Jeder, der schon einmal in Nepal war, kennt die Katas: Es handelt sich um kunterbunte Glücksschals. Sie werden überreicht, um Gästen Ehrerbietung zu erweisen und um friedliche Absicht zu bekunden. Katas sind Massenprodukte, nur grob ausgeschnittene Stoffbahnen. Ihr Wert liegt in der Symbolik.
Zur großen Feier im Mönchshofssaal schenkten die Vorstandsmitglieder der Nepalhilfe Kulmbach allen Gästen solche kunterbunten Glücksschals. Und jeder trug das Geschenk mit Respekt.
Der Mönchshofssaal wurde zudem mit Gebetsfahnen ausstaffiert. In Nepal trifft man solche Fahnen überall. Sie wehen an heiligen Orten, schmücken Gebirgspässe. Insgesamt sind es immer 25 Einzelfahnen, die eine Gebetsfahne ergeben. Die Farbfolge wiederholt sich jeweils fünf Mal. Denn mit der Zahl fünf hat es eine besondere Bewandtnis: Die Farben symbolisieren die fünf chinesischen Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser und die Himmelsrichtungen. Auf jeder Einzelfahne ist ein tibetisches Mantra (Gebet) aufgedruckt. Im ursprünglichen Glauben gehen die Nepalesen davon aus, dass die Gebete durch das Flattern im Wind aktiviert werden und dass der Wind die Gebete in den Himmel nimmt.


Viele Gebete wurden erhört

Dass viele Gebete der Nepalesen erhört werden, darum kümmert sich der Kulmbacher Nepalhilfe-Verein schon seit 15 Jahren. Gabriele Philipp erinnerte in einem beeindruckenden Vortrag an all die kleinen und großen Erfolge, die erzielt wurden und zeigte Bilder aus dem Land, das zu den ärmsten der Welt gehört.
Sonja Promeuschel, die neue Vorsitzende des Vereins, zog Bilanz in Zahlen: 1,75 Millionen Euro wurden in den vergangenen 15 Jahren nach Nepal gebracht. Der Verein, der 2002 gegründet worden ist, begann mit 28 engagierten Kulmbachern. Inzwischen zählt er 369 Mitglieder. "Als ich 1994 zum ersten Mal in Nepal war, wollte ich eigentlich nur den Mount Everest sehen", erzählte Promeuschel. Doch die Freundlichkeit der Menschen, die Lebensfreude und Offenheit, die unglaublich schöne Natur und die Kultur haben sie nie mehr los gelassen.


Die Ärmsten der Armen


Obwohl die Kulmbacher Hilfsorganisation schon vieles möglich gemacht hat, ist die Situation in Nepal noch immer extrem schwierig. "Auf 25.000 Einwohner kommt ein Arzt, bei uns kommt ein Arzt auf 300 Einwohner", sage Oberbürgermeister Henry Schramm. Zwar besuchen 71 Prozent der Kinder irgendwann einmal eine Schule, doch nur die Hälfte ist vier Jahre oder länger in der Schule.
Der Durchschnittsverdienst in Nepal liegt bei 160 US-Dollar pro Jahr. "Nepal gehört immer noch zu den ärmsten Ländern der Erde", so der Kulmbacher OB. Deshalb sei es wichtig, dass die Hilfe weitergehe. Zudem habe es in Nepal erst in diesem Jahr wieder einen heftigen Monsunregen gegeben. 2015 wurde das Land von heftigen Erdbeben heimgesucht. Und immer sind die Ärmsten der Armen betroffen. "Es ist unsere christliche Aufgabe, diesen Menschen zu helfen", sagte Schramm. Und Hilfe leisteten die Kulmbacher umfassend. Sie richteten Schulen ein, vergaben Mikrokredite, halfen älteren Menschen und brachten ärztliche Hilfe nach Nepal.
"Wir sind stolz darauf, was die Nepalhilfe in den vergangenen 15 Jahren bewerkstelligt hat. Es ist ein besonderer Verein mit besonderen Menschen", so Landrat Klaus Peter Söllner. Er zeigte sich stolz darauf, dass die Ehrenamtsquote in Kulmbach bei über fünfzig Prozent liegt. "Aber leider gibt es auch immer mehr Menschen, die sich nur kurz für eine Sache begeistern", bedauerte der Landrat.
Ein besonders wichtiger Aspekt sei die Tatsache, dass die Nepalhilfe Kulmbach immer Hilfe zur Selbsthilfe geleistet habe.
Landrat Klaus Peter Söllner und Oberbürgermeister Henry Schramm zeichneten Peter Pöhlmann, den Gründungsvorsitzenden der Nepalhilfe, aus. Pöhlmann wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. "Für Peter Pöhlmann war die Nepalhilfe immer ein Lebenswerk. Er hat dazu beigetragen, den Verein auf eine breite Basis zu stellen", so Söllner. Pöhlmanns Nachfolgerin und frühere Stellvertreterin Sonja Promeuschel überreichte ihmeine Nepali-Topi, eine Kopfbedeckung,d ie zur ntypischen epalesischen Männertracht gehört.
Ausgezeichnet wurden auch Sonja Promeuschel selbst und Johann Hunger für ihr außerordentliches Engagement seit der Gründung des Vereins.
Bei der Jubiläumsveranstaltung war auch ein Verkaufsstand mit handwerklichen Produkten aus Nepal aufgebaut.


Spendenkonto

Die Nepalhilfe Kulmbach betreut zwei Schulen in Nepal, organisiert eine regelmäßige Schulspeisung und unterstützt zahlreiche Patenkinder. Noch im Oktober ist eine Nepalreise etlicher Helfer geplant. Ein Zahnarzt soll die Kinder an der Schule in Malekhu kostenlos untersuchen und behandeln. Freiwillige Helfer der Adalbert-Raps-Stiftung helfen beim Wiederaufbau der vom Erdbeben zerstörten Häuser und beim Aufbau von Toiletten. Wer die Initiativen unterstützen möchte, kann dies durch Spenden auf das Vereinskonto bei der Sparkasse Kulmbach Kronach tun.
IBAN: DE 487715000 000 00110130