Rund 22 Kilometer Strecke - das klingt für einen routinierten Läufer wie ein Klacks. Doch was beim "Strongman-Run" am Nürburgring abläuft, ist alles andere als normal. Die Route ist bei diesem Rennen mit zahlreichen Hindernissen gespickt: Es galt Berge von Strohballen zu überwinden, durch nasse und matschige Gräben zu robben und auf Kies unter einem Elektrozaun hindurch zu krabbeln. Doch genau das macht für Lukas Richter aus Fassoldshof den Reiz dieses Laufs aus. Der 19-Jährige hat in diesem Jahr zum zweiten Mal teilgenommen und kam unter rund 12 000 Startern auf Rang 246.

Intensives Training

Auf den "Strongman-Run" ist Richter im Netz gestoßen. " Für mich stand schnell fest, dass ich da mitmachen möchte", sagt er. Bei seiner ersten Teilnahme im vergangenen Jahr kam er immerhin bereits auf Platz 603.

Ein solch hartes Rennen erfordert eine intensive Vorbereitung, weshalb er schon im Herbst begann zu trainieren. "Ich habe vier- bis fünfmal pro Woche trainiert, immer mit einem unterschiedlichen Programm.

Denn der Hindernisslauf erfordert sowohl Kraft als auch Ausdauer", sagt Richter. Mal ging es eine halbe Stunde nur bergauf, mal zwei Stunden gerade. Immer auf dem Fahrrad mit dabei: seine Schwester. "Sie hat die Zeiten genommen und mich motiviert", erklärt Richter. Sofern sie mitfahren konnte. Denn um für die schwierigen Hindernisse gerüstet zu sein, ging es beim Training auch mal querfeldein durch Sträucher und Gebüsch - zu unwegsam für ein Rad.

Nudelbuffet und Warm-Up-Party

Das Abenteuer "Strongman-Run" begann für Richter an einem Freitag mit der Anreise. Die Teilnehmer wurden mit einem Nudelbuffet und einer Warm-Up-Party erwartet. Obwohl der Start tags darauf erst für 13 Uhr angesetzt war, stand Richter schon um 11 Uhr auf der Matte. "Es war ein Massenstart mit allen Teilnehmern. Wenn man zu spät kommt, muss man lange warten, ehe man loslaufen kann", erklärt Richter. Also harrte er zwei Stunden aus, um im vorderen Feld dabei zu sein.

Die Bedingungen am Nürburgring waren alles andere als optimal: Es hatte gerade einmal um die zehn Grad, zudem regnete es immer wieder. Das machte es für Richter nicht leichter. Das Härteste waren aber die Rutschen, an deren Ende Becken mit sieben Grad kaltem Wasser warteten. "Man war so richtig auf Betriebstemperatur und ist dann direkt hineingerutscht. Durch die Kälte ist mir erstmal die Luft weggeblieben", sagt Richter.

Rund zwei Stunden und zwanzig Minuten hat er für die 22 Kilometer lange Strecke gebraucht. Immer wieder musste Richter die Zähne zusammenbeißen. "Wenn es einfach mal geradeaus ging, dann war das eine richtige Erholung für mich", sagt er. Denn im Vergleich zu einem Marathon kommen die Läufer beim "Strongman-Run" wegen der Hindernisse nicht in einen Rhythmus. Für Richter kein Problem: "Einen normalen Marathon oder Halbmarathon zu laufen, wäre nichts für mich. Das ist mir einfach zu monoton."

Voranmeldung für nächstes Jahr

Von Monotonie konnte am Nürburgring keine Rede sein. Die Hindernisse stellten die Teilnehmer vor Herausforderungen, rund 3700 Läufer sind in der ersten Runde bereits ausgeschieden. Entweder hatten sie sich verletzt, oder die eigene Leistungsfähigkeit falsch eingeschätzt. Der Slogan der Veranstaltung lautet "no pain - no glory" ("kein Schmerz - kein Ruhm") und dessen Gültigkeit kann Richter bestätigen: "Irgendwann waren die Knie vom Kriechen offen, bei den Reifen-Hindernissen hat man sich überall Schrammen geholt, und man war von Kopf bis Fuß mit Schlamm besudelt", sagt Richter, "es war geil".

Und weil er so begeistert von der Veranstaltung ist, hat er sich für das kommende Jahr bereits wieder angemeldet. Sein Ziel: Irgendwann unter die ersten 100 zu kommen. Dass das nicht leicht wird, ist dem 19-Jährigen, der bei der SG Roth-Main Fußball spielt, bewusst. "Man muss nicht nur super trainiert, sondern auch ein bisschen dreist sein, um weit nach vorne zu kommen", sagt er. Ein Stau vor einem Hindernis? Mit etwas Unverfrorenheit und Ellebogeneinsatz kein Problem.

Viele Teilnehmer tauchten in bunten Kostümen auf - etwa als amerikanischer Cop, Neandertaler oder Wikinger. Richter findet das zwar witzig, ist das Ganze aber ernster angegangen, als so mancher Kontrahent. Der Lohn war eine hervorragende Platzierung im vorderen Mittelfeld. "Es war ein hammermäßiges Gefühl, als ich im Ziel angekommen bin - fast wie eine Erlösung. Zu dem Zeitpunkt habe ich noch gar nicht damit gerechnet, dass ich so weit vorne gelandet bin", sagt er. Eine Feier am Abend gab es aber nicht - dafür war Richter einfach zu kaputt.