Bündnis 90/Die Grünen setzen bei der Bundestagswahl im September auf Martin Pfeiffer. Bei einer digitalen Aufstellungsversammlung votierte die Mehrheit der Delegierten im Bundestagswahlkreis 240 Kulmbach/Lichtenfels/Bamberg für den promovierten Ökologen aus Kulmbach.

Aufgrund der aktuell angespannten Infektionslage wollten die drei Kreisverbände Kulmbach, Bamberg-Land und Lichtenfels keine Präsenzveranstaltung durchführen und entschieden sich stattdessen für den digitalen Weg. Per Briefwahl muss das Ergebnis der Online-Versammlung noch bestätigt werden.

Zwei Kandidaten traten zur Wahl an, die der Bayreuther Landtagsabgeordneten Tim Pargent leitete: die Sprecherin des Kulmbacher Kreisverbands der Grünen, Magdalena Pröbstl, und Martin Pfeiffer.

Beide hatten zunächst exakt sieben Minuten Zeit, um sich und ihre Ideen vorzustellen, danach stellten sie sich noch den Fragen der Delegierten.

"Tolles Wahlprogramm"

Martin Pfeiffer leitete seine Rede mit einem Bekenntnis zum Wahlprogramm der Bündnisgrünen ein. "Ich habe mich wiedergefunden in diesem tollen Entwurf. Er zeigt auf, wie wir auf die vielfältigen Krisen dieser Welt reagieren können und wie wir solidarische Lösungswege finden, die die Menschheit und unsere Erde aus der ökologischen Sackgasse holen, in die wir durch unsere egozentrische,

naturzerstörerische Wirtschaftsweise geraten sind."

Auf die Krisen müsse mit einer weitreichenden Änderung der Energie-, Agrar-, Umwelt- und Mobilitätspolitik in Deutschland reagiert werden, so der Ökologe. "Und es ist unsere Aufgabe, Sorge dafür zu tragen, dass die Kosten und Belastungen dieser Veränderungen gerecht verteilt sind."

Als "Scientist 4 Future" unterstütze er die grüne Forderung, die Treibhausgase bis 2030 um 70 Prozent zu reduzieren. Die EU müsse deutlich vor 2050 CO2-neutral sein. "Diese Forderungen sind wissenschaftlich begründet und liegen politisch wie ökonomisch im Bereich des Machbaren. Das geht nicht im Merkel-Schritt-Tempo, hier müssen wir aufs Gas treten und die Menschen mitnehmen", verdeutlichte Pfeiffer. Klimaneutralität sei eine große Chance für höhere Lebensqualität, mehr soziale Gerechtigkeit und einen klimagerechten Wohlstand.

Das verlange Können, Mut und Machen. "Wir verzahnen Energie, Wärme, Verkehr und Industrie und erstellen ein neues Energiesystem, das auf Sonnen- und Windenergie basiert und Energie in Wasserstoff speichert. Wir ermöglichen eine neue Mobilität mit dem E-Auto, der Bahn, dem Bus oder dem Rad. Wir starten eine umfassende Investitionsoffensive, um dem immensen Investitionsstau in unserem Land zu begegnen und Klimaschutz, öffentliche Mobilität, sozialen Zusammenhalt, Bildung und Digitalisierung deutlich zu stärken." Damit schaffe man dauerhafte Arbeitsplätze.

Zur Politik der Grünen gehört Pfeiffer zufolge die gleiche Teilhabe für Menschen aller Geschlechter und die Kampfansage an Rassismus und Diskriminierung. "Wir fordern soziale Gerechtigkeit, ausgewogene Besteuerung und gleiche Bildungs- und Qualifizierungschancen für alle, und wir wollen eine aktive Friedenspolitik umsetzen."

Die Zeit zum Handeln sei gekommen. "Unsere Kreisverbände müssen weit über die Wahl hinaus zusammenstehen, um die Weichen für Oberfranken richtig zu stellen. Unser Ziel ist die Vervielfachung unseres Stimmenanteils auf 15 bis 20 Prozent. Wir wollen die Wähler der bürgerlichen Mitte überzeugen und ihnen unsere Lösungsansätze umfassend vermitteln," schloss er.

Magdalena Pröbstl betonte in ihrer Bewerbungsrede soziale Aspekte: "Unsere Kernthemen bedingen sich gegenseitig: aktiver Klimaschutz, eine neue Wirtschaftsform und soziale Gerechtigkeit - alles Hand in Hand." Klimaschutz allein genüge nicht, so die Kulmbacher Kreissprecherin. "Wir müssen den sozialen Zusammenhalt zwischen allen Menschen in Deutschland stärken. Fortwährender Erfahrungsaustausch und gegenseitige Hilfe bereichern unser Leben."

Zwei Zugpferde in Berlin

Einig waren sich die beiden in ihrer Einschätzung: "Mit Annalena Baerbock und Robert Habeck haben wir die richtigen Zugpferde für Berlin."

In der darauffolgenden Online-Abstimmung setzte sich Martin Pfeiffer mit 17 gegen 14

Stimmen gegen Magdalena Pröbstl durch.

Die Wahl muss noch von den Mitgliedern der drei Kreisverbände bestätigt werden.