Was wegen Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen und Hausfriedensbruch schon vor Wochen eröffnet wurde, fand im zweiten Anlauf im Amtsgericht nun seinen Abschluss. Im Verlaufe des Verfahrens gegen einen 25-jährigen aus dem Landkreis Lichtenfels, bei dem Richter Christoph Lehmann mehr aufklärend als richtend auftrat, lag das Gewicht des Urteils eindeutig auf den vom Mann wohl mehrfach vorgenommenen Hitlergrüßen.
750 Euro muss der Mann für ein Verhalten zahlen, mit dem er am 18. Februar einzuschüchtern versucht hatte. Der bullig wirkende Angeklagte hatte Einspruch gegen ein Urteil eingelegt (Geldstrafe: 900 Euro). Richter Lehmann machte ihm nun klar, dass die einstmals vernommenen Zeugen sehr vermutlich ihre Aussagen wiederholen würden. Worin sollten also Sinn und Zweck des Einspruchs bestehen?
Obwohl vor diese Frage gestellt, wurde dennoch verhandelt. Der Angeklagte wies die Tatvorwürfe nämlich von sich, sollte in der Folge aber ein unglückliches Bild abgeben. Schon darum, weil er zwar einräumte, den Hausflur einer Frau und eines Mannes betreten zu haben, sich aber an keinen rechten Adressaten seines Besuches entsinnen konnte oder mochte.

1,8 Promille intus

Von seinem Onkel wollte er erfahren haben, dass dieser von einem jungen Mann beleidigt und massiv zur Herausgabe von Bier gedrängt worden sei. Diesen jungen Mann vermutete er hernach in dem Haus einer Bekannten, zu dem er sich durch Klingeln Zutritt verschaffte. Wie sein Onkel beleidigt worden sein soll, wusste der Beschuldigte während des Prozesses auch nicht zu beschreiben.
"Unten ist die Tür mit aller Gewalt aufgesappt worden", erinnerte sich ein 23-jähriger Zeuge des Geschehens. Aus sicherer Distanz beobachtete der Mann damals das Geschehen und gab zu Protokoll, dass es zu "mindestens zehn Sieg-Heil-Rufen" im Flur gekommen sei. "Er hat gegrölt, dass er Thor wäre, und gesagt: C4-Sprengstoff, dann wird die Hütte weggesprengt."
1,8 Promille hatte der Angeklagte an diesem Tag im Blut, bezogen aus drei Flaschen Schnaps, die er sich mit einem an der Tat Beteiligten geteilt hatte.
Da sich keine neuen Erkenntnisse auftaten, der aussagende Zeuge auch glaubwürdig schien und seitens des Angeklagten auch kaum Einwände gegen dessen Ausführungen kamen, wies Lehmann darauf hin, dass es doch besser sei, den Einspruch zurückzunehmen. Allerdings sollte die prekäre finanzielle Situation des Angeklagten beleuchtet werden. Ihr ist es geschuldet, dass aus den ursprünglich veranschlagten 900 Euro letztlich 750 wurden.