Rabiha Ismail (21) sitzt im Wintergarten von Klaus Geier und nippt verlegen an einem Glas Wasser. Tränen stehen in ihren Augen, denn die junge Frau weiß nicht mehr weiter. Sie möchte stark sein, doch sie kann eigentlich nur noch weinen. An ihrer Seite sitzt Lothar Klier aus Wartenfels. Klier hat sie immer zur Tafel gefahren und so versucht, den Flüchtlingen zu helfen. Daher kennt Rabiha Ismail den engagierten Helfer.

Und auch Klaus Geier, Mitglied der Stadtsteinacher Kirchenverwaltung, engagiert sich ehrenamtlich für Flüchtlinge. "Ich hatte weniger mit der Familie in Zaubach zu tun", sagt Geier. Als Rabiha ihr Leid klagt, ist auch er erst einmal ratlos.


Alles sehr kurzfristig


Das Gesetz schreibt vor, dass sie unverzüglich aus ihrer Übergangswohnung raus muss, wenn sie ihren Pass bekommt. Die Wohnung war für sie fast schon ein Zuhause.
"Das ist alles schon sehr kurzfristig", ist Geier erstaunt.

Rabiha hat mit ihrem Vater, ihrer Mutter und zwei Geschwistern in Zaubach gelebt. Monatelang. Und dann kamen die Schreiben, dass die Familie aus Syrien anerkannt wird.

Der Rest der Familie hat den Pass schon gestern bekommen. "Die sind nach Hannover zu Verwandten", erklärt Rabiha. Jetzt ist nur noch sie allein in der Wohnung in Zaubach. Aber auch nicht mehr lange. Denn Rabiha bekommt ihren Pass ebenfalls. Und dann muss auch sie ausziehen.

Eigentlich wollte sie sofort zu ihrem Mann nach Erfurt. "Aber ich darf nicht", sagt Rabiha verzweifelt. Denn ihr Mann lebt in einer Asylbewerberunterkunft. Und dort sei kein Platz für sie - zumal sie ja bereits die Anerkennung hat.


Vermittlungen im Hintergrund


Rabiha ist erst 21 Jahre alt, sie hat offensichtlich Angst, dass sie auf der Straße landen könnte. Dass sie eine SMS von ihrer Vermietern bekommen hat mit der Aufforderung, sich im Rathaus in Stadtsteinach zu melden, hat sie gar nicht realisiert. Tatsächlich hatte die Ausländerbehörde die Vermieterin informiert, dass die Syrerin Flüchtlingsstatus bekommt und somit keine Asylbewerberin mehr ist. Damit ist ab sofort das Jobcenter für die Bezahlung einer Wohnung zuständig.

Unterdessen hatte sich Kerstin Linß von der Stadtverwaltung Stadtsteinach bereits mit dem Sozialarbeiter in Erfurt in Verbindung gesetzt und eigentlich schon alles geregelt. Rabiha kann zu ihrem Mann nach Erfurt, wird dort bei ihm untergebracht.


Verzweiflung statt Freude


Außerdem hat Linß auch noch eine Wohnung in Stadtsteinach aufgetan, in die das junge Ehepaar einziehen könnte. Doch diese positiven Botschaften kamen bei der jungen Flüchtlingsfrau und ihrer Familie nicht an. Stattdessen herrschte pure Verzweiflung statt Freude auf eine neues Leben.

"Das Schreiben, dass sie einen Pass bekommen, wird schon Wochen vor Aushändigung an die Flüchtlinge verschickt. Dann haben sie Zeit, sich eine Wohnung zu suchen", erklärt Isabella Burger vom Landratsamt Kulmbach das Prozedere. Genau so ist alles auch bei Rabiha und ihrer Familie abgelaufen. "Wenn die Flüchtlinge dann einen Pass haben, müssen sie sofort raus. Also am nächsten Tag", bestätigt Burger.

"Aber die sind nicht gedrängt worden", sagt Isabella Burger und nimmt die Vermieterin, die telefonisch nicht zu erreichen war, in Schutz. Eigentlich hätten ohnehin nur Rabiha und ihr Vater in der Wohnung in Zaubach leben dürfen, der Rest der Familie war offiziell nur zu Besuch.


Alle wollen in die Stadt


"Bei uns muss keiner auf der Straße stehen. Es gibt so viele Wohnungen, aber nicht alle sind immer mitten in der Stadt. Wir helfen, aber man muss manchmal auch Kompromisse machen", sagt Burger vom Landratsamt klipp und klar. "Wir haben natürlich auch viele Familien, die sich mit den Asylbewerbern angefreundet haben und dann ein privates Mietverhältnis mit ihnen eingehen. Auch das gibt es", erklärt sie.

Doch manchmal ist es nicht so einfach, Wohnungen zu finden, weil Flüchtlinge stadtnahe Wohnungen ablehnen, weil sie ihnen zu ländlich sind. "Die meisten Flüchtlinge wollen schnell weg in Großstädte. Und dort ist es nicht so einfach, eine Wohnung zu finden", kennt Burger das Dilemma.

"Bislang hat es in Kulmbach noch keinen einzigen Fall gegeben, in dem ein Flüchtling akut von Obdachlosigkeit bedroht war." Es habe sich immer eine Lösung gefunden.


Neue Heimat in Erfurt


Nach Intervention der ehrenamtlichen Betreuer hat sich auch für Rabiha Ismail alles zum Guten entwickelt: Sie schaute sich die Wohnung, die die Stadt für sie aufgetan hatte, an - und war zufrieden. Dann schickte sie ihrem Mann per Whatsapp Fotos von der Wohnung. Doch dann entschied sie sich doch dafür, nach Erfurt zu reisen und bei ihrem Mann unterzukommen.

"Das Problem in dem Fall war, dass die Kommunikation nicht geklappt hat. Aber zum Glück hat sich alles zum Guten gewendet", sagt Kerstin Linß von der Stadtverwaltung. Für Rabiha Ismail beginnt jetzt in Erfurt ein neues Leben.