15 Tierschützer - allesamt Mitglieder des Tierschutzvereins Kulmbach und Umgebung - haben am Wochenende eine Mahnwache zum Verbot von Wildtieren in Zirkussen gehalten. Sie postierten sich eine Stunde vor der Abendvorstellung vor dem Zelt des Zirkus Carl Althoff, hatten Plakate mit der Aufschrift "Wildtierverbot jetzt!" und "Kein Applaus für Tierquälerei!" dabei.

540 Unterschriften von Kulmbachern brauchen die Tierschützer, um eine Petition anzustrengen; 239 Unterschriften hatten die Wildtier-Gegner schon vor der Mahnwache gesammelt - das entspricht mehr als vierzig Prozent der nötigen Stimmen. Die Mitglieder des Tierschutzvereins hoffen auf weitere Unterzeichner. Die Petition kann über die Facebook-Seite "Tierheim Kulmbach" eingesehen werden und soll, wenn genügend Unterschriften zusammenkommen, Oberbürgermeister Henry Schramm überreicht werden.


"Tiere nicht zur Schau stellen"

"Die fünf Löwen sind in einem Außenkäfig, der fünfzig Quadratmeter hat. Das sind zehn Quadratmeter pro Tier", sagt Tierheimleiterin Susanne Schilling. Auch wenn das den Anforderungen entspricht, sie sogar übertrifft, wollen die Tierschützer ein generelles Haltungsverbot von Wildtieren. "Wir möchten, dass Tiere nicht zur Schau gestellt werden - nur der Belustigung wegen", so Schilling.

Die Verantwortlichen des Zirkus' allerdings fanden die Demonstration, auch wenn Besucher nicht behelligt wurden, überflüssig und riefen die Polizei. Der Grund: Die Demonstranten standen zunächst auf dem vom Zirkus angemieteten Gelände. Die Polizei verwies die Tierschützer daraufhin auf den Straßenrand beim Güterbahnhof, wenige Meter nach hinten. Die Mahnwache blieb friedlich.


"Demonstration ist unfair"

Verantwortlich für die Löwen beim Zirkus Althoff ist Francisco Hernandez aus Venezuela. "Ich arbeite seit 34 Jahren mit Löwen", sagt Hernandez. "Sie werden gut gefüttert, bekommen bei uns alles, was sie brauchen. Sie können von den Zirkuswagen in das Freigehege. Aber sie schlafen bis zu 20 Stunden pro Tag", erklärt der Wildkatzen-Experte. Die Löwen sind so zahm, dass Francisco Hernandez den "König der Löwen" wie eine Hauskatze durchs Gitter kraulen kann. Das Außengehege ist mit verschieden hohen Podesten ausgestattet. "Der Chef der Truppe sitzt immer ganz oben", erklärt Hernandez und betont: "Wir finden es unfair, wenn demonstriert wird."

"Wir haben das Außengehege mit einer Sichtschutzplane abgehängt. Das war eine Auflage des Ordnungsamtes", erklärte die Pressesprecherin des Zirkus Althoff, Joanna Weisheit. Außerdem gab es die Anordnung, dass die Löwen nach 20 Uhr nicht mehr im Außengehege sein dürfe, damit nicht mehr ganz nüchterne Altstadtfestbesucher keinen Schabernack machen, so Weisheit. Auch dieser Anordnung wurde Folge geleistet. "Wir wollen einfach unsere Arbeit machen. Wir möchten die Menschen unterhalten. Tiere gehören zu einem Zirkus dazu", sagt Marcel Frank vom Zirkus. Zuletzt habe es keine Proteste gegeben. Und Dompteur Hernandez ergänzt: "Ich habe alle Zertifikate, um mit Löwen arbeiten zu dürfen."

Die Besucher ließen sich von der Demonstration nicht beeindrucken. "Ich möchte die Löwen sehen", sagte Mia (6), die gemeinsam mit ihrer Schwester Anouk (9) und Papa Helmut Schindler zur Vorstellung kam. "Wir wollen uns die Show ansehen, wollen einen schönen Abend haben", sagte Schindler. Auch die anderen Zirkusbesucher ließen sich die Freude an den Sensationen nicht verderben. "Wir haben die Karten gewonnen und schauen uns jetzt die Show an", gingen auch Benjamin Limmer mit Rosalie (2) und Sophie Seibig an den Demonstranten vorbei. "Es ist ein bisschen komisch, wenn man jetzt an den Plakaten vorbeigeht. Aber wir freuen uns trotzdem", ließen sich auch Jutta Eichner mit Sohn Adam (3) und Oma Anneliese nicht abschrecken. "Man muss auch überlegen, was man isst. Die Hundetransporte sind auch nicht okay", sagte indes die acht Jahre alte Leonnie, die gemeinsam mit ihrer Tante Kerstin Linß den Zirkus besuchte. "Aber wir gehen trotzdem rein", entschied Kerstin Linß, sehr zur Freude der Nichte.