Wie konnte es so weit kommen? Die Kicker von Vatan Spor Kulmbach waren mächtig in Rage, fühlten sich von Puchtler in den ersten 45 Minuten plus fünfminütige Nachspielzeit krass benachteiligt. Der 47-Jährige hatte gegen Vatan Spor acht Gelbe, zwei Gelb-Rote und eine Rote Karte verhängt, allerdings auch eine Rote gegen Wartenfels. Vatan-Spor-Vorsitzender Mustafa Mazioglu schimpft: "Der Schiedsrichter hat komplett gegen uns gepfiffen, für jede Aktion gab es Gelb. Wir mussten damit rechnen, dass er in der zweiten Halbzeit noch mehr Spieler von uns vom Platz stellt."

Außerdem steht ein schwerer Vorwurf seitens Vatan Spor im Raum: Schiedsrichter Puchtler habe einen seiner Spieler mit "scheiß Türke" tituliert, berichtet Mazioglu. Der Sache geht nun die Kripo Bayreuth nach, wie deren Pressesprecher Alexander Czech bestätigt. Es liege eine Anzeige wegen Beleidigung vor.
Norbert Puchtler aus Alt drossenfeld, der für den SV Röhrenhof pfeift, bestreitet allerdings die Vorwürfe vehement: "Ich habe niemanden beleidigt, das habe ich noch nie gemacht." Weiter will er sich öffentlich nicht äußern.

Manfred Angles, Spielertrainer des ATS Wartenfels, schildert die Vorfälle aus seiner Sicht: "Zwischen den Spielern beider Vereine hat es eigentlich nichts gegeben, nur der Schiedsrichter wurde für einige Spieler von Vatan Spor immer mehr zum Feindbild. Ein paar haben sich auf ihn eingeschossen, jede Aktion kommentiert und ihn beleidigt." Dabei habe Puchtler laut Angles "beiderseitig gut gepfiffen."

Der 34-jährige Angles, der im Fußball schon viel erlebt hat, aber noch keinen Spielabbruch, findet es "traurig", dass die Partie so enden musste. Es sei schade, "dass es immer wieder so hitzköpfige Spieler gibt, die den Fußball kaputt machen."

Ein Fall für die Gerichte

Gruppenspielleiter Gerd Rieß hat den Fall - wie üblich bei derartigen Spielabbrüchen - der Rechtsabteilung des Bayerischen Fußball-Verbandes in München übergeben. Die drei Punkte werden wohl den Wartenfelsern zugeschrieben.

Womöglich müssen sich aber sogar ordentliche Gerichte mit den Vorfällen von Burghaig beschäftigen. Mustafa Mazioglou kündigt an, dass man auch Wartenfelser Spieler für ihre Tätlichkeiten und Beleidigungen ("Sie haben uns Taliban genannt") anzeigen wolle. Der Vorsitzende sagt: "Ich habe schon die Hakenkreuz-Schmierereien auf dem Fußballplatz in Bad Berneck erlebt. Irgendwann reicht es einmal. Wir haben es satt, ständig benachteiligt und beleidigt zu werden."

Acht Mal Gelb und vier Platzverweise

Fünf Tore, sieben Gelbe, zwei Gelb-Rote und zwei Rote Karten - die erste und letztlich auch einzige Halbzeit der A-Klassen-Partie zwischen Vatan Spor Kulmbach (13.) und dem Dritten ATS Wartenfels hatte es in sich. So lief das Skandalspiel, das zur zweiten Halbzeit nicht mehr angepfiffen werden konnte, bis zum Pausenstand von 1:4.

Die Gäste gingen durch einen herrlichen Kopfballtreffer von Friedl nach einem Freistoß von Gergely in der 12. Minute in Führung. Nach klasse Vorarbeit von Karaoglan glich Karapinar in der 16. Minute aus. Doch drei Minuten später brachte Youngster Färber den ATS erneut in Führung. In der 27. Minute wurde Gästestürmer Friedl vom Gelb vorbelasteten einheimischen Spielertrainer Sesselmann derart provoziert, dass er sich zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ und folgerichtig mit der Roten Karte den Platz verlassen musste. Auch Sesselmann musste mit der Gelb-Roten Karte vom Platz. Schon hier kochten die Gemüter hoch.

In der 38. Minute vollendete Grimm einen erneuten Gergely-Freistoß zum 1:3. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit wurde Grimm im Vatanspor-Strafraum rüde von hinten von den Beinen geholt. ATS-Spielertrainer Angles verwandelte den fälligen Foulelfmeter sicher zum 1:4. In dieser Szene meckerte der bereits verwarnte Karaoglan und bekam auch noch Gelb-Rot. In der Halbzeitpause beleidigte Vatan-Spor-Auswechselspieler Serkan Uzun, selbst aktiver Unparteiischer bei der Gruppe Kulmbach, seinen Schiedsrichter-Kollegen und bekam von diesem ebenfalls die Rote Karte.

Tore: 0:1 Friedl (12.), 1:1 Karapinar (16.), 1:2 Färber (19.), 1:3 Grimm (38.), 1:4 Angles (Foulelfmeter/45.+4). - Zuschauer: 40. - Schiedsrichter: Puchtler (Röhrenhof). - Gelb-Rote Karten: Sesselmann (27.), Karaoglan (45.+5)/-. - Rote Karten: Uzun (46.)/Friedl (27.). red