Der Vorwurf wiegt schwer: Ein Busfahrer aus dem Landkreis Kulmbach soll im Sommer 2011 mehrfach ein damals 13-jähriges Mädchen sexuell missbraucht haben. Selbst bei einem Geständnis sei da eine Bewährungsstrafe nicht mehr drin, machte der Vorsitzende Richter der Jugendkammer, Alois Meixner, dem Angeklagten am Dienstag zum Prozessauftakt vor dem Landgericht in Bayreuth unmissverständlich klar.

Von einem Geständnis war der Angeklagte allerdings weit entfernt. "An der Anklage ist überhaupt nichts dran", beteuerte der Busfahrer zum Auftakt der Verhandlung. Ganz im Gegensatz zu der Schülerin. In einer mehrstündigen Vernehmung schilderte das Mädchen am Nachmittag detailliert die Vorfälle, die der heute 15-Jährigen sichtlich unangenehm waren.

Die Staatsanwaltschaft geht in der Anklageschrift davon aus, dass Sex mit der 13-Jährigen von Anfang an das Ziel des Mannes gewesen sei. Insgesamt vier Mal soll es zwischen September und Dezember 2011 dazu gekommen sein. Als Tatort listet die Anklage jedes Mal den Schulbus auf, den der Angeklagte nur mit dem späteren Opfer besetzt unter anderem in ein Waldstück bei Höferänger und auf den Parkplatz am Schwedensteg gelenkt haben soll. Sogar ein Kondom soll der Mann anfangs benutzt haben, später nicht mehr. Auf die erkennbare Gegenwehr des Mädchens sei er nicht eingegangen.

Einer Ärztin anvertraut

Wie es dazu kommen konnte, dass das Mädchen immer wieder in den Bus des Mannes gestiegen war, ist bislang noch unklar. Die Anklage geht davon aus, dass der Mann das Mädchen jedes Mal überreden konnte. Laut An klage war die Sache aufgeflogen, als sich das Mädchen, gerade 14 geworden, Ende 2011 aus Sorge vor einer möglichen Schwangerschaft einer Ärztin anvertraute.

"Was ist dran an dieser Anklage", wollte der Vorsitzende Richter wissen. "Überhaupt nichts", war die Antwort des Angeklagten. Das Mädchen habe ihn schon länger verfolgt, weil es in ihn verliebt gewesen sei. Die 13-Jährige habe genau gewusst, welche Linie er fahre, und so habe sie ihn regelrecht verfolgt. Er habe sich nichts dabei gedacht, so der verheiratete Mann. Er sei einfach zu gutmütig gewesen, denn eigentlich habe er nur gewollt, dass ihn die 13-Jährige in Ruhe lässt. Aber die habe ihn regelrecht verfolgt.

Richter Meixner räumte ein, dass aus den Akten durchaus eine gewisse Schwärmerei der 13-Jährigen für den Angeklagten ersichtlich sei. Das Gericht hielt es allerdings für "völlig unwahrscheinlich", dass sich ein 13-jähriges Mädchen eine solch perfide Geschichte ausdenke. Einem Gutachten zufolge seien die detaillierten Aussagen des Mädchens sogar "hochgradig stimmig". Dafür sprächen unter anderem auch Chats mit Freundinnen. "Es sieht so aus, als ob etwas dran wäre", so der Richter. Auch nach einer längeren Unterbrechung ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger Frank Stübinger erklären, dass sein Mandant bei seiner bisherigen Darstellung bleibt.

Anfängliche Schwärmerei

In einer mehrere Stunden andauernden Vernehmung schilderte das Mädchen am Nachmittag detailliert die Vorgänge und bestätigte dabei die Anklage in sämtlichen Details. Mehrfach brachte die Schülerin dabei zum Ausdruck, wie unangenehm ihr das Ganze sei, wie peinlich und, dass sie sich so sehr schäme. Sie räumte auf ausdrückliche Nachfrage der Richter auch ein, dass sie anfangs für den Busfahrer geschwärmt und ihn als coolen Typen gesehen habe. Doch als er immer aufdringlicher geworden sei, habe sie nicht mehr gewusst, wie sie damit umgehen soll. Freundinnen, denen sich die Schülerin anvertraut hatte, warnten sie vor dem Umgang mit dem wesentlich älteren Mann, der mit ihr sogar per Facebook kommunizierte.

Allerdings kam die ganze Geschichte erst raus, als das Mädchen wegen starker Bauchschmerzen und aus Angst vor einer Schwangerschaft zu einer Frauenärztin ging. Der Medizinerin gegenüber berichtete die damals 13-Jährige von mehrfachem Geschlechtsverkehr mit dem Angeklagten, daraufhin wandte sich die Ärztin an die Mutter des Mädchens. "Ich wollte das eigentlich nicht, ich wollte auch keine Anzeige", sagte die Schülerin.
Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt. Das Gericht hat für Montag, 18. März, bereits einen weiteren Verhandlungstag anberaumt.