schütze eigentlich landschaftlichen Reiz wahr? "Viel nehmen wir nicht wahr, der Reiz ist der, dass man im Freien schießen kann. Das klingt lapidar, aber man darf nicht vergessen, dass der Schütze beim Schießen unter Zeitdruck steht", antwortet Richter.
Ist er zu Turnieren unterwegs, ist er das mit Wohnmobil. "Ich schlafe dann immer darin", schildert er diesen Umstand mit dem Unterton eines Mannes, der dann so ein bisschen Freiheit zu fühlen sucht. Zu diesem Gefühl gesellen sich Erfahrungen mit Fairness und Ritterlichkeit. So gehört zu jedem Schützen auch ein Spotter (Beobachter), der durch das Fernglas blickt und Schiedsrichtern Treffer meldet.


Nicht alltägliche Fairness

Es kann sein, dass ein eigener Spotter ausfällt und man einen gegnerischen konsultieren muss. Dann ist man auf dessen Fairness angewiesen. Solch gute Erfahrungen machte Richter. Und auch die mit einem Mann aus Frankreich, der bemerkte, dass die Waffe des Deutschen defekt ist und ihm anbot, sie über Nacht notdürftig zu reparieren. Anderntags stellte sich heraus, dass dieser Mann sein Gegner im Finale war und ihm durch die Reparatur die Chance gab, gegen ihn auch gewinnen zu können.