Wo man bis vor einigen Jahren noch Brot und Brötchen kaufen konnte, kann man in naher Zukunft ein Übernachtungszimmer buchen. Die Bäckerei Gräf am Marktplatz 9 in Thurnau wird zum kleinen "Hotel" umgebaut, in dem nicht nur Urlauber, sondern auch die Besucher des Schlosses nächtigen können.

Bis dato 101 Betten

Das Übernachtungsangebot in der Töpfergemeinde ist in den vergangenen Jahren zwar gewachsen, aber immer noch recht überschaubar. 51 Zimmer beziehungsweise 101 Betten kann man im Hauptort derzeit reservieren - gerade bei überregionalen Großveranstaltungen in der Schlossanlage wird das Angebot gelegentlich knapp.

Dass Bedarf vorhanden ist, das weiß die Gemeinde, die das Haus am Marktplatz 9 vor wenigen Wochen gekauft hat und sanieren will - in dem Wissen, dass sie so zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt. "Wir schaffen Betten, sorgen damit aber auch dafür, dass ein Leerstand an einem prägenden Platz in Thurnau revitalisiert wird", sagt Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU).

Viele nehmen Geld in die Hand

Bernreuther ist den vielen Bürgern dankbar, die in den vergangenen Jahren Geld in die Hand genommen, Häuser im Ortskern saniert und so zur Leerstandsbekämpfung beigetragen haben. Das Projekt am Marktplatz sei finanziell für Privatleute aber kaum zu stemmen. Auch die Gemeinde könne es nur in Angriff nehmen, weil sie eine hohe Förderung erhalte. Bei geschätzten Baukosten von 3,5 bis 4 Millionen Euro fließt laut Bernreuther eine 90-prozentige Förderung aus der Förderoffensive Nordostbayern. Der Bürgermeister ist froh, dass das für Thurnau bedeutende Projekt vom Gemeinderat einstimmig auf den Weg gebracht worden ist.

Mit dem Architekturbüro Spindler aus Kronach ist für das Haus am Marktplatz 9 der gleiche Planer zuständig, der auch die großen Sanierungsmaßnahmen im Schloss begleitet. Dass es da Synergieeffekte geben könnte, davon ist neben Bernreuther auch Klaus Bodenschlägel von der Gräflich Giech'schen Stiftung überzeugt.

15 bis 19 Zimmer sollen in dem denkmalgeschützten, zweigeschossigen Eckhaus geschaffen werden, dessen Bau um 1600 datiert ist. Das rundbogige Portal weist auf die Jahreszahl hin.

Fraglich ist laut Bernreuther noch, ob ein später erfolgter Anbau erhalten oder abgerissen wird. Derzeit finden Baugrunduntersuchungen statt, die archäologisch begleitet werden, weil im Umfeld des Hauses ein Bodendenkmal vermutet wird, wie Klaus Bodenschlägel erläutert.

Wer wird der Betreiber?

Baubeginn soll 2021 sein, die ersten Gäste sollen 2023 ein Zimmer buchen können. Wer das kleine "Hotel" betreiben wird, steht noch nicht fest.