Seit dieser Woche ist es beschlossene Sache: Die Fußball-Bundesliga führt ab der kommenden Saison die sogenannte Torlinientechnik ein. Während im vergangenen März noch neun Teams des Fußball-Oberhauses gegen den Einsatz der Technik stimmten und nur neun dafür, waren es diesmal fünfzehn Befürworter bei drei Gegenstimmen. Den Antrag hatte der FC Bayern München gestellt. Die zweite Liga wurde bei der Abstimmung diesmal nicht einbezogen.

Torlinientechnik ein teurer Spaß

Zum Einsatz kommt ab dem 1. Juli 2015 das System "Hawk-Eye" aus England. Erfunden wurde es 2001 vom britischen Mathematiker Paul Hawkins. Der Hersteller ist ein Tochterunternehmen von Sony Europe. Beim "Falken-Auge" erfassen mehrere Hochgeschwindigkeits-Kameras den Ball. Aus dessen Position und dem Winkel zur Kamera berechnet ein Computer exakt die Position des Balles.
Wie das Magazin "kicker" berichtet, kostet der Einsatz der Technik rund 8000 Euro pro Bundesliga-Partie. Das macht an einem normalen Spieltag mit neun Begegnungen insgesamt 72 000 Euro.

Wir haben Trainer und Funktionäre im Kreis Kulmbach nach ihrer Meinung zur Torlinientechnik in der Bundesliga gefragt - mit einem überraschenden Ergebnis.

Peter Schwarzmeier, Spielleiter beim ATS Kulmbach, steht der Technik positiv gegenüber: "Ich sehe dieses Vorhaben für den Bereich des Profi-Fußballs als durchaus sinnvoll an." Allerdings sei der Einsatz bei unterklassigen Vereinen wohl aus finanziellen Gründen zum Scheitern verurteilt.

Thorsten Schirmer, Abteilungsleiter beim TSV Neudrossenfeld hält diesen Schritt ebenfalls für einen sehr guten: "Wir leben im 21. Jahrhundert und dann sollten wir auch auf die Technik zurückgreifen, wenn wir sie schon haben." Man habe bereits bei der WM und in England gesehen, dass das System zuverlässig arbeite. "Es geht hier einfach um das Wichtigste im Fußball: die Tore. Damit werden Meisterschaften und Abstiege entschieden", sagt Schirmer. Auch wenn er die Torlinientechnik positiv sieht, würde er gerne auf weitere technische Hilfsmittel verzichten: "Weil sonst der Fußball, so wie wir ihn kennen, kaputtgeht!"

Auch Markus Taschner, Trainer beim Landesligisten SSV Kasendorf, glaubt, dass die Einführung der Torlinientechik gerade im Spitzensport die richtige Entscheidung ist. "Dadurch können Phantomtore und Nachholspiele vermieden werden", sagt er. Für den Amateursport sei es aber unsinnig - und ohnehin unbezahlbar. "Beim Spitzensport geht es um viel mehr, da sollte man auch die technischen Möglichkeiten nutzen. Es ist doch ungerecht, wenn einer Mannschaft wegen einer Tatsachenentscheidung - beispielsweise in der Champions League - Millionen Euro verloren gehen."

Marco Dreßel, Trainer des TSV Thurnau, sieht das ähnlich: "Das Spiel wir immer schneller, und der Einsatz solcher Technik hilft den Schiedsrichtern sicher. Im Grunde sehe ich die Einführung in der Bundesliga schon positiv."