Die Sportkegler-Vereine in Oberfranken bluten aus. Allein der SKV Kulmbach musste binnen eines Jahres einen Rückgang um 20 auf nur noch 399 Mitglieder hinnehmen. Die Zahl der Jugendlichen reduzierte sich von 25 auf 18. Zählte der Bayerische Sportkegler-Verband 1990 noch 37.985 Mitglieder, so sind es aktuell gerade noch etwas über 20.000.

Doch ausgerechnet eine Reform, die die Sportart wieder attraktiver machen sollte, verschärft die Krise, führt sogar zur Spaltung der Sportkegler. Auf der einen Seite stehen die Traditionalisten, die am gewohnten System mit 100 bzw. 200 Wurf festhalten wollen. Auf der anderen die Reformer, die das schon seit geraumer Zeit in den Bundesligen des Deutschen Kegler- und Bowlingbund (DKB) praktizierte Spiel über 120 Kugeln mit reduzierten Mannschaften und neuer Zählweise bevorzugen.

Bezirk beschließt neues System

Diese Neuerung hält nun
auch in den Ligen auf Landes- und Bezirksebene Einzug. So beschloss Anfang des Jahres der Sportkegler-Bezirk Oberfranken des Bayerischen Sportkeglerverbandes (BSKV), ab Saison 2014/2015 das 120-Wurfspiel mit Punktewertung sowohl bei den Erwachsenen als auch bei der Jugend einzuführen. Außerdem wird die Mannschaftsstärke von sechs auf vier Spieler reduziert. Lediglich in der Bezirksoberliga und der Bezirksliga der Herren sowie der Bezirksoberliga der Frauen soll vorerst weiter mit Sechser-Mannschaften gespielt werden.

Bezirkssportwart tritt zurück

Viele Vereine fühlen sich bei der Entscheidung übergangen. Die Kritik fokussierte sich vor allem auf Bezirkssportwart Patrick Stubenrauch, der daraufhin zurück trat. Sein Amt übernimmt kommissarisch Bezirksschiedsrichterwart Patrick Lindthaler aus Bayreuth. Er erläuterte nun beim Bezirkstag den Vereinsvertretern, dass auch die Einzelmeisterschaften und Pokalspiele künftig im neuen Modus ausgetragen werden.

Im Kreis ändert sich vorerst nichts

Allerdings können die Kreise im BSKV weiterhin selbst entscheiden, nach welchem Modus in ihren Ligen gespielt wird. So ändert sich in den Ligen des Kreises Nord, der sich über die Landkreise Kulmbach, Kronach und Hof erstreckt, zur neuen Saison noch nichts. Hier sprach sich nämlich eine deutliche Mehrheit der Vereine (21:7) für das bisherige Spielsystem über 100 Wurf und mit sechs Spielern aus. Auch im starken Kreis West (Coburg, Lichtenfels) bleibt es vorerst beim alten Spielsystem.

Grotesk: Es gibt drei Bundesligen

Bereits 2009 führte der DKB auf Druck des internationalen Kegler-Verbandes NBC neue Bundesligen ein, in denen das im Ausland mehrheitlich gespielte System mit 120 Wurf und einer Punktewertung (direkte Duelle entscheiden) zur Anwendung kommt. Allerdings beließ der DKB auch weiterhin 1. und 2. Bundesligen mit der traditionellen Spielweise über 200 Wurf und der Zählweise nach Holz.

Die groteske Situation: Heute werden sogar drei verschiedene Deutsche Meister gekürt. Denn auch die 2013 von Verfechtern des traditionellen Kegelsports gegründete Deutsche Classic-Union hat eine 1. Bundesliga (sowie 2. Liga) ins Leben gerufen!

DCU formiert sich

Weil nun die Reform des DKB auch auf Landes- und Bezirksebene angekommen ist, lockt die neue DCU auch in den unteren Ligen unzufriedene Vereine zu sich. Am 9. März gründeten die "Rebellen" in Kasendorf die Regionsvertretung Nordbayern. Die DCU verspricht, "nachhaltig" am traditionellen Spiel- und Wertungsmodus mit 100 bzw. 200 Wurf und der Zählweise nach gefallenen Kegeln festhalten zu wollen.

Auch viele Kulmbacher Sportkeglervereine liebäugelten mit einem Verbandswechsel, doch entschieden sich letztlich nur drei Vereine dazu, Mannschaften für die neu gegründeten Regionalligen der DCU zu melden: Der SKC Metzdorf, der SKC Schorgasttal Wirsberg und die Schnitzgögger Stadtsteinach. Allerdings treten alle drei weiter auch mit Teams in den Ligen des BSKV an. Die Schnitzgögger Stadtsteinach haben sogar noch eine Privatkegler-Mannschaft.

Ganzer Landesverband tritt aus

Hält sich bei in Bayern die Zahl der Abtrünnigen noch in Grenzen, so ist anderswo sogar schon ein ganzer Landesverband der DCU beigetreten. Die Delegierten des Badischen Kegler- und Bowlingverbandes (BKBV) votierten beim außerordentlichen Verbandstag in Eppelheim mit 66:20 Stimmen für den Austritt aus dem DKB zum 31. Dezember 2014 und den Anschluss an die DCU. Die hofft nun auf weitere neue Mitglieder, denn auch in anderen Landesverbänden wie Hessen, Rheinhessen/Pfalz sowie Thüringen sind viele für die Beibehaltung des alten Spielsystems über 200 bzw. 100 Schub.
Quo vadis, Kegelsport?