Eines der stattlichsten Wirtshäuser ganz Frankens ließ 1605 der Langheimer Abt Johann Bückling in seinem Dorf Hochstadt aufrichten. Schon lange bestand hier, an der vielbefahrenen Landstraße von Lichtenfels in Richtung Kronach, eine "Schenkstatt".

Eine erste ist für 1447 belegt, und um 1467 ließ das Kloster einen Neubau aufrichten. Das Wirtshaus, von geschäftstüchtigen Pächtern betrieben und aus Langheim, später vom Klosterhof in Trieb mit Bier beliefert, wurde alsbald zum Zankapfel zwischen dem Kloster und der Stadt Lichtenfels. Die Bürgerschaft sah ihr Vorrecht missachtet, in einem gehörigen Umkreis um Lichtenfels Bier zu brauen und zu verkaufen.

Schiedsgericht eingesetzt

1512 setzte der Bamberger Fürstbischof ein Schiedsgericht ein, um die Irrungen zwischen Stadt und Kloster beizulegen. Es wurden Zeugen verhört, um den Sachverhalt zu ermitteln. Erst nach acht Jahren fiel eine Entscheidung, und sie fiel für Lichtenfels enttäuschend aus: Im Hochstadter Wirtshaus durften auch weiterhin Gäste bewirtet und beherbergt werden. Hochzeits- und Tauffeiern waren erlaubt, jedoch nur für die Einwohner von Hochstadt. Das Abhalten von Tänzen dagegen blieb dem Wirtshaus unbenommen.

Im Bauernkriegsjahr 1525 sahen die Lichtenfelser ihre Stunde gekommen, um den lästigen Konkurrenten ein für allemal zu beseitigen: Sie marschierten nach Hochstadt und steckten das Wirtshaus in Brand. Doch rasch, noch 1525 oder 1526, erstellte Langheim einen Neubau, wohl aus Fachwerk, der dann 1605 durch das erhaltene, mächtige Haus aus Sandsteinquadern ersetzt wurde. Dieser Bau wirkt so herrschaftlich, dass mancher Heimatforscher ihn nachträglich zum Amtshaus erklärt hat. Das war er jedoch nie. Es war lediglich ein Wirtshaus, das allerdings durch seine stattliche Gestalt die Bedeutung des Bauherrn, des Klosters Langheim, verdeutlichen sollte. Wie im 19. Jahrhundert erwähnt wird, hatte das Wirtshaus fünf Gastzimmer und "Stallung auf 50 Pferde". Die geringe Zahl der Gastzimmer erklärt sich dadurch, dass nur hochstehende Übernachtungsgäste hier in einem Bett schliefen. Fuhrleute und Kutscher dagegen übernachteten bei ihren Pferden im Stall oder auf aufgeschüttetem Stroh in der Wirtsstube. Wer das Gebäude mit seinen markanten Eckerkern entworfen hat, ist unbekannt. Zu denken ist an den Coburger Architekten und Maler Peter Sengelaub. In Coburg hat er stadtbildprägende Bauten errichtet, so das Kanzleigebäude am Markt und das Gymnasium Casimirianum. Jahre nach dem Bau des Hochstadter Wirtshauses malte Sengelaub nachweislich Miniaturen für eine liturgische Handschrift des Klosters Langheim.

Bekannt sind die ausführenden Handwerker, mit denen der Abt im Herbst 1604 Verträge abschloss: Die Maurerarbeiten besorgte Heinrich Hellerstein, Baumeister auf der Festung Rosenberg. Der gebürtige Hesse wird von 1598 bis 1620 als Einwohner von Kronach genannt. Die Zimmerarbeiten legte das Kloster in die Hände von Hans Meußer aus Schney, dem Schöpfer des Wirtshauses in Gleußen. Von ihm stammt also der mächtige Dachstuhl des Hochstadter Gebäudes. Solange das Kloster Langheim bestand, wurde das Wirtshaus zur Sonne, wie man es nach der Sonnenuhr an der Fassade nannte, auf jeweils drei Jahre verpachtet. Der Pächter musste sich verpflichten, sein Bier ausschließlich vom Kloster zu beziehen. "Brot, Fleisch und andere Speiß" dagegen solle der Wirt "für sich selbsten, so wohl er kann, schaffen".

Spätestens im 18. Jahrhundert war mit dem Wirtshaus auch erheblicher Grundbesitz verbunden. Nachdem das Anwesen 1803 in die Hand des bayerischen Staates übergegangen war, wurde es 1816 veräußert. Der Käufer war Franz Wagner, der 1821 starb. Über seine Witwe kam es an ihren zweiten Mann, Joseph Brückner (1791-1874). Er gehörte kurzzeitig, von 1840 bis 1843, der Kammer der Abgeordneten des Bayerischen Landtags an; bei dieser Gelegenheit wird erwähnt, er lebe in sehr guten Vermögensverhältnissen und sei "dem Throne treu ergeben". Brückner hatte nur einen Sohn aus zweiter Ehe: August, geboren 1863. Da er beim Tod des Vaters unmündig war, wurde das Wirtshaus samt der bald nach 1816 eingerichteten Brauerei an einen Verwandten der Mutter, Georg Herold (1848-1889), verpachtet. Als August Brückner 1885 mit nur 22 Jahren als Jurastudent starb, beerbte ihn nach längerer Auseinandersetzung seine Tante mütterlicherseits: Maria Barbara Cammerer (1842-1918) aus Breitenreuth bei Guttenberg. Sie war mit dem Zollbeamten Karl Theodor Hotter (1833-1907) verheiratet, der aus dem Bayerischen Wald stammte und dienstlich weit herum gekommen war.

Krankenhaus mit 38 Betten

Von ihnen erwarb 1900 der Distrikt Lichtenfels das Anwesen und richtete in der Folge darin ein Krankenhaus ein. Mit anfänglich 38 Betten war es damals die größte Einrichtung seiner Art weit und breit. Doch nach wenigen Jahrzehnten erwies sich das alte Wirtshaus als zu eng für seinen neuen Zweck. 1928 entstand ein Erweiterungsbau. Ein weiterer Krankenhausflügel wurde dann 1951 errichtet.

In dieser Zeit, über mehrere Jahrzehnte hinweg, prägte der in Marktzeuln ansässige Dr. Alfons Hug (1886-1963) als leitender Arzt die medizinische Arbeit in Hochstadt. 1973 hatte das alte Kreiskrankenhaus - ebenso wie das Stadtkrankenhaus Lichtenfels und das Kreiskrankenhaus Staffelstein - ausgedient, weil der Landkreis Lichtenfels am Rand der Kreisstadt ein neues Klinikum errichtet hatte. Eine neue Nutzung für das Gebäude in Hochstadt fand sich bald. Der Bezirkstag von Oberfranken, dem damals Landrat Helmut G. Walther (SPD) und Walter Großmann (CSU) angehörten, entschied, das ehemalige Krankenhaus zu kaufen und als Klinik für Drogenkranke zu nutzen. Der Bezirk Oberfranken war durch das offene stationäre Angebot Vorreiter für ganz Nordbayern. Mit der Eröffnung der Bezirksklinik 1976 wurde ein neues Blatt in der Geschichte des 400-jährigen Gebäudes aufgeschlagen.