Sebastian Fischer ist seit Anfang 2011 Bezirksvorsitzender der Jusos, er ist außerdem Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Zell im Fichtelgebirge. Derzeit ist die bayerische SPD mit drei von bundesweit 23 SPD-Abgeordneten im Europaparlament vertreten.

Eine davon ist neben Wolfgang Kreissl-Dörfler aus München und Ismail Ertug aus Amberg die Schweinfurter Abgeordnete Kerstin Westphal. Sie warnte trotz schwer angeschlagener Stimme mit ernsten und deutlichen Worten vor den anti-europäischen Parteien in vielen EU-Ländern. Der Beinahe-Einzug der sogenannten Alternative für Deutschland (AfD) in den Bundestag sei ein "Graus", sagte die Abgeordnete. "Da wird mir schlecht, wenn ich nur daran denke.".

Die anti-europäische Stimmung sei allerdings keineswegs ein deutsches Problem.
Ob österreichische ÖVP, der Front National in Frankreich oder die Flandrische Partei in Belgien, sie alle hätten nur ein Ziel: das Haus Europa zum Einsturz zu bringen. Aufgabe der europäischen Sozialisten müsse es deshalb sein, gegen dieses Ziel anzugehen und sich für ein sozial gerechtes Europa einzusetzen.

Westphal kündigte an, dass EU-Parlamentspräsident Martin Schulz dem Europawahlkampf "ein Gesicht geben" geben wird. Schulz sei von der SPD-Fraktion im Europaparlament bereits einstimmig zum Spitzenkandidaten der europäischen Sozialisten gewählt worden. Im Falle eines Wahlsieges wäre er der erste sozialistische Kommissionspräsident nach Jacques Delors.

Kritik an Maut-Vorstoß

Kritik übte Westphal besonders an der CSU-Forderung einer Pkw-Maut. "Wenn eine Maut kommt, dann für alle, auch für Pendler."

Zwei Ziele der Europäischen Union stellte der oberfränkische Europakandidat Sebastian Fischer in den Mittelpunkt seiner Bewerbungsrede: Europa als ein Gebilde für den Frieden, und Europa als wirtschaftliches Bollwerk gegen die USA, Japan und China. Gerade die vielen bedeutenden oberfränkischen Unternehmen könnten davon in erheblichem Umfang profitieren. "Hier gibt es viele Global Player, die alle wichtige Arbeitgeber sind", sagte Fischer und nannte unter anderem Brose, Rehau und Sandler. Als Riesenproblem bezeichnete Fischer die hohe Jugendarbeitslosigkeit in manchen europäischen Ländern.

Während Fischer mehr auf die Wirtschaft abzielte, stellte sein Mitbewerber, der Coburger Anästhesie-Facharzt, Stadtrat und ehrenamtliche Richter am Bundesarbeitsgericht Martin Lücke (50) Europa als wichtigste Friedensunion dar.

Doch der Applaus sollte dem Coburger Bewerber am Ende nichts nützen, er verlor denkbar knapp gegen Sebastian Fischer, erklärte sich aber dennoch bereit, als Ersatzkandidat für den Notfall zur Verfügung zu stehen.