Die Formel 1 befindet sich seit einigen Jahren in einer Zuschauer-Krise. Die Zahl derer, die die Veranstaltungen vor dem Fernseher oder an der Strecke verfolgen wollen, sinkt stetig. Der vierfache Weltmeister Sebastian Vettel meldete sich unlängst zu Wort und sprach davon, dass die Formel 1 den "Kern des Motorsports" aus den Augen verlieren würde. Auch für den Kulmbacher Rennfahrer Christopher Haase hat die Formel 1 in den vergangenen Jahren an Attraktivität verloren. Über die Gründe spricht er im Interview.

BR: Wie verfolgen Sie das Geschehen in der Formel 1?
Christopher Haase: Um ehrlich zu sein, bin ich kein Formel-1-Spezialist. Die F1 hat 21 Rennen, und ich werde dieses Jahr auf rund 20 Rennen kommen - da kann ich leider nicht jeden Wettkampf verfolgen.
Bietet sich aber die Möglichkeit, dann sitze auch ich vor dem TV und verfolge das Rennen gerne.

Inwiefern hat die "Königsklasse" des Rennsports aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren an Attraktivität verloren?
Seitdem es alle paar Jahre Regeländerungen gab, wurde es auch für mich Stück für Stück schwieriger, alles immer zu einhundert Prozent zu verstehen. Damit sank auch der Wille, es regelmäßig zu verfolgen. Und genau da liegt zum Teil eines der Probleme: Man möchte es doch ansehen und die Regeln leicht verstehen, um letztendlich das Rennen genießen zu können.
Sebastian Vettel spricht sogar davon, dass die Formel 1 durch die derzeitige Ausrichtung "den Kern des Rennsports aus den Augen verliert". Ist das übertrieben?
Ich verstehe, was er damit sagen möchte. Da geht es wahrscheinlich zum einen darum, dass die Box nur noch sicherheitsrelevante Funksprüche zum Fahrer funken darf oder darum, dass durch einige Neuerungen die Überholmanöver eher künstlich wirken - das betrifft zum Beispiel die Reifen oder das KERS (Kinetic Energy Recovery System = Energie-Rückgewinnungssystem, Anm. d. Red.). Diesen Weg muss man tatsächlich akribisch beobachten, um den Rennsport, um den es geht, nicht aus den Augen zu verlieren.

Vettel kritisiert vor allem die Einführung der Hybridmotoren 2014. Wie schätzen Sie die Einführung dieser Motorenart in der Formel 1 ein?
Grundsätzlich finde ich das gut. Hybrid gehört nun einmal in die heutige Fahrzeugentwicklung. Allerdings sind da eben sehr viele Details, die schnell starke Leistungsunterschiede zeigen. Und da das Budget in der Formel 1 mehr als ausgereizt ist, trifft dies natürlich kleine Teams härter als größere.

Gibt es in anderen Rennklassen auch Diskussionen zum Thema Hybridmotoren?
Wie gesagt, Hybrid gehört heute einfach dazu. Über Diskussionen in anderen Serien habe ich bisher noch nichts mitbekommen.

Die Rückkehr zum alten Qualifikations-Modus ist beschlossen - die richtige Entscheidung?
Ja, es ist die richtige Entscheidung. Das hat doch aus meiner Sicht immer ganz gut funktioniert - mir gefällt das Format.

Wie ist Ihre Einschätzung zur Person Bernie Ecclestone?
Jemanden, den ich nicht kenne, beurteile ich auch nicht.


Rückkehr ins ADAC GT Masters

Ein dichter Terminkalender wartet heuer auf den Kirchleuser Audi-Werksfahrer Christopher Haase. Der 28-Jährige hat nach zwei Jahren die US-amerikanische USCC-Rennserie verlassen und startet wieder verstärkt in Europa. So kehrt Haase ins ADAC GT Masters zurück, das er im Gründungsjahr 2007 als Meister beenden konnte. Der Kirchleuser startet für das Team Car Collection, sein Partner im Audi R8 LMS ist Christian Frankenhout. "Die Rückkehr in das GT Masters freut mich besonders, zumal die Meisterschaft enorm stark besetzt ist", sagt Haase, der an diesem Wochenende beim Saisonauftakt in Oschersleben am Start ist. Die beiden einstündigen Läufe am Samstag und Sonntag (Start jeweils 13.15 Uhr) werden auf Sport 1 live übertragen.

Haase wird den Audi R8 aber noch in weiteren Rennserien pilotieren. Saisonhöhepunkt ist das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring vom 26. bis 29. Mai. Dort wechselt sich Haase, der das Rennen schon zwei Mal gewinnen konnte, auf dem Fahrersitz des Phoenix-Audi mit René Rast, Frank Stippler und Markus Winkelhock ab. Auch diesmal hegt Haase hohe Ansprüche: "Klar muss das Ziel der Sieg sein." Wir haben mit dem Audi R8 LMS das zuverlässigste und eines der schnellsten Fahrzeuge im Starterfeld."

Gemeinsam mit Mike Parisy bestreitet der Kirchleuser zudem die Blancpain Sprint Serie im Team von Sainteloc, für die Blancpain Endurance Serie steht mit Gregory Guilvert ein weiterer schneller Franzose als Teamkollege fest. Zum Saisonauftakt des Sprint Cup im italienischen Misano hatten Haase und Parisy allerdings Pech. Im Startgetümmel wurde der Audi R8 LMS von Haase und Parisy so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass das Team aufgeben musste.