Im Ziegenstall herrscht Aufregung. Die Tiere freuen sich darüber, dass sie ins Freie dürfen. Übermütig springen die Zicklein herum, sie knabbern an den Hosenbeinen von Johann Schaller und öffnen frech dessen Schuhbändel.

Als sie draußen sind, machen sie Bocksprünge vor Freude und tollen wie junge Hunde umher. Die Geißen sehen aufmerksam zu, was ihr Nachwuchs so treibt. Und auch der bärtige Bock, der auf den Namen Maxi hört, stellt sich neugierig auf die Hinterbeine, um hinauszuschauen, was sich auf dem Hof tut.

Drei Wochen sind die Zicklein alt, die zur Rasse weiße Edelziege gehören. Der Landwirt Johann Schaller, der am Freitag 70 Jahre alt wird, züchtet die Tiere. Die Milchviehhaltung hatte er vor zwölf Jahren eingestellt, weil sie nicht mehr rentabel war. Zum gleichen Zeitpunkt begann er damit, Ziegen zu züchten. Obwohl das viel Arbeit mache, doch er brauche als Rentner ja eine Beschäftigung.

16 Zicklein tummeln sich derzeit in seinem Stall, zudem die zehn Geißen und - im Separee! - der Bock. Im Sommer macht Johann Schaller Heu für die Tiere. Er hat ein paar Wiesen rund um Frauendorf zum Abmähen. Die Ziegen mögen das frische Heu. Normalerweise bekommen sie Kraftfutter, Schrot und Trockenschnitzel aus Melasse - als Leckerli gibt's alte Brötchen, die im Wasser aufgeweicht werden. Das sind die Sonnenseiten des Ziegen-Daseins.

"Zu Ostern werden sie verkauft", sagt Johann Schaller - lebend und auf Bestellung. Geschlachtet werden die 15 bis 25 Kilogramm schweren Jungtiere von einem Metzger. "Die Händler", klagt Johann Schaller, "wollen nicht mehr viel bezahlen - viel verdient ist damit nicht". Deshalb gebe er die Tiere oft direkt an Gaststätten ab. "Auf der einen Seite reut es einen, aber man kann sie nicht alle behalten", fährt er fort.


Eine quirlige Rasselband

Johann Schaller lässt die Tiere allabendlich ins Freie, wo sich die Zicklein im Herdenverband austoben können. Die quirlige Rasselbande anschließend wieder in den Stall zu bugsieren, ist nicht leicht - doch mit ein wenig Geduld gelingt es allemal. Die Zicklein sind sehr anhänglich und folgen den Geißen. Und wenn doch mal eines ausbüxt, meckert es laut im Dialog mit der Geiß und huscht dann in den Stall zu den anderen.