Schon mehrfach haben wir an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es Tiere gibt, die ganz zu Unrecht in einem schlechten Ruf stehen. Kühe sind nicht dumm, Esel nicht stur und Katzen nicht falsch.
Heute geht es uns um die Rehabilitation der Drossel, die immer wieder zu Unrecht des übermäßigen Alkoholkonsums bezichtigt und als "Schnapsdrossel" verunglimpft wird.
Weit gefehlt! Die eigentlichen Schluckspechte (!)in der heimischen Vogelwelt sind die Amseln. Zu beobachten war das in den letzten Tagen in meinem Garten. Dort steht ein Apfelbaum, den wir im Herbst ganz bewusst nicht komplett abgeerntet hatten: Was im Laufe der Wochen von selbst zu Boden fällt, ist höchst beliebt bei allerlei Getier. Unser Haus-Igel hat bei seinen nächtlichen Streifzügen den Baum nie ausgelassen.
Der Igel hat sich mittlerweile ins Winterquartier verzogen. Der Apfelbaum ist nun bevorzugtes Ziel einer großen Schar von Amseln, die zügig wegpicken, was noch an den Zweigen hängt und auf dem Boden liegt.
Letzteres allerdings scheint einigen von ihnen nicht wirklich gut zu bekommen. Möglicherweise hat das Fallobst in den letzten Herbsttagen zu gären begonnen, und was die Amseln als Snack ansehen, ist in Wirklichkeit ein hochprozentiger Drink. Anders kann ich mir das höchst merkwürdige Verhalten, das die Amseln seit einigen Tagen zeigen, nicht erklären: Vom Ast fallen, beim Hüpfen auf dem Boden über die eigenen Füße stolpern oder in Dreier-Formation mit Wucht gegen das Küchenfenster fliegen (zum Glück ohne nennenswerte Folgen für Vogel und Fenster) - da muss einfach Alkohol im Spiel sein.
Alk-Amseln also? Schnapsdrosseln jedenfalls nicht. Das Wacholderdrossel-Pärchen nämlich, das zu den regelmäßigen Gästen der Apfel-Bar gehört, benimmt sich stets untadelig.