Jan Frodeno schrieb am Wochenende beim Ultra-Triathlon in Roth Geschichte. Der Kulmbacher Marc Heller erlebte hautnah, wie der Olympiasieger einen neuen fantastischen Weltrekord von 7:35:39 Stunden aufstellte und den zweitplatzierten Joe Skipper (England) um 20 Minuten fast deklassierte. "Der Frodo hat mich auf der Radstrecke überholt. Da denkst du, du stehst", schüttelt der Athlet des ASV Kulmbach ungläubig den Kopf. Dabei war der 43-Jährige selbst keineswegs langsam unterwegs. Die 180 Kilometer mit etwa 1500 Höhenmetern auf dem Rad durchs wellige Mittelfranken spulte Marc Heller in starken 5:36 Stunden herunter - macht einen Schnitt von etwa 33 Kilometern pro Stunde. "Die Atmosphäre auf der Radstrecke kann man nicht beschreiben, da stehen dir die Haare zu Berge.
Die Zuschauer feuern jeden an, die interessiert nicht, ob du Profisportler bist oder nicht", schwärmt der Kulmbacher von dem Wettkampf.


Schmerzen im Fuß

Zuvor war Heller 1:15 Stunden im Wasser des Main-Donau-Kanals unterwegs - auch eine respektable Zeit für die 3,8 Kilometer. Hätte er nicht Schmerzen im Fußballen bekommen, wäre für den 43-Jährigen sicher noch eine bessere Zeit als 3:42 Stunden beim abschließenden Marathon drin gewesen. "Ich musste zum Schluss einige Gehpausen einlegen", erzählt der 43-Jährige. Doch Marc Heller biss auf die Zähne: "Immer wenn ich einen Schmerz spürte, habe ich an das Ziel gedacht. Die Vorfreude auf diesen Moment hat mich angetrieben."

Im Ziel warteten etliche Vereinskollegen Hellers und gratulierten neben seiner Frau Katja als Erste zu der starken Debüt-Zeit von 10:48:12 Stunden - Platz 791 unter 2453 Männern (168. Altersklasse M 40) .

Das Laufen ist die Paradedisziplin des langen Schlacks. Zwar hat Heller erst vor fünf Jahren intensiv mit dem Joggen angefangen ("Am Anfang war ich schon nach ein paar Kilometern platt"), dann aber in nur einem Vierteljahr etwa 25 Kilo abgespeckt und und relativ schnell Top-Platzierungen bei den Volksläufen der Region erreicht. Und Marc Heller integrierte sich schnell in der Szene: "Ich habe gesehen, dass unter den Läufern viele gute Leute sind." Nachdem er einige Mal nur hauchdünn an der Drei-Stunden-Marke beim Marathon gescheitert war, knackte er diese 2015 in München endlich (2:59:24).

Vor vier Jahren radelte Heller mit Markus Schott zum legendären Rother Triathlon, dem traditionsreichsten und mit jährlich etwa 200 000 Zuschauern populärsten Triathlon in Deutschland. "Wir haben uns damals geschworen, irgendwann machen wir da auch mal mit."

Und beide hielten ihr Versprechen. Marc Heller schnupperte schon im Vorjahr in der Staffel des ASV Kulmbach erstmals Wettkampfluft in Roth. Und heuer stand er mit Markus Schott gemeinsam im Einzelrennen an der Startlinie. Auch Schott, der für das Fit‘nFun an den Start ging, darf sich Finisher nennen. Er blieb gerade noch 41 Sekunden unter der 13-Stunden-Marke (Schwimmen: 1:12:11/Rad: 5:58:20/Laufen: 5:38), wäre aber sicher deutlich schneller gewesen, wenn er nicht wegen Rückenproblemen den Marathon fast nur gehend absolvieren konnte. Kein Wunder, hatte ihn doch vier Tage vor dem Wettkampf ein Hexenschuss erwischt.

Auch Oliver Engelhardt vom ASV Kulmbach kam in 12:44:02 Stunden (1:35:44/6:13:38/ 4:43:31) glücklich ins Ziel. Er war acht Minuten schneller als im Vorjahr.

Andreas Maiwald vom ATS, der in Roth bereits unter zehn Stunden geblieben war, musste dieses Mal verletzungsbedingt aufgeben.


ASV-Staffel mit Top-Zeit

Am Start war auch eine Staffel des ASV Kulmbach. Die 16-jährige Pauline Schweens kam nach glänzenden 55:43 Minuten als Zwanzigste unter 600 Staffelteilnehmern aus dem Wasser, Nadja Lindner spulte die 180 Kilometer aus dem Training heraus in starken 5:27:45 Stunden herunter, und Carsten Friedmann lief den Marathon in 3:09:20 Stunden. Am Ende belegte der ASV in 9:35:56 Stunden einen tollen 21. Platz.

Für Marc Heller wird es am nächsten Montag noch einmal richtig spannend. Dann wird er nämlich früh vor dem Computer sitzen und versuchen, einen der 2000 noch freien Startplätze für die Challenge in Roth 2017 zu ergattern. "Die sind innerhalb von Sekunden weg", weiß der 43-Jährige. Doch wen die Faszination Roth einmal gepackt hat, der muss einfach wieder hin.