Für die Schulen ist das Hin und Her natürlich schwierig. Mit einem besonderen Problem hat das berufliche Schulzentrum in Kulmbach zu kämpfen: "Das Problematische ist bei uns die Heimunterbringung der Schüler", erklärt Schulleiter Alexander Battistella. Denn die jungen Männer und Frauen würden nicht nur aus Oberfranken und Nordbayern zum Unterricht an die Hans-Wilsdorf-Schule kommen, sondern aus dem ganzen Bundesgebiet. "Deshalb sind die Vorläufe an unserer Berufsschule deutlich höher als an anderen Schularten." Es müssten Schüler und Heime informiert werden, "das geht nicht von heute auf morgen".

Deshalb habe er, Battistella, angesichts der Corona-Entwicklung im Landkreis bereits in der vergangenen Woche Bedenken angemeldet und für diese Woche keine Schüler einbestellt und die Heime geschlossen gelassen. Eine vorausschauende Entscheidung, wie die Entwicklung zeigt.

80 bis 100 Schüler wären unterzubringen gewesen. "Das variiert von Woche zu Woche, weil die Blockpläne unterschiedlich sind." Drei Heime (zwei vom Bayerischen Roten Kreuz und die Jugendtagungsstätte in Wirsberg) hängen an den Planungen.

Natürlich ist es der große Wunsch des Schulleiters, dass wieder Normalität an seiner Einrichtung einkehrt. "Ich hätte gerne wieder Schüler im Haus, zumal wir uns ja auch auf die Abschlussprüfungen zubewegen", erklärt er. Auf der anderen Seite unterstütze er die Entscheidung, die Schulen angesichts eines Inzidenzwerts von über 300 wieder zu schließen. "Es kämen ja Schüler von außerhalb des Landkreises, die wollen bei diesen Werten nicht nach Kulmbach."

Er appelliert an alle, sich an die Schutzmaßnahmen zu halten, damit der Wert wieder sinkt und der Unterricht aufgenommen werden kann. "Der Distanzunterricht funktioniert zwar, aber er kann den Präsenzunterricht nicht ersetzen, vor allem nicht in praktischen Bereichen."Das Feilen oder Bierbrauen kann man halt nicht am PC lernen", so Battistella abschließend.

Zu dem Thema haben wir auch ein Interview mit Schulamtsdirektor Michael Hack geführt.

Herr Hack, wie ist die Corona-Lage an den Schulen? Gab es viele Fälle?

Michael Hack: Mit der Schulöffnung für alle Abschlussklassen am 15. März wurden auch flächendeckend im Landkreis Kulmbach Selbsttests für Lehrer und Schüler eingeführt. Bei allen getesteten Schülern wurde nur ein positiver Verdachtsfall gemeldet, der sich dann auch mittels eines PCR-Tests bestätigt hat. An einer weiteren Schule wurde ein weiterer Schüler positiv getestet - aber außerhalb des Unterrichts, so dass keinerlei Kontakt zur Klassengruppe stattfand. Insgesamt ist die Lage bezüglich Corona-Infektionen an den Schulen im Landkreis sehr überschaubar.

Sehen Sie die Schulen als großen Infektionsherd?

Zum aktuellen Zeitpunkt: Nein.

Hat Sie die erneute Schließung überrascht, nachdem die Schulen gerade erst wieder öffnen durften?

Wir Verantwortlichen am Landratsamt und Schulamt Kulmbach hatten uns, als wir Ende vergangener Woche die Entscheidung getroffen hatten, eine andere Entwicklung der gesamten Lage in Kulmbach (unabhängig von den Schulen) erwartet. Ansonsten hätten wir uns auch nicht für die Öffnung für Abschlussschüler entschieden.

Welche Schulen sind betroffen? Gibt es Ausnahmen für Abschlussklassen?

Von der jetzigen Maßnahme sind alle Schulen betroffen. Lediglich Schüler der Abschlussklassen der Gymnasien Q12 und FOS/BOS dürfen zum Schreiben von Klausuren im Hinblick auf die bald anstehenden Abiturprüfungen unter Einhaltung aller Hygieneregeln in die Schule.

Wie aufwendig sind die ständigen Umplanungen und das Hin und Her für Schulamt und Schulen?

Sehr aufwendig. Für alle Beteiligten erfordert dies viele und teilweise auch sehr kurzfristige Absprachen, Entscheidungen und eine damit verbundene Organisation und einen insgesamt enormen Arbeitsaufwand.

Was ist Ihre Hoffnung mit Blick auf weitere Maßnahmen?

Ich erhoffe mir für die Gesamtbevölkerung und somit auch für alle, die an und mit den Schulen zu tun haben, eine schnelle und deutliche Verbesserung der Gesamtlage, sodass bald wieder Unterricht in Präsenz- oder zumindest Wechselunterricht für alle Klassen möglich ist.

Welche Vorsichtsmaßnahmen werden in den Schulen getroffen, um Ansteckungen zu vermeiden?

Da gibt es viele: Abstand halten, Raumlüften, Maskentragen, Desinfektion, Hygieneregeln, Händewaschen. Das alles und noch viel mehr ist in einem neuen, 14-seitigen Rahmenhygieneplan für Schulen geregelt. Dieser ist öffentlich auf der Seite des Kultusministeriums einsehbar. Die Schulen setzen diesen konsequent und höchstverantwortungsvoll um. Begleitet wird dies durch die Impfung von Lehrkräften sowie die Verteilung von Selbsttests für Lehrer und Schüler durch die Kreisverwaltungsbehörde. Das ist in Kulmbach hervorragend gelaufen.