Frisch und erholt aussehen in zehn Sekunden? Einfach Rouge auftragen, und das Wunder ist vollbracht. Ein Zaubermittel, von dem die Werbung sagt, dass Frauen damit ihr Aussehen problemlos aufhübschen können. So leicht - mit ein bisschen Schminke - geht bei einem Gebäude aus dem Mittelalter wie dem Roten Turm natürlich gar nichts.


Rötliche Kalkschlämme

Aber am Schluss der Generalsanierung wird bei dem Kulmbacher Wahrzeichen im Grunde etwas Ähnliches gemacht. "Der Turm bekommt sein historisches Antlitz wieder", versichert Restaurator Uwe Franke und erklärt, was es mit dem Mauer-Make-up auf sich hat. "Der Name des Turms leitet sich von der rötlichen Färbung der Steine, vom Fugenmörtel und von der Kalkschlämme ab, die oben drauf war." Weil das Mauerwerk sehr sandig ist und eine weiche Konsistenz hat, werde der Sandstein geschlämmt. Dieser rötliche Überzug sei eine Schutzschicht und festige die Steinoberfläche.

Seit März ist das markante und 27 Meter hohe Gebäude, das zur Kulmbacher Stadtmauer gehört, komplett eingerüstet. Die ursprüngliche Annahme, dass eine Schönheitskur für 35.000 Euro reichen könnte, wurde gleich verworfen. Die Untersuchung der Substanz zeigte: Ein bisschen Sanierung geht nicht. Wie seinerzeit beim Rathaus stellte sich heraus, dass der fünfgeschossige Wohnturm mit Spitzhelm, im Kern um 1300, enorme Schäden aufwies.


Ausbauchungen entdeckt

Zum Teil hatten sich die Mauern bereits verformt - das Ergebnis einer unsachgemäßen Instandsetzung vor 40 Jahren. Dazu muss man wissen, dass der Turm im 18. Jahrhundert aufgestockt worden ist: um das jetzige Fachwerkobergeschoss, das dem Feuerwächter als Türmerstube diente, und die Etage drunter, die beide Ausbauchungen aufwiesen. "Wir haben uns gewundert und sind der Ursache auf den Grund gegangen", so der Restaurator. Man habe extreme Schäden durch eindringende Feuchtigkeit am Fachwerk entdeckt. Die Holzkonstruktion sei verfault und zusammengesackt. "Die Schäden wurden seinerzeit nicht repariert, sondern nur versteckt durch eine Holzschalung oder Vormauerung." Franke spricht von "einem gefährlichen Prozess für die Standsicherheit des Turmes".

Die Bauarbeiten sind bereits weit fortgeschritten. "Wir wollen im Herbst fertig sein", sagt Bernd Ohnemüller, Abteilungsleiter Hochbau in der Stadtverwaltung. "Zur Wiederherstellung der statischen Sicherheit wurde das gesamte Mauerwerk mit Mörtel verpresst und mit Edelstahlankern vernadelt." In den zwei oberen Stockwerken seien die schadhaften Hölzer ersetzt worden. Zusätzlich habe man eine Stahlkonstruktion eingebaut. Ferner versichert Ohnemüller, "dass das Fachwerk außen sichtbar bleibt, wie es die Kulmbacher gewohnt sind".


Künftig öffentlich zugänglich

Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf 450.000 Euro. Den Anteil der Stadt habe man durch Fördermittel des Freistaats, der Bayerischen Landesstiftung, der Oberfrankenstiftung und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unter zehn Prozent drücken können, freut sich OB Henry Schramm. Nach seinen Worten wird der Turm künftig in die öffentlichen Stadtführungen eingebunden: "Der Rundumblick über Kulmbach interessiert viele Menschen. Wenn der Turm saniert ist, wird er unsere wunderbare Altstadt weithin schmücken."


Führung am Tag des offenen Denkmals

Am Tag des offenen Denkmals, 11. September, darf der Rote Turm besichtigt werden. Geplant ist eine zweistündige Führung mit Restaurator Uwe Franke; Treffpunkt 12 Uhr, Kapellengässchen 5.