"Wenn die Vereine keine Schiedsrichteranwärter schicken, kann es durchaus sein, dass sie bald ihre Spiele selbst pfeifen müssen!", droht der 39-Jährige.

Der Mangel an Unparteiischen lässt sich mit Zahlen belegen. Zählte die Schiedsrichter-Gruppe Kulmbach vor ein paar Jahren noch etwa 120 aktive Mitglieder, so können die Einteiler heute nur noch auf rund 80 Kräfte zurückgreifen. "Es wird immer schwieriger, alle Spiele am Wochenende von der Kreisliga bis hinunter in die B-Klassen sowie die Partien der A- bis D-Junioren mit Schiedsrichtern zu besetzen", klagt der Lehrwart der Kulmbacher Gruppe, Dominik Haas.

Sechs pfeifen überregional

Er selbst ist am Wochenende als einer von sechs Kulmbacher Schiedsrichtern überregional im Einsatz.
Haas pfeift neben Cengiz Gündüz, Jonas Groß, Sandro do Adro und Jan Gäbelein Bezirksliga-Spiele, Johannes Hamper sogar in der Bayernliga und in der A-Jugend-Bundesliga. Alle sechs höherklassigen Kulmbacher Schiedsrichter brauchen bei ihren Einsätzen noch zwei Assistenten für die Seitenlinie. "Das heißt, wenn wir alle sechs unterwegs sind, stehen schon mal 18 der 80 Kulmbacher Schiedsrichter nicht für die Spiele im Kreis zur Verfügung", sagt Dominik Haas.

Zwischen 40 und 50 Spiele müssen am Wochenende von der Kulmbacher Gruppe mit geprüften Schiedsrichtern besetzt werden. "Es ist ein immenser Aufwand, immer für alle Partien Leute zu finden. Oft müssen sogar noch am Spieltag selbst Umbesetzungen vorgenommen werden, weil Schiedsrichter kurzfristig ausfallen", sagt Haas, der zusammen mit Udo Konstantopoulos, Cengiz Gündüz und Marcel Luse die Einteilung vornimmt. Und an manchen Wochenenden sei die Personalnot so groß, dass Schiedsrichter sogar zwei Partien an einem Tag pfeifen müssten, erklärt Haas.

Für Blutauffrischung in der Gruppe sollen Neulingskurse sorgen, die zwei Mal im Jahr durchgeführt werden. Der erste 2013 fand im Februar statt. Immerhin 18 Personen nahmen teil. "Etwa zehn von ihnen stehen uns inzwischen als Schiedsrichter zur Verfügung", sagt Haas.

Trotzdem wird weiteres Personal dringend gebraucht. So hofft der Lehrwart, dass sich auch beim nächsten Kurs im Oktober wieder ähnlich viele Teilnehmer finden. "Damit wäre uns schon etwas weitergeholfen."
Schiedsrichter kann man ab 14 Jahren werden. Doch erhoffen sich die Verantwortlichen der Kulmbacher Gruppe, dass auch aktive, erfahrene Fußballer vom Ball an die Pfeife wechseln. "Gerade solche, die ihre Karriere beenden wollen oder müssen, dem Fußball aber treu bleiben wollen, sind uns herzlich willkommen", sagt Dominik Haas.

Kurs startet am 17. Oktober

Der Neulingskurs der Schiedsrichtergruppe Kulmbach findet vom 17. bis 19. Oktober statt. Beginn ist am Freitag um 17.30 Uhr im Gasthaus Geuther in der Blaich.

Die Teilnahme am Kurs ist kostenlos. Am Ende des dreitägigen Kurses wartet auf die Anwärter eine schriftliche Prüfung, in der sie 15 Fragen zur Regelkunde beantworten. "Richtiger" Schiedsrichter ist man aber erst, wenn man seine Feuertaufe auf dem Platz bestanden hat. Die Neulinge werden zunächst bei Jugendspielen oder in unteren Erwachsenenklassen an ihre Aufgabe herangeführt. In den ersten Spielen bekommen sie einen erfahrenen Schiedsrichter als Betreuer an die Seitenlinie gestellt.

Für die jüngsten Schiedsrichter gibt es sogar eine eigene Fördergruppe. Der Lehrwart sagt: "Wir veranstalten allwöchentlich ein Training, meist auf dem Realschul-Platz. Das besteht aus Laufübungen, Regelkunde, Praxisübungen. Da werden dann Spielszenen nachgestellt und gelehrt, wie man sie richtig beurteilen muss."
Schiedsrichter zu sein, hat durchaus seine Vorteile, wie Dominik Haas wirbt: "Mit dem Schiedsrichter-Ausweis kann man alle Fußballspiele in Deutschland kostenlos besuchen." Sogar in der Champions-League-Spiel durfte Haas schon umsonst ins Stadion.
Einmal im Monat treffen sich die Schiedsrichter der Kulmbacher Gruppe. Der nächste Lehrabend findet am diesem Freitag um 18.30 Uhr in der Gaststätte Geuther in der Blaich statt. Als Referent ist Spielgruppenleiter Gerd Rieß (Weidenberg) zu Gast.

Anmeldung und weitere Informationen zum Neulingskurs bei Udo Konstantopoulos (Handy 0176/31695664, E-Mail und konstantopoulos@t-online.de) oder Dominik Haas (0160/5885022, E-Mail d.haas@gmx.net).