Wie beim Wein gibt es auch unter den Fußballern ganz besondere Jahrgänge. Die letzte "goldene Generation" des ATS Kulmbach wurde zwischen 1973 und 76 geboren. Diese Jungs waren die letzten, die für den Traditionsverein bayernweit auf den Fußballfeldern unterwegs waren. Ein Gros der Kicker trifft sich heute wieder. Denn ihr damaliger Trainer Bernhard Förtsch hat geladen - zu seinem letzten Spiel an der Seitenlinie. "Ich bin schon etwas stolz, dass so viele kommen", sagt der 68-Jährige, den Freunde nur "Gacko" nennen. Der Burghaiger beendet nach 38 Jahren seine Trainerkarriere, die er 1978 bei seinem Heimatverein SV Burghaig begonnen hat. Und das Abschiedsspiel steigt heute im Rahmen des Sportfestes des FSV Danndorf. Um 18 Uhr tritt die B-Jugend, die 1991 hinter dem 1.
FC Nürnberg und vor Traditionsklubs wie Jahn Regensburg oder dem FC Schweinfurt Vizemeister der Bayernliga Nord wurde, gegen die im selben Jahr in die Bayernliga aufgestiegene A-Jugend an. Höhere Ligen gab es damals in der Jugend nicht.


Kontakt bis heute

Was für Sepp Herberger die 54-Weltmeistermannschaft, sind für Bernhard Förtsch die früheren ATS-A- und B-Jugendlichen. Nämlich "seine Buben". Auch der eigene Sohn, Marco, gehörte damals dazu. "Bernhard war damals keinen Abend daheim", erinnert sich Ehefrau Annemarie über das Jahr, in dem ihr Mann sowohl die A- als auch B-Jugend trainierte.
Bernhard Förtsch sitzt in seiner Pergola und betrachtet alte Mannschaftsfotos. "Da ist der kleine Wirbelwind Christian Schwalb. Den habe ich damals in der elterlichen Gastwirtschaft in Stockheim verpflichtet." Den Flügelflitzer, Top-Torjäger Andreas Tezel - beide Bayernauswahlspieler - und Jochen Herzog lockte damals der FCN vom ATS weg.
Dann zeigt er auf René Krause, der heute beim FC Marktleugast kickt. "Wir haben mit dem ATS ein Freundschaftsspiel in Saalfeld bestritten. Ich habe René eine Arbeit in Kulmbach beschafft, und er hat ein Jahr bei mir gewohnt", erzählt Förtsch. "Gacko" war überhaupt sehr bedacht, dass sich seine Jungs wohlfühlten. Vor wichtigen Spielen traf man sich bei ihm Zuhause, wo bei Kaffee und Kuchen über Gegner und Taktik getüftelt wurde. Ein Erfolgsrezept, glaubt Förtsch: "Wir haben uns immer rechtzeitig getroffen, dann waren die Spieler zum Anpfiff richtig fokussiert."


1500 Zuschauer gegen den Club

Der ATS war mit seiner Jugendarbeit in den achtziger Jahren überaus erfolgreich. Wenn die legendäre Konrad-Eschenbacher-Elf, die Karl Siemko formte, gegen die A-Jugend des 1. FC Nürnberg antrat, strömten 1500 Zuschauer ins Stadion in der Mittelau. Bernhard Förtsch trat dann in die Fußstapfen eines Hans Rauh und Hans-Robert Koch. "Beim ATS war es schon eine schöne Zeit. Ich habe mit Jugendleiter Werner Dierschke sehr gern zusammengearbeitet, er hatte immer ein offenes Ohr", sagt Förtsch. Er wiederum hatte Fußballer, die voll mitzogen: "Das war schon eine besondere Generation. Wenn ich gesagt hätte, wir trainieren fünf Mal die Woche, wären sie fünf Mal gekommen. Die meisten waren auch später im Beruf erfolgreich, das waren alle clevere Burschen." Von denen inzwischen aber viele in alle Welt verstreut sind. Wie Norman Kotschy, der in Potsdam wohnt, aber heute extra nach Danndorf kommt.
1992 endete mit dem Abstieg der A-Jugend aus der Bayernliga die goldene Jugend-Ära beim ATS, "Gacko" ging als Jugendtrainer zum SC Weismain.