Den Schlusspunkt der Sitzung des Gemeinderats bildeten zwei Ehrungen: Norbert Welscher von der Freien Wähler Gemeinschaft (FWG) und Norbert Schnapp (JWU) sind seit 18 Jahren Kommunalpolitiker mit Leib und Seele. Dafür überreichte ihnen Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) im Namen des Bayerischen Innenministers Joachim Herrmann die Dankurkunde für Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung.

Altenkunstadt vergreist

Die Gemeinde Altenkunstadt hat bereits ein Altenheim. Daraus könnten im Jahre 2035 zwei oder gar drei werden, garniert mit einer Wellnessoase für rüstige Senioren. So abwegig ist der Gedanke gar nicht. Schließlich verheißt die Bevölkerungsprognose für die Gemeinde eine Vergreisung der Bevölkerung.
"Die Zahl der Mitbürger, die die 60 überschritten haben, wird sich von 749 im Jahre 2000 auf 1735 Personen im Jahre 2035 mehr als verdoppeln. Altenkunstadt wird damit zu einer Stadt der Pensionäre", sagte Koray Topuz. Der Schüler des Meranier Gymnasiums Lichtenfels hatte sich im Rahmen eines P-Seminars mit der Bevölkerungsentwicklung Altenkunstadts beschäftigt. Auch am Bevölkerungsbaum, der die Bevölkerung nach Alter und Geschlecht differenziert darstellt, spiegelt sich diese Entwicklung wider. Grafiken verdeutlichten, dass der Baum immer mehr die Form eine Urne annimmt. Im Jahre 2000 bildeten demnach die 30- bis 45-Jährigen die größte Bevölkerungsschicht. Im vergangenen Jahr waren es die 45- bis 55-Jährigen und in 21 Jahren werden es die 70- bis 80-Jährigen sein. Zugleich hatte Topuz darauf hingewiesen, dass immer mehr junge Leute in die Großstädte abwandern. "Auf dem Lande stehen also zukünftig die Altersheime und in den Städten brodelt das Leben", kommentierte Dritte Bürgermeisterin Almut Schuhmann (SPD), die auch Seniorenbeauftragte ist, die Ausführungen des jungen Mannes.
Schrumpfen werden nach Auskunft des angehenden Abiturienten im Zeitraum von 2000 bis 2035 die Erwerbstätigen, für die er einen Rückgang um 32 Prozent von 3828 auf 2611 Personen prognostizierte, die Schulkinder (-45 Prozent von 997 auf 546 Personen) und die Vorschulkinder (-35 Prozent von 310 auf 202). Insgesamt wird die Bevölkerung von 5660 Personen auf 4932 Personen zurückgehen. Das entspricht einem Minus von 12,86 Prozent.
Im landkreisweiten Vergleich liegt Altenkunstadt mit an der Spitze, was den Rückgang der Bevölkerung im Zeitraum von 2018 bis 2035 anbetrifft, verdeutlichte Topuz anhand einer weiteren Grafik: Auf der Liste ganz oben steht die Stadt Lichtenfels mit einem Minus von zehn Prozent, gefolgt von Bad Staffelstein, das um neun Prozent abnehmen wird und Altenkunstadt das einen Rückgang von acht Prozent zu verkraften hat. "Besser wird es beispielsweise Michelau und Ebensfeld ergehen, deren Bevölkerung um fünf Prozent schrumpft", erklärte der Referent. Einen Wermutstropfen hatte er allerdings auch parat: "Bei der Geburtenrate erzielte Altenkunstadt in den vergangenen zwölf Jahren einen Durchschnitt von 4,59 Prozent. Damit liegt der Ort über dem bayerischen Durchschnitt von 4,30 und dem bundesweiten von 4,42 Prozent."
Topuz hatte auch einige Vorschläge parat, wie man auf die Überalterung reagieren könnte: Man könnte altersgerechten Wohnraum schaffen, Wellness angebote für die Generation 60 Plus anbieten oder mehr Altenheime bauen. Der Vorschlag von Gemeinderat Edwin Jungkunz (CSU) hingegen ging in die entgegengesetzte Richtung: "Wir sollten beim Gymnasium Burgkunstadt ein P-Seminar anregen, wie man zum Beispiel durch Fremdenverkehr oder Tourismus Altenkunstadt attraktiver machen könnte."

Kein Ortssprecher für Pfaffendorf

Der Posten des Pfaffendorfer Ortssprechers ist verwaist. Darauf sprach Jan Riedel von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO) den Bürgermeister an. "Peter Eberlein, der in der vergangenen Legislaturperiode das Amt innehatte, hatte uns immer mit wertvollen Informationen aus seinem Ortsteil versorgt. Wir sollten im Amtsblatt noch einmal darauf hinweisen, dass ein Ortssprecher gesucht wird." Hümmer, der gegen Riedels Anregung nichts einzuwenden hatte, erinnerte daran, dass er Gespräche geführt habe, die allesamt im Sande verlaufen seien.
Mit einer guten Nachricht wartete Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) in seinem Jahresrückblick auf: "Für die Praxis von Dr. Uwe Bender, der in den wohlverdienten Ruhestand gegangen ist, haben wir eine Nachfolgerin gefunden, die am 1. Januar ihren Dienst antreten wird." Der Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner dankte er für die Unterstützung.
Hümmer zog eine positive Bilanz: "Wir haben wichtige Projekte angepackt, umgesetzt und vieles in die Wege geleitet." In und um Altenkunstadt werde heftig gebaut - das Gemeindeoberhaupt wertete das als Zeichen für eine aufstrebende Gemeinde. An Beispielen nannte er den Anbau einer Kinderkrippe an die Kreuzberg-Kindertagesstätte, die zu Beginn des nächsten Schuljahres ihre Pforten für die Kleinsten öffnen wird, den für das nächste Jahr geplanten Neubau der Brücke in der Langheimer Straße sowie die Erschließung der beiden "Baugebiete Evangelische Kirche II" in Altenkunstadt und "Heidäcker Nord" im Ortsteil Strössendorf.
Sein Stellvertreter Georg Deuerling ermunterte die Ratsmitglieder beim anstehenden Abbau des Investitionsstaus an einem Strang zu ziehen.
Zudem freute er sich, dass es im Altenkunstadter Rathaus wieder einen Personalrat gebe: "Nur zufriedene Mitarbeiter sind auch gute Mitarbeiter", meinte er.