Gastwirt Wolfgang Kiesewalter steht mit Frau und Tochter in seinem "La Lista". An ein Restaurant erinnert dort allerdings nichts mehr. Wo sich bis vor kurzem Theke, Tische und Stühle befunden haben, stehen jetzt ein Einkaufswagen, mit dem Müllsäcke weggefahren werden, Sackkarren und Werkzeugkisten. Seit Montag wird ausgeräumt, denn das "La Lista" ist dicht.

Wehmut macht sich breit

Bei Kiesewalter macht sich Wehmut breit. Kein Wunder: 20 Jahre war er im Fritz. Er gehörte zu den wenigen Geschäftsleuten, die dem Einkaufszentrum seit der Eröffnung 1999 treu geblieben sind. Er hat das Auf und Ab mitgemacht, weiß, dass das Jubiläumsjahr nicht zu den besten zählt. "Es ist traurig, was aus dem Obergeschoss geworden ist." Und in der Tat. Wer sich im ersten Stock umschaut, sieht Rollläden, die heruntergelassen sind. Nur drei Mieter sind geblieben, nachdem sich jetzt auch die Buchauer Holzofenbäckerei verabschiedet hat. Die zieht an den Eku-Platz um, eröffnet am 1. Oktober in der Klostergasse 4 eine neue Filiale.

Was wird mit H&M?

Ob die verbliebenen Geschäfte im Fritz eine Zukunft haben? Es bleiben H&M, ein Nagelstudio und ein Friseurladen. Bei "Gold Nails & Beauty" und "essanelle - Ihr Friseur" deutet sich ein Umzug ins Erdgeschoss an, die schwedische Textilkette, deren Filiale über zwei Stockwerke geht, dürfte somit der einziger Mieter in der oberen Etage bleiben. Gerüchte, dass das nach dem Kaufplatz-Aus letzte große Zugpferd dem Fritz auch bald den Rücken kehren wird, entbehren offenbar jeder Grundlage. H&M habe einen Mietvertrag, der noch über mehr als fünf Jahre gehe, sagt Marteen Koorn von der Futura Vermögensverwaltungsgesellschaft, die Eigentümer der Immobilie ist.

Umbau im Frühjahr geplant

Die Futura plant im Frühjahr einen großen Umbau, der mit einer Neuausrichtung einhergeht. Wie Koorn ausführt, soll das Ladengeschäft künftig auf das Erdgeschoss konzentriert werden. Im Obergeschoss will man Platz für Büro-, Lager und Laborflächen schaffen. Auch die Uni Bayreuth sei als potenzieller Mieter im Gespräch. Dass die Geschäfte im Obergeschoss geräumt werden, sieht die Futura somit durchaus positiv. Denn es werde so Platz frei, den man für die Umgestaltung benötige, erläutert Koorn, nach dessen Worten man mit dem "La Lista"-Betreiber eine einvernehmliche Lösung getroffen habe.

Auch Stammkunden trauern

Was Wolfgang Kiesewalter bestätigt, der das Restaurant ursprünglich noch zwei Jahre weiterführen wollte, dann aber auch mit Blick auf die alles andere als erfreuliche Entwicklung im Fritz um eine vorzeitige Auflösung des Mietvertrages gebeten hat. "Wir sind nicht böse, dass es jetzt so kommt", sagt Kiesewalter, der betont, dass mit seiner Familie auch viele Stammkunden um das "La Lista" trauern. Ein Angebot der Futura, in das Erdgeschoss umzuziehen, habe er abgelehnt. Der Gastwirt will mit seinen 68 Jahren nun das Rentnerdasein genießen.

Während sich Kiesewalter zur Ruhe setzt, hat Marteen Koorn mit der Neuausrichtung des Einkaufszentrums viel zu tun. Es gebe etliche Firmen, die sich für Flächen im ersten OG interessieren würden, sagt der Futura-Sprecher und führt an: "Es wird keinen Leerstand geben. Und es werden so auch neue Arbeitsplätze geschaffen."

Kommt ein Lebensmittelhändler?

Um das künftig eingeschossige Einkaufszentrum macht sich Koorn keine Sorgen. Er ist zuversichtlich, dass dort ein guter Ladenmix gefunden wird. Auch für das "Kaufland" werde es bald einen Nachfolger geben. Die Futura sei bestrebt, dass auf der dann umgebauten Fläche auch wieder Lebensmittel verkauft werden. Koorn: "Ich hoffe, dass wir da schon Ende des Jahres einen neuen Mieter verkünden können."

Dazu auch ein Kommentar von Alexander Hartmann

Es gibt wenig Grund zum Feiern

Ende Oktober feiert das Fritz sein 20-jähriges Bestehen. Grund zum Jubeln gibt es im Jubiläumsjahr aber wenig. Im Kulmbacher Einkaufszentrum macht sich nämlich mehr und mehr Tristesse breit. Das Fritz kämpft ums Überleben, wie viele andere Einkaufszentren in kleineren Städten auch. Leerstände prägen das Bild - gerade im Obergeschoss, das in nichts mehr an eine Einkaufspassage erinnert und Gedanken an das Atrium in Bamberg aufkommen lässt, indem einst nach über 20 Jahren die Lichter ausgegangen sind. Von den Ankermietern sind nicht viele übrig geblieben. Das Kaufland hat sich verabschiedet, das Depot und der Modemarkt Adler haben ebenso wie der Gewürzladen Müller das Weite gesucht, die AWG-Filiale wurde im Zuge der Insolvenz geschlossen. Das sind nur einige wenige Geschäfte, die dem Fritz in den zwei Jahrzehnten den Rücken gekehrt haben. Die Schilder, mit denen an der Außenfassade zur Hans-Hacker-Straße hin mit Ex-Mietern für den "Treffpunkt zum Einkaufen" geworben wird, gehörten längst ausgetauscht. Was wäre nur, wenn es den H&M nicht mehr gäbe, fragen sich viele, die orakeln, dass dann die Lichter endgültig ausgehen würden. So weit ist es noch lange nicht. Und Schadenfreude, die so mancher in den sozialen Medien anklingen lässt, ist fehl am Platz. Die dürften auch die Einzelhändler in der Langgasse nicht verspüren, denn eines steht fest: Wäre das Einkaufszentrum ein Besuchermagnet, würde davon auch die Innenstadt profitieren.

Mit aller Macht will sich nun der Eigentümer gegen den Ausverkauf stemmen. Und er geht womöglich den richtigen Weg. Er investiert in den Umbau und wird die Einkaufspassage auf das Erdgeschoss konzentrieren. Dort geht ja noch was, wie "Kreuzers Backhäusla" zeigt. Und vielleicht bringt ein neuer Lebensmittelhändler nach dem Jubiläumsjahr ja doch wieder mehr Leben ins Fritz.