Gerd Hoffmann ringt hörbar um Fassung. Von einem unzumutbaren Handeln spricht er, von Lügen im Rathaus. Das Wort "Schweinerei" fällt und dass er mit Leuten, die ihn derart hintergehen, nichts mehr zu tun haben will. "Die Gemeinde hat meine Arbeit mit einem Schlag zunichte gemacht."

Was ist es, das den 62-jährigen Wirsberger in Rage bringt? Es geht um das Tiergehege in der Nähe des Wirsberger Waldschwimmbads. Der Bach rauscht vorbei, in das Gurgeln und Murmeln des Wassers mischt sich ein Meckern. Drei Ziegen turnen in der Mittagssonne umher. Es waren mal mehr. Neun Stück genau, als Gerd Hoffmann sich noch um das Gehege gekümmert hat. 17 Jahre lang tat er das. Im Januar musste er wegen einer schweren Erkrankung in die Klinik, fiel wochenlang als Tierpfleger aus. "Diese Zeit", sagt er, "haben die von der Gemeinde ausgenutzt."

Als er nach der Kur zurückkommt, muss er feststellen, dass sechs der Tiere nicht mehr da sind. "Man hat mir irgendwann gesagt, sie seien im Schlachthof getötet worden - das habe ich aber von Außenstehenden erfahren." Von der Gemeinde habe ihn keiner informiert. "Ich könnte ja eigentlich sagen, dass die Tiere mein Eigentum waren, immerhin sind sie ja aus der Zucht mit einem Ziegenbock von mir hervorgegangen."

Schlüssel abgegeben

Als Reaktion trägt er den Schlüssel zum Gehege auf die Gemeinde. Ein Schlussstrich. "Damit will ich nichts mehr zu tun haben." Hoffmann blute das Herz, wenn er an die Tiere denkt. Zwei Mal sei er seither mit dem Rad am Gehege vorbeigefahren. "Da tut mir alles weh, das halte ich nicht aus." Eine Frau soll sich, sagt er, mittlerweile an den Wochenenden um die Tiere kümmern. "Das scheint aber nicht hinzuhauen. Mich haben schon Leute angerufen und moniert, die Ziegen hätten kein Wasser."

Wochentags kümmern sich Gemeindearbeiter um die Tiere. Auch von ihnen hätte sich Gerd Hoffmann früher mehr Unterstützung gewünscht. "Ich habe mich bei ihnen gemeldet und gesagt, ich bräuchte Unterstützung etwa beim Klauenschneiden." Gekommen sei keiner. Jetzt mag er nicht mehr.

Nicht artgerecht, zu viele Tiere

Die Marktgemeinde Wirsberg macht im Gespräch mit der BR unter anderem deutlich, dass es mehrfach Hinweise gegeben habe auf nicht artgerechte Haltung und angeblich zu großen Besatz, der wiederum zu Krankheiten geführt habe . "Die Tiere waren doch nicht krank", entgegnet Gerd Hoffmann. Und von einer zu hohen Zahl im Gehege könne keine Rede sein. "Der zuständige Tierarzt Dr. Christof Mytzka aus Himmelkron hatte nie was an den Haltungsbedingungen auszusetzen gehabt, auch nicht der Anzahl."

Mytzka bestätigt das: "Die Ziege ist ein Herdentier. Das heißt: Neun Ziegen auf der gebotenen Fläche sind nicht zu viel. Herr Hoffmann hat sich nach meinem Dafürhalten vorbildlich gekümmert. Und wenn einem Tier etwas fehlte, dann hat er mich unterrichtet und ich habe es behandelt."

Wöchentlich zum Ziegenkuscheln

Nicht nur Gerd Hoffmann fehlen die Ziegen, sondern auch Stefanie Langer. Die Wirsbergerin hatte sich mit einem Schreiben an die BR gewandt und ihren Unmut über die Tötung der Tiere bekundet. "Ich bin der Meinung, dass sich darüber alle Wirsberger Gedanken machen sollten - wohl vor allem die Menschen, die diese ungerechte Entscheidung getroffen haben." Sie und ihre Tochter seien liebend gern zu Perli, Schwänli, Christa, Brauni und Mäggi gegangen. "Regelmäßig kümmerte sich Gerd Hoffmann liebevoll um seine kleine Ziegenfamilie, und auch wir gingen wöchentlich zum Ziegenkuscheln. Man musste sie nur rufen, und schon konnte man der Seele etwas Gutes tun." Viele Kinder und Tierfreunde hätten regelmäßig Brot und Brötchen vorbeigebracht.

Die Entscheidung der Gemeinde versteht sie überhaupt nicht: "Platzmangel und Erkrankung der Tiere waren die Begründungen der entscheidenden Personen. Der Platz reichte jedoch bisher immer aus, und der Tierarzt besuchte die Tiere regelmäßig, sodass ganz klar war, dass nur die alte Christa mit altersbedingten Krankheiten zu kämpfen hatte. Angeblich hat sich in der Krankheitsphase von Herrn Hoffmann keiner gefunden, der sich um unsere Lieblinge kümmern wollte - jedoch wurde er weder dazu befragt noch persönlich informiert, sodass er Helfer wie beispielsweise uns hätte finden können." Steffi Langers Unverständnis mündet in der Frage: " Gesunde Tiere töten, Kindern die Freunde nehmen, keine Reue, kein schlechtes Gewissen, keine Scham: Was ist nur los in Wirsberg?"
Marktgemeinde Wirsberg spricht von "unhaltbaren Vorwürfen"


Zu den Vorwürfen von Gerd Hoffmann und Stefanie Langer gibt der Markt Wirsberg die folgende offizielle Stellungnahme ab:

1. Der Marktgemeinderat Wirsberg musste sich seit dem Neubau des Kleintiergeheges wegen der hohen Ziegenzahlen schon mehrmals mit Vorwürfen wie "Tierquälerei" und "nicht artgerechter Tierhaltung" befassen. Das zuständige Landschaftsplanungsbüro teilte bereits 1996 mit, dass laut Aussage eines zoologischen Gartens "diese Fläche aus tierpflegerischer Sicht nur für die Haltung von zwei bis drei Ziegen nebst Kleintieren" geeignet ist, aber "nicht für sieben bis neun Ziegen plus Hühner, Tauben und Hasen".
2. Die wichtigsten Ansprechpartner für die Gemeinde in Fragen Kleintiergehege sind von jeher Tierärzte und Veterinäre. Auch Landwirte leisten Unterstützung. Die Tierpfleger wurden von der Gemeinde und den Tiermedizinern ständig zur Einhaltung einer verantwortbaren Ziegenzahl ermahnt.
3. Auch Gerd Hoffmann hat Ziegen und Zicklein zur Schlachtung abgegeben, verkauft oder verschenkt, da er zeitweise über 14 Tiere im Gehege hatte.
4. Gerd Hoffmann weiß selbst, dass er vom Bauhof seit Jahren von der Verpflichtung zum täglichen Futterholen entbunden und über Gebühr mit Trockenfutter versorgt wurde. Das reichliche Futterreservoir löste im Gehege schwere Rattenplagen aus. Dass die von ihm praktizierte Tierliebe oft zu einem weit überhöhten Tierbesatz führte, wurde vom Markt Wirsberg mit zahllosen Bitten auf Rückführung quittiert.
5. Mit Gerd Hoffmann und seiner Gattin fand nach seiner schweren Krankheit im Rathaus ein harmonisches Gespräch über die Zukunft des Tiergeheges statt. Dabei wurde er vom Bürgermeister auch um Vorschläge gebeten, wen er als Nachfolger/in empfehlen würde. Da sich bisher keine Nachfolge abzeichnet, sorgt Heinz Trambauer vom Bauhof wochentags für eine tiergerechte Pflege. Es wurden auch eine neue Wassertränke und ein Futterautomat angeschafft. An Wochenenden helfen tierliebende Ehrenamtliche aus.
6. Die Öffentlichkeit wurde in der Bürgerversammlung am 23. April über die Reduzierung der Ziegenzahl aufgeklärt. Vorher hatte sich die Verwaltung bei mehreren Ziegenzüchtern der Region um Aufnahme von Tieren bemüht. Leider wurde dies mit der Furcht vor Krankheiten abgelehnt.
7. Unter den Schlachttieren waren immer Tiere mit Lähmungen, Abszessen, Flascheneutern, Inzuchtschäden, Missbildungen und Verkrüppelungen. Dies traf auch bei der jüngst, mit Kenntnis des Veterinärs, durchgeführten Schlachtung zu.
8. Aufgrund der ehrenamtlichen Verdienste von Gerd Hoffmann und der damit verbundenen Fürsorgepflicht des Marktes Wirsberg verzichtet die Gemeinde, dessen unhaltbare Vorwürfe im Detail zu widerlegen. red