65 Jahre gehört Alfred Hornung der Wasserwacht an, und seit 1951 besitzt er den Rettungsschein. Zahllose Wachstunden hat er in dieser Zeit ehrenamtlich am Main und an den verschiedenen Badeseen geleistet. Als 1972 das Staffelsteiner Hallenbad eröffnet wurde, hängte er seinen Beruf als Mechaniker und Teamleiter bei Bosch an den Nagel und wurde hauptberuflich Schwimmmeister bis zur Schließung des Bades im Jahr 2000.

Viele Fakten und Namen hat Alfred Hornung abrufbereit. 1947 sei auf Anweisung der Amerikaner die Wasserwacht in Staffelstein, Lichtenfels, Ebensfeld und Zapfendorf gleichzeitig gegründet worden, sagt der 80-Jährige. Das Rote Kreuz habe diesen Auftrag übernommen. Gründer und erster Leiter der Wasserwacht sei Rupert Gaschler gewesen. Der Schwimmunterricht für Kinder und Erwachsene fand zunächst im Main statt - oberhalb der Brücke bei Wiesen.

Alfred Hornung erinnert sich, dass zu seiner Ausbildung als Rettungsschwimmer das Distanzschwimmen und Tieftauchen ebenso gehörten wie das Abschleppen in Not geratener Personen. Aber auch Entklammerungs- und Befreiungsgriffe sowie die Wiederbelebung waren Ausbildungsinhalte. Im trüben, fließenden Wasser des Mains sei das nicht einfach gewesen.


Badestrand am Westsee

Wesentlich besser sei das Wasser in den Baggerseen, die in den 1960er-Jahren entstanden und für Schwimmer zugelassen wurden. Die Holzbaracken der Wasserwachtstation Wiesen seien nun an den Staffelsteiner Westsee gebracht und dort aufgebaut worden. Das Kieswerk kooperierte und füllte einen Sandstrand an. Die Wachtstation sei - ähnlich wie heute am Badesee - im Sommer jeden Tag besetzt gewesen, was mit einer gehissten Flagge angezeigt wurde. "Die Staffelsteiner konnten da baden, ohne Eintritt bezahlen zu müssen", sagt er. 1962, fährt Alfred Hornung fort, habe er den Lehrschein erworben, der es ihm erlaubte, Schwimmunterricht zu erteilen und Rettungsschwimmer auszubilden.


Badbauverein finanziert Station

Gegen Ende der 1960er-Jahre sei die Kiesgewinnung verlagert worden; der Ostsee (heutiger Badesee) sei entstanden. Der bereits Ende der 1950er-Jahre von Rupert Gaschler gegründete Staffelsteiner Badbauverein habe nun seine Pläne geändert. Ursprünglich, sagt Alfred Hornung, sei geplant gewesen, am "Herrnhölzla" unterhalb des Staffelbergs, auf halbem Weg zwischen Staffelstein und Horsdorf, ein Schwimmbad zu bauen. Dazu hätte man das Wasser der Lauter hochpumpen müssen. Dann aber kam der Ostsee.

Das Geld des Badbauvereins wurde dafür verwendet, eine Wasserwachtstation am neuen Badesee zu bauen. "Das war für uns Wasserwachtler eine willkommene Möglichkeit, uns sesshaft zu machen." Hier fanden Vorträge, aber auch die Erste-Hilfe-Ausbildung statt. "Es gab Sommer, da waren Tausende Leute da" - täglich. Das Wasser des Ostsees sei von sehr guter Qualität, denn der See werde von zwölf unterirdischen Quellen gespeist. Noch heute werden diese Gebäude als Station der Wasserwacht genutzt.


Beruf gewechselt

Als 1972 das Staffelsteiner Hallenbad (es steht noch heute neben der Obermain-Therme) seine Pforten öffnete, gab Alfred Hornung seinen Beruf als Teamleiter bei Bosch in Bamberg auf. Er wurde hauptamtlicher Schwimmmeister im Hallenbad, wofür er an der Sporthochschule in Erlangen die Ausbildung zum "staatlich geprüften Schwimmmeister" absolvierte. In diesem Bad, das einen Hubboden besaß, konnte er Kindern jeden Alters Schwimmunterricht geben. Seine Erwachsenenschwimmkurse seien jahrelang ausgebucht gewesen. Nachdem das Hallenbad im Jahr 2000 geschlossen wurde, arbeitete Alfred Hornung noch zwei Jahre in der Obermain-Therme, bis er in den Ruhestand ging.


Bescheidener Wächter

Alfred Hornung, der langjährige Vorsitzende der Staffelsteiner Wasserwacht und Lichtenfelser Kreisvorsitzende, macht im Rückblick nicht viel Aufhebens von seinem Dienst: "Im Hallenbad ist man schon a paar Mal neig'hupft."

An den Badeseen erinnert er sich, bei zwei Leichenbergungen beteiligt gewesen zu sein. Einmal konnte ein ertrunkenes Kind nur noch tot geborgen werden. Und einen Mann, der erhitzt von einer Luftmatratze ins Wasser sprang, mussten die Taucher vom Grund des Sees bergen - die Wiederbelebung hatte keinen Erfolg.

Doch auch bei Hochwasser waren die Retter der Wasserwacht im Einsatz. Alfred Hornung erinnert sich an einen Weihnachtstag in der Mitte der 1960er-Jahre. BRK-Kreisgeschäftsführer Hans Haar rief bei ihm an: "Wir müssen nach Medlitz ins Umspannwerk, da sitzt eine Oma mit Kindern im Hochwasser fest."


Boot auf dem Dach festgezurrt

Mit dem Opel Caravan - das Boot wurde auf dem Dach festgezurrt - fuhren die Retter nach Medlitz, das zum damaligen Landkreis Staffelstein gehörte. Im Hochwasser der Itz, kurz vor dem Umspannwerk, soff jedoch der Bootsmotor ab. Mit Mühe erreichten die Retter das Gebäude. Sie holten die Oma und die beiden Kinder ins Boot und brachten sie rudernd ans Ufer.

Zu ihrem ersten Hartschalenboot kam die Staffelsteiner Wasserwacht wegen eines Hochwassers Mitte der 1960er-Jahre: Beim Einsatz am Unterleiterbacher Kieswerk lief das Wasser ins Auto der Retter. Der damalige Staffelsteiner Landrat Oskar Schramm sah das und kommentierte: "So könnt ihr nicht mehr retten!" Daraufhin ließ der Staffelsteiner Kreistag ein Boot für die Wasserwacht beschaffen. Das sei ein großer Fortschritt gewesen, sagt Alfred Hornung, denn damals hatten die Feuerwehren noch keine Boote.