Energiewende, Umstieg auf regenerative Energien, Nutzung der Windenergie - was gut gemeint ist und sich erst mal harmlos anhört, hat nicht selten weitreichende Auswirkungen, die so nicht gewollt sein können. Im Extremfall führt dies dazu, dass sich - wie im Küpser Ortsteil Hain - Windkraftbefürworter, zumeist Grundstückseigentümer, die nicht schlecht verdienen, wenn ein Windrad bei ihnen gebaut wird, und Windkraftgegner feindlich gegenüberstehen.

Davon ist man in Kirchleus zwar noch weit entfernt, aber dennoch ist auch hier das Dorf gespalten. Dabei geht es um sieben 200-Meter-Windräder, die auf der Kirchleuser Platte in den Vorranggebieten Schimmendorf Nord und Schimmendorf Nord-Ost geplant sind.

Der Riss, der durch den Ort geht, spiegelt sich in der Ortssprecherwahl wider. Ortssprecher Richard Ströbel, bereits seit 18 Jahren im Amt, bekommt einen Gegenkandidaten.

"Siedlung total vernachlässigt"
Hans Limmer von der Bürgerinitiative gegen die Windräder auf der Kirchleuser Platte spricht die Ursachen des Zerwürfnisses offen an. Man sei unzufrieden mit Ströbels Informationspolitik in der Windkraftangelegenheit. Er habe frühzeitig von den Plänen gewusst, aber die Leute nicht aufgeklärt, was auf sie zukommen könnte, und vertrete einseitig die Interessen der Windkraftbefürworter. Die mehrfach geforderte Bürgerversammlung habe nie stattgefunden. "Ich habe ihm gesagt, dass es als Ortssprecher nicht genügt, sich für die Kirche und die Feuerwehr einzusetzen. Da gehört auch die Kirchleuser Siedlung dazu, aber die Siedlung ist total vernachlässigt worden", sagt Limmer.

Weiter kritisiert er Ströbels Rolle, als es vor Jahren um den Mobilfunkmast gegangen ist. Schließlich sei die Anlage auf dem Grund des Ortssprechers gebaut worden.

Auf Betreiben der Bürgerinitiative wird Sportvereinsvorsitzender Andi Herold bei der Wahl im September antreten. "Ich halte ihn für befähigt", betont Limmer, "er führt schon jahrelang den FC Kirchleus und kennt sich aus im Umgang mit Menschen und Behörden. Wir als Bürgerinitiative befürworten seine Kandidatur."

Richard Ströbel reagiert auf die Anfrage der BR verschnupft. Er wisse nichts von einem Gegenkandidaten, sagt er und fragt: "Ist Kirchleus so interessant? Warum wird das Thema hochgepusht?" In der Sache gibt es von ihm keinen Kommentar. Er lässt es auch offen, ob er nun überhaupt antreten wird.

Nicht danach gedrängt
Herold versichert, dass er sich nicht nach der Kandidatur gedrängt habe. Er habe ein gutes Verhältnis zu Ströbel, aber er sei von mehreren Leuten gefragt worden. Als Familienvater, als FC-Vorsitzender und Vorstandsmitglied im Kindergartenverein Höferänger sei er ausgelastet, "aber es ist von allen Seiten gekommen".

Herold betont, dass er nicht der ausgesprochene Windkraftgegner sei. Sein Anliegen sei es, "in einem Dorf wie Kirchleus, wo alle zusammenhalten sollten, die Wogen zu glätten und eine Einigkeit reinzukriegen. Das ist mein Hauptaspekt." Bei der Energiewende habe es der Staat nicht bedacht, "dass die Dörfer auseinandergetrieben werden. Das ist Schlimmste."

Es sei unverständlich, so der 37-Jährige, "dass jetzt solche Schwachwindgebiete wie bei uns herhalten müssen". Von den geplanten Windrädern "sind wir in der Siedlung am meisten tangiert", sagt er. Herold zeigt aber auch Verständnis, wenn die Grundstückseigentümer so ein gutes Angebot wahrnehmen. "Die Bauern müssen wirtschaftlich denken."