Während viele Baur-Mitarbeiter am Standort Weismain erst einmal durchatmen, haben die Möbeleinkäufer seit Dienstag traurige Gewissheit: Ihre Arbeitsplätze fallen dem Synergie-Projekt "Fokus" zum Opfer. Die Sortimente Möbel und Einrichten werden künftig am Otto-Konzernsitz in Hamburg bearbeitet. "Das hat nichts mit der Leistung des Bereichs zu tun", sagte Baur-Geschäftsführer Albert Klein. "Wir haben einen Wettbewerb im Online-Markt, der immer intensiver und härter geführt wird. Da müssen wir, gerade auf der Einkaufsseite, alle möglichen Synergien nutzen."

Es hätte für den Standort schlimmer kommen können. Dann, wenn tatsächlich nur die Einkäufer von Schuhen noch am Obermain verblieben wären. Nach langem Ringen hat man sich im Konzernverbund geeinigt: Der Einkauf wird zwar grundsätzlich zentral von Hamburg aus gesteuert.
Aber die Einkaufsbereiche Schuhe, Schmuck/Uhren, Sport, Haushalt, Leuchten sowie Geschenke, Spielwaren und Süßwaren bleiben in Weismain.

Dennoch: Um 62 Vollzeitstellen möglichst sozialverträglich abbauen zu können, müssen eine Reihe von Mitarbeitern das Angebot annehmen, mit einer Abfindung auszuscheiden oder in Altersteilzeit zu gehen. Laut Betriebsratsvorsitzendem Horst Bergmann richtet sich das Altersteilzeitangebot an Mitarbeiter, die 57 Jahre alt und älter sind. "Bis maximal sechs Jahre. Das heißt dann: drei Jahre arbeiten und drei Jahre zuhause", erklärte Bergmann. Der Betriebsratsvorsitzende sprach davon, alles gegeben zu haben, "was in unserer Macht stand". Bei aller Freude über das jetzt Erreichte wollten Bergmann und seine Betriebsratskollegen dennoch nichts beschönigen. "Ein Sozialplan ist immer schlecht, weil er die Existenz von Kollegen beeinträchtigt", sagte Bergmann.

Umsetzung "Prozess von Monaten"

Aber auch bei denjenigen, die nicht in ihrer Existenz bedroht sind, ist nach so langem Hin und Her noch keine Ruhe eingekehrt. "Was die Arbeit angeht, betrifft es alle. Wir wissen noch nicht so genau, wie das jetzt alles künftig ablaufen wird", sagte ein Mitarbeiter in Weismain.

Geschäftsführer Albert Klein wollte sich in der Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen zeitlich nicht festlegen. "Das ist ein Prozess von Monaten", sagte er. Von Juli an gelte zwar die neue Struktur, umgesetzt sei dann aber noch längst nicht alles.

Wichtige Errungenschaft für Baur: Das Unternehmen soll künftig mehr Dienstleistungen für Unternehmen der Otto-Gruppe erbringen. "Im Bereich E-Commerce hat unsere Mannschaft in den vergangenen Jahren hier einen tollen Job gemacht. Dieses Know-how soll künftig für den Konzern noch stärker genutzt werden", sagte Klein. Ausgebaut werden soll auch der Bereich Werbung. In Weismain werden künftig die Baur-Fotografen in neuen Fotostudios viele Produkte ins passende Licht rücken. Dazu sollen in den nächsten zwei Jahren 40 neue Arbeitsplätze entstehen.

"Jetzt muss erst einmal Ruhe einkehren", sagte Georg von Waldenfels, Vorsitzender des Kuratoriums der Baur-Stiftung. Der Mitarbeiterabbau sei deutlich geringer ausgefallen als anfangs befürchtet. "Für uns war vor allem wichtig, dass Baur seine Eigenständigkeit behält", sagte von Waldenfels. Auch Landrat Christian Meißner zeigte sich erleichtert über "das Bekenntnis der Otto-Gruppe zur Eigenständigkeit" von Baur.