Jeannette Bellhäuser betritt die erhöhte Kampffläche inmitten der ovalen Halle. Obwohl zahlreiche Zuschauer auf den Rängen sind, ist es still. Die 21-jährige Karateka atmet tief durch. Weltmeisterschaft. Sie weiß: jetzt gilt's - alles oder nichts.

Die Karate-Weltmeisterschaft in Tokio war bislang der Höhepunkt in Bellhäusers noch junger Karriere. Der dritte Platz in der Kategorie "Kata-Team" war mehr, als sie im Vorfeld erwartet hatte. In dieser Disziplin geht es darum, eine festgelegte Abfolge von Kampftechniken zu präsentieren. Die Choreographie wird dann von der Jury bewertet. Dieses Jahr waren nur Japan und Russland besser.

Erfolgreich im Nationalteam

Seit 2009 kämpft Bellhäuser im Nationalkader, doch mit Karate hat sie viel früher angefangen.
"Mein Einstieg war ein Selbstverteidigungskurs im Alter von zehn Jahren, der mein Selbstbewusstsein stärken sollte", sagt die 21-Jährige. Der Kampfsport hat sie fasziniert, sie begann mit Karate - und blieb dabei: "Irgendwann war es ein fester Bestandteil meines Lebens."

Sie wurde immer besser und schaffte es schließlich in die deutsche Karate-Elite. Ihr Studium der Sportökonomie führte sie nach Bayreuth, wo sie im Karate-Zentrum von Henry Landeck trainiert. Auch in der Filiale in Kulmbach übt sie regelmäßig. Die Einsätze im Nationalkader führten Bellhäuser bereits quer durch Europa, von London über Prag bis nach Belgien - und von Erfolg zu Erfolg.

Doch die Reise zur Weltmeisterschaft im fernen Japan war einzigartig: "Wir waren direkt überwältigt von Tokio, dieser riesigen Stadt, und von der Gastfreundschaft der Japaner", sagt Bellhäuser. Sieben Stunden Zeitunterschied liegen zwischen Deutschland und Japan. Während das für Bellhäuser kein Problem war, hatten viele ihrer Teamkollegen mit Jetlag zu kämpfen. Doch bis zum Wettkampf blieb genug Zeit, um sich zu akklimatisieren, zu trainieren und sich die Stadt anzusehen.

Obwohl Bellhäuser bereits mehrere weite Reisen unternommen hatte - sie war unter anderem als Austauschschülerin in China und Entwicklungshelferin in Indien - war Japan für die 21-Jährige ein einmaliges Erlebnis. Das hat einen einfachen Grund: "Japan ist das Mutterland des Karates, deshalb hat es für mich eine besondere Bedeutung. Ich wollte dort schon immer hin. Und jetzt, nach meinem ersten Besuch, weiß ich, dass es nicht der letzte gewesen sein wird."

Sportler aus 25 Nationen waren bei der Weltmeisterschaft vertreten. Wenn sich die Karate-Elite trifft, kommt man ins Gespräch: "Viele Karateka kennt man ja, zum Beispiel von der Europameisterschaft. Da haben sich schon gute Kontakte und zum Teil sogar Freundschaften entwickelt." Beim gemeinsamen Abschlussessen haben sich die deutschen Teilnehmer insbesondere für das japanische Team interessiert - schließlich wurde Karate in dessen Heimatland erfunden. "Hauptthema war der Sport, denn für Privates blieb zu wenig Zeit", sagt Bellhäuser.

Für die Studentin ist mit der WM-Teilnahme noch lange nicht Schluss: "Ich will auf jeden Fall weitermachen. Mit Karate werde ich nie aufhören." Zunächst stehen für sie in Kürze die Verbandsmeisterschaften auf dem Programm, dann die Europameisterschaften. "Und dann mal sehen, was bei der nächsten Weltmeisterschaft passiert", sagt Bellhäuser. Hoffnungen auf die Goldmedaille macht sie sich allerdings keine, denn "Japan ist einfach überirdisch gut. Die haben den ersten Platz quasi schon gebucht".

Gänsehaut pur

Ein wenig deprimierend findet Bellhäuser, dass die meisten Menschen dem Karate-Sport nur wenig Beachtung schenken. "Aber ich mache das ja nicht wegen der Aufmerksamkeit", sagt die Studentin. Wenn sie erzählt, hört man heraus, wie viel Leidenschaft sie in diesen Sport steckt.

So auch bei der WM: Als es vorbei ist, brechen die Emotionen aus Bellhäuser heraus: "Die Anfeuerungsrufe unserer deutschen Teamkollegen, und dann dieser Moment, als feststand, dass wir auf jeden Fall eine Medaille bekommen - das war Gänsehaut pur."