Konzerte, Kabarett und Comedy - auf all das mussten wir in den vergangenen Monaten aufgrund der Pandemie verzichten. Mit sinkenden Inzidenzzahlen ist das nun wieder möglich - wenn auch noch lange nicht in dem Umfang, wie es früher war. Wie geht es den Veranstaltern? Wie stellen sie Konzerte auf die Beine und wie ist die Nachfrage? Wir haben mit Matthias Mayer, dem Geschäftsführer von Motion Kommunikation, gesprochen, der unter anderem die Open Airs auf der Plassenburg durchführt.

Wie erleichtert sind Sie, dass nun wieder Veranstaltungen stattfinden können?

Matthias Mayer: Natürlich sehr, ganz klar. Man fühlt sich schon wie ein Fisch auf dem Trockenen, wenn man so eine Zeit durchläuft. Die letzte Veranstaltung hatten wir im Oktober. Das ist schon eine lange Zeit.

Wie lange hätte Ihre Branche den Lockdown noch durchgehalten?

Das ist schwer zu sagen und wäre auf die staatlichen Hilfen angekommen. Die sind für die Konzertbranche sehr wichtig. Nach Startschwierigkeiten ist hier ja einiges passiert. Aber leider sind gerade Einzelselbstständige, Solokünstler oder Techniker aus dem Raster gefallen, was zur Folge hatte, dass viele den Job gewechselt und sich teils aus der Veranstaltungsbranche verabschiedet haben. Auch für junge, aufstrebende Künstler wie die Band Provinz war es hart. Für Gruppen wie sie, die kurz vor dem Durchbruch stehen und ein großartiges Jahr vor sich gehabt hätten. Wenn jemand am Durchstarten ist und dann für ein Jahr stillgelegt wird, dann ist es für den natürlich schwieriger als für alte Hasen, die seit Jahrzehnten im Geschäft sind.

Wie gehen Sie Konzerte und Veranstaltungen jetzt an? Genau wie vor der Krise? Oder ist es ein vorsichtiger Neubeginn, ein Herantasten?

Wir beginnen mit kleinen Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Summertime-Festival in Bayreuth mit Kapazitäten von 250 Personen. Insgesamt finden neun Konzerte am Kulturkiosk in der Wilhelminenaue statt, wo wir ab 9. Juni Künstler wie Michael Altinger, Hans Well und seine Wellbappn oder die fränkische Folkformation Gankino Circus präsentieren werden. Bei den Plassenburg-Open-Airs sind dann schon mehr Zuschauer zugelassen. Wir werden sehen, wie sich der Herbst entwickelt, ob die Abstandsregeln fallen und unbestuhlte Konzerte stattfinden können. Aber das ist ein Blick in die Kristallkugel.

Wie läuft das Plassenburg-Open-Air ab?

Wir gehen mit jeweils 400 Plätzen in den Vorverkauf. So können die Konzerte sicher stattfinden. Wir würden aber auch mehr Besucher unter Einhaltung der Abstandsregeln unterbringen. Warten wir die weiteren Entwicklungen jetzt einmal ab.

Müssen die Besucher alle einzeln sitzen?

Nein. In der Regel werden Doppelplätze verkauft. Das heißt, die Leute sitzen überwiegend paarweise zusammen. Es gibt eine feste Bestuhlung mit 1,5 Meter Abstand. Das Personal wird auch auf deren Einhaltung hinweisen, wenn sich Leute nicht drum scheren. Aber aus Erfahrung kann ich sagen, dass es in der Regel sehr diszipliniert abläuft. Selbst bei den Fans von Hans Söllner war das überhaupt kein Problem. Übrigens: Bei Freiluftveranstaltungen darf auf dem Platz die Maske abgenommen werden. Das ist vom Freistaat jetzt schon so geregelt. Auch ein Impfnachweis beziehungsweise ein negativer Coronatest sind bei einer stabilen Inzidenz von unter 50 nicht notwendig, um das Open Air besuchen zu können.

Wie sieht es mit dem Verpflegungs- beziehungsweise Getränkeverkauf aus?

Es gibt ein Catering, aber es wird bei den Konzerten keine Pausen geben, damit es zu keinen Stoßzeiten an den Ständen kommt.

Meinen Sie, bei solchen Konzerten kommt überhaupt Stimmung auf?

Ja, das kann ich guten Gewissens sagen. Das weiß ich aus Erfahrungen aus dem Vorjahr, zum Beispiel durch ein Konzert von Fiddler's Green. Das funktioniert. Fiddler's Green, die ebenso wie Wolfgang Niedecken heuer auf der Burg auftreten werden, liegen bei den Verkaufszahlen übrigens gleichauf an der Spitze. Deutlich mehr als die Hälfte der Tickets ist für beide schon weg.

Einige der geplanten Plassenburg-Konzerte musste ja sogar noch um ein weiteres Jahr verschoben werden.

Es gibt Künstler, die können solche kleinen Konzerte nicht machen, weil der Aufwand zu groß ist. Barclay James Harvest würden zum Beispiel extra herfliegen. Und die Altneihauser Feierwehrkapell'n hätte dreimal auftreten müssen, um alle Ticketwünsche zu erfüllen. Das alles ist in die Überlegungen eingeflossen, welche Shows erst 2022 gespielt werden können. Wir haben das gemeinsam mit den Künstlern entschieden. Dann gibt es auch Leute wie Wolfgang Niedecken, die einfach gerne an schönen Orten auftreten wollen. Das wird sicher ein intimer Abend und eine Chance für die Besucher, dem Künstler sehr nahe zu sein. Das Gleiche gilt für LaBrassBanda, die normalerweise Tausende Tickets verkaufen. LaBrassBanda und die Pink-Floyd-Show Echoes machen deshalb sogar Doppelshows, für die allerdings ein Tickettausch nötig ist. Die Auftritte beginnen um 18 und 20.45 Uhr. Für beide Termine ist Nachfrage da.

Beim Summertime Festival in Bayreuth treten unter anderem auf: 9. Juni Michael Altinger; 11. Juni Liedermacherduo Simon & Jan; 12. Juni Hans Well und seine Wellbappn; 18. Juni Liedermacher Mathias Kellner; 20. Juni Duo Graceland; 24. Juni Folkformation Gankino Circus; 25. Juni Werner Schmidbauer; 30. Juni Imitator Wolfgang Krebs; 1. Juli Liedermacherin Sarah Lesch.

Das Plassenburg-Open-Air bestreiten heuer: 9. Juli Erwin Pelzig; 10. Juli Michael Mittermeier; 11. Juli Pippo Pollina; 12. Juli God Save The Queen; 13. Juli Echoes - A Tribute to Pink Floyd; 14. Juli Fiddler's Green; 15. Juli LaBrassBanda; 16. Juli Provinz; 17. Juli Klassik auf der Burg mit den Bamberger Symphonikern; 18. Juli Niedecken liest & singt Bob Dylan.

Tickets Platzgenaue Karten gibt es im Internet unter www.plassenburgopenair.de und www.motion.gmbh/events, an der Theaterkasse in Bayreuth, der Tourist-Info Kulmbach sowie allen bekannten Vorverkaufsstellen.