Wenn es an der Kreuzung Bundesstraße 303/Staatsstraße 2183 zwischen Neuenmarkt und Wirsberg kracht, dann richtig: 8. November 2019: Ein Dacia brennt nach dem Zusammenstoß mit einem BMW völlig aus. Wie durch ein Wunder gibt es nur drei Leichtverletzte. 5. Juni 2020: Ein Linienbus kollidiert mit einem BMW, der völlig demoliert wird. Der Autofahrer wird schwer verletzt. Glücklicherweise befinden sich im Bus keine Fahrgäste. 15. September: Der letzte schwere Unfall ereignet sich am vergangenen Dienstag (Bild oben): Ein Mann aus dem Landkreis Kulmbach will mit seinem BMW, aus Himmelkron kommend, von der Bundesstraße nach links Richtung Neuenmarkt abbiegen. Er missachtet die Vorfahrt einer 26-Jährigen, die aus Richtung Ludwigschorgast kommt und die Kreuzung bei Grün geradeaus überqueren will. Die Bilanz: drei Schwerverletzte und ein Schaden von über 70 000 Euro.

26 Unfälle seit 2017

Drei folgenschwere Kollisionen innerhalb eines Jahres, die deutlich machen, dass die Kreuzung einer der Unfallschwerpunkte im Landkreis Kulmbach ist. Von 2017 bis heute haben sich dort 26 Unfälle mit teils immensem Sachschaden ereignet. Zwölf Personen wurden verletzt, etliche davon schwer.

Für die Bürgermeister Alexander Wunderlich (Neuenmarkt) und Jochen Trier (Wirsberg) steht fest: Es muss gehandelt werden. "Wollen wir warten, bis das erste Kreuz am Straßenrand steht?", fragt Jochen Trier, der die Frage selbst beantwortet: "Das wollen wir nicht."

Das Bayreuther Beispiel

Trier sieht die Schaffung eines Kreisverkehrs als die sinnvollste Lösung an. "Da fahren die Leute langsamer ran." Bei der Frage, ob ein Kreisel an einer so stark frequentierten Kreuzung möglich ist, blickt der Wirsberger Bürgermeister auf den an der Autobahnausfahrt Bayreuth-Nord, "an der sicherlich noch stärker befahrene Straßen aufeinandertreffen". Dieser Kreisverkehr sei beispielhaft. Durch den Abbau der Ampelanlage würde man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn auch der Verkehrslärm würde reduziert, "weil die Fahrzeuge nicht mehr so stark beschleunigen würden wie beim Anfahren an der Ampel". So würde man der Forderung der Anlieger Rechnung tragen, die über die Lärmbelästigung klagen.

"Auch meine favorisierte Lösung ist ein Kreisverkehr", sagt sein Neuenmarkter Amtskollege Alexander Wunderlich, der hofft, dass zeitnah eine neue Verkehrsregelung gefunden wird. Man könne froh sein, dass es bei den letzten Unfällen keine Todesopfer zu beklagen galt: "Ich mag mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn der Bus bei dem schweren Unfall im November mit Fahrgästen besetzt gewesen wäre."

Nichti n aller Schnelle realisierbar

Wunderlich weiß, dass sich ein Kreisel nicht in aller Schnelle realisieren lässt, kann sich als Sofortlösung eine veränderte Ampelregelung vorstellen. Er glaubt, dass sich die Situationen verbessern würde, wenn die Linksabbieger auf der B 303 eine eigene Grünphase erhalten würden. "Bis dato müssen diese immer erst den Gegenverkehr passieren lassen."

Das sagt die Polizei

Und was sagt die Polizei? Eine Grünphase hält der Leiter der Stadtsteinacher Inspektion, Georg Löffler, nicht für die Optimallösung, weil sich die Linksabbieger dann in Sicherheit wiegen würden. Die Kreisel-Variante unterstützt er indes vollends: "Die beiden Bürgermeister rennen mit dieser Forderung bei mir offene Türen ein." Wie Jochen Trier führt auch Georg Löffler den Kreisel an der A 9 bei Bayreuth-Nord als Musterbeispiel an. Dieser habe sich bewährt. Auch bei Goldkronach habe der Bau eines Kreisels auf einer unfallträchtigen Strecke die Gefahren minimiert. Der Polizeichef wünscht sich, dass sich alle Beteiligen noch einmal zeitnah an einen Tisch setzen, um eine Lösung zu finden.

Die Ampellösung

Ein Treffen hat es an der Kreuzung bereits im Sommer gegeben, und dabei ist man einer Sofort-Lösung nähergekommen, wie der Leiter des Sachgebiets Verkehr am Landratsamt, Manfred Amschler, mitteilt. Vor einigen Jahren seien an der dortigen Kreuzung bereits eigene Grünphasen für die Linksabbieger geschaffen worden, die von der Kreis- beziehungsweise Staatsstraße zwischen Wirsberg und Neuenmarkt auf die Bundesstraße auffahren. Diese hätten sich bewährt. Solche Grünphasen, die sich auch Alexander Wunderlich wünscht, soll es künftig auch auf der B 303 geben. Amschler rechnet damit, dass die Neuregelung, für die eigene Masten gesetzt werden müssten, ab Oktober oder November gilt. Ein Kreisverkehr ist aus seiner Sicht eine gute Lösung, die man verfolgen könne. "Ob sich ein solcher realisieren lässt, muss das Staatliche Bauamt entscheiden." Bedenken müsse man dabei allerdings, dass der ampelgesicherte Übergang für Radfahrer und Fußgänger verschwinden würde. Diese müssten Amschler zufolge dann wohl über einen Zebrastreifen die Bundesstraße queren.

Ob ein Kreisverkehr an der viel befahrenen Straße überhaupt möglich ist? Wir haben das Staatliche Bauamt in Bayreuth dazu befragt, auf unsere schriftliche Anfrage aber noch keine Antwort erhalten.