Immer wieder hatte der Gemeinderat die Finanzierungsfrage des neuen Wasserwerks, das 2011 eingeweiht worden war, auf die lange Bank geschoben. Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Das Gremium entschied sich bei seiner Sitzung am Dienstag für eine Mischkalkulation, in der auch die Kosten für den neuen Hochbehälter in Baiersdorf, der Ende des Jahres in Betrieb gegangen war, mit einberechnet wurden: Den Löwenanteil der Investitionskosten in Höhe von 1,6 Millionen Euro für die zwei Maßnahmen schultern die Haus- und Grundstückseigentümer, da 75 Prozent der Summe über Beiträge umgelegt werden.

Wasser wird 32 Cent teurer

Den Restbetrag begleichen alle Verbraucher über den Wasserpreis. Dieser macht einen satten Sprung nach oben: von 1,78 auf 2,10 Euro pro Kubikmeter. Der Preis tritt am 1. April in Kraft und gilt für die nächsten vier Jahre bis zum 31. März 2019. Dann wird wieder neu kalkuliert. Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) räumte ein, dass es in den vergangenen vier Jahren zu einer Unterdeckung beim Wasserpreis in Höhe von 41 8517 Euro gekommen sei. Als Gründe führte er die Einführung der digitalen Erfassung, einen geringeren Wasserverbrauch und die kalkulatorischen Zinsen an, die in diesem Zeitraum durch die Zwischenfinanzierung des neuen Wasserwerks entstanden waren. Die Grundgebühr, die die fixen Kosten abdeckt, war bislang mit 5,11 Euro verglichen mit den Nachbarkommunen Burgkunstadt (39,90 Euro) und Weismain (108 Euro) sehr günstig gewesen. "Mit fünf Euro ist es nicht getan", erklärte Dagmar Suchowski. Die Diplom-Betriebswirtin, die ein Sachverständigenbüro für die Kalkulation von Beiträgen und Gebühren leitet, hatte den Gemeinderäten zuvor verdeutlicht, dass die Preise für Wasser und Abwasser kostendeckend sein müssten. Davon könne bei der Altenkunstadter Grundgebühr keine Rede sein. "Sie ist relativ niedrig", gab Edwin Jungkuntz (CSU) der Expertin Recht und räumte zugleich ein: "Wir sind nie auf die Idee gekommen, sie zu erhöhen." Auch andere Redner gestanden ein, dass man es schlicht und ergreifend versäumt habe, den Betrag anzuheben.

Die Gebühr dann aber gleich um das Achtfache zu erhöhen, wie von der Verwaltung vorgeschlagen, fanden einige dann aber doch des Guten zu viel. Dritte Bürgermeisterin Almut Schuhmann (SPD) hielt eine Erhöhung auf 25 Euro für ausreichend. Die Befürworter einer moderateren Anhebung, wie Norbert Welscher von der Freien Wählergemeinschaft (FWG), sprachen von einer Belastung für die "kleinen Häuslebauer". Zweiter Bürgermeister Georg Deuerling von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO) erinnerte daran, dass vor allem die Bezieher kleinerer Mengen ("Sie machen 60 Prozent aller Wassernutzter aus") bestraft würden. Sie konnten allerdings nicht die Mehrheit im Gremium auf sich vereinen: Nur Almut Schuhmann und Karlheinz Hofmann (beide SPD), Frank Novotny (Soziale Bürger), Maximilian Deuber, Norbert Welscher (beide FWG), Ludwig Winkler und Georg Deuerling (beide FBO) votierten für eine Grundgebühr von 25 Euro. Die anderen elf sprachen sich dagegen aus. Bei der anschließenden Abstimmung über eine Grundgebühr von 39,50 Euro fiel das Ergebnis noch eindeutiger aus: Mit 13 zu fünf Stimmen wurde der Vorschlag der Verwaltung angenommen.

Zahlbar in drei Raten

Die Haus- und Grundbesitzer werden über Verbesserungsbeiträge zur Kasse gebeten Suchowski hatte ausgerechnet, dass bei einer Finanzierungsquote von 75 Prozent über Beiträge, der Beitragssatz je Quadratmeter Grundstücksfläche bei 0,13 und je Quadratmeter Geschossfläche bei 0,86 Euro liegt. Bürgermeister Robert Hümmer erläuterte das Procedere der Beitragserhebung: Zunächst werde die Verwaltung damit beauftragt, die Abrechnung nach Straßenzügen vorzunehmen. Der Abrechnungsbeitrag müsse dann in drei Raten gezahlt werden. "Die erste Rate ist einen Monat nach Bekanntgabe fällig und entspricht einem Prozentsatz von 33 Prozent. Nach weiteren drei Monaten folgt die zweite Rate (33 Prozent), ehe dann nach weiteren drei Monaten die letzte Rate (34 Prozent) fällig sei. Bei den Herstellungsbeiträgen, die fällig werden, wenn ein Grundstück erstmals an die Wasserversorgungsanlage angeschlossen wird, werden die Verbesserungsbeiträge mit eingerechnet: Dadurch steigt der Beitrag für den Quadratmeter Grundstücksfläche von 0,44 auf 0,57 Euro, für den Quadratmeter Geschossfläche von 2,99 auf 3,85 Euro.