Die Geschäftsleute sind stinksauer. "Realitätsfern", "unrealistisch", "weltfremd". So werden die jüngsten Corona-Ostern-Beschlüsse bezeichnet, die auch für den Lebensmittelhandel und das Lebensmittelhandwerk weitreichende Folgen haben. Am Gründonnerstag müssen die Läden nach dem Beschluss der Bund-Länder-Konferenz geschlossen bleiben. Am Samstag dürfen sie wieder öffnen.

Viele Ungewissheiten

Ein Ruhetag im Kampf gegen Corona in der Karwoche? Das bringt gar nichts, sagen Kulmbacher Händler. Sie selbst stellt das Verkaufsverbot vor gewaltige Probleme, wie Karin Unger, die Inhaberin des Thurnauer Edeka-Marktes, betont. Wie sie es mit dem frischen Fisch für Karfreitag macht, der normalerweise am Donnerstag verkauft wird? Ob bei ihr in der nächsten Woche überhaupt Getränke ("Die kommen am Donnerstag") angeliefert werden? Unger wusste das gestern noch nicht. Zu frisch waren die Informationen über die Vorgabe, deren Sinnhaftigkeit sie in Frage stellt. Die Maßnahme sei kontraproduktiv im Kampf gegen Corona, denn durch die Tatsache, dass jetzt ein Einkaufstag fehle, würden die Kundenströme ja nicht entzerrt. Das werde nur dazu führen, dass mehr Kunden in einem kürzeren Zeitfenster einkaufen. Sie selbst müsse den Dienstplan umstellen, sich Gedanken darüber machen, ob sie wieder Security-Personal am Eingang postiert, damit nicht mehr Kunden als erlaubt in den Markt kommen. "Ohne das Donnerstag-Verbot hätte ich das nicht gebraucht."

Ein Schock

Geschockt war Ursula Eisenhut von der gleichnamigen Schwarzacher Metzgerei, als sie gestern von der Zwangsschließung am Donnerstag erfuhr. "Wie sollen wir das schaffen, wenn dann alle am Samstag zum Einkaufen kommen?" Das war die Frage, die sie sich als erstes stellte. Um dem Andrang am Samstag aus dem Weg zu gehen ("Das ist ohnehin immer ein Großkampftag") würden viele Kunden normalerweise auf den Gründonnerstag ausweichen. "Das ist der Tag, an dem die Leute das Lamm- oder Kalbfleisch für die Feiertage kaufen." Eisenhut hat kein Verständnis für den Ruhetag, "den wir von der Politik da wieder vor den Latz geknallt bekommen".

Was ist mit Bäckereien?

Ob Bäckereien geschlossen bleiben müssen? Gestern Mittag wusste das Obermeister Ralf Groß noch nicht. "Wenn der Donnerstag als Ruhetag tituliert wird, müssen auch wir schließen, ist es ein Feiertag, dürfen Bäckereien normalerweise öffnen", sagte Groß, der dann gehört hat, dass der Gründonnerstag "wie ein Feiertag behandelt werden soll". Was das genau bedeutet? Groß weiß es nicht, weiß aber, welche Auswirkungen die Schließung für das Geschäft am Samstag hätte. "Da wäre dann bei uns die Hölle los." Sollte das der Fall sein, "stellt sich uns die Frage, wie wir am Samstag alle Kundenwünsche bedienen sollen", erklärt der Obermeister.

"War absehbar"

Überrascht hat der Lockdown Stephan Ertl nicht. "Nach den Entwicklungen der letzten Wochen war absehbar, dass über Ostern nicht aufgemacht werden darf", sagt der Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands und Betreiber des Hotels in der Hardenbergstraße. Dafür kritisiert er die Politik: "Es ist eine Schande für die Regierung, dass sie es verschlafen hat, außer den Schließungen eine Strategie zu entwickeln. Es wird nur von einem Lockdown in den nächsten geleitet." Gaststätten blieben weiter zu, obwohl bewiesen sei, dass die Gastronomie kein Pandemietreiber ist.

"Neiddebatte nicht sinnvoll"

Dass in Deutschland auch die Hotels weiterhin für Touristen dicht bleiben müssen, während Urlauber nach Mallorca fliegen dürfen, sieht Ertl differenziert. "Die haben halt Inzidenzwerte, bei denen das möglich ist. Hätten wir solche Zahlen, hätten wir auch öffnen können", sagt er und hält deshalb eine Neiddebatte nicht für sinnvoll. Allerdings hat er Bedenken, dass auf der spanischen Ferieninsel durch die Besucher die Infektionszahlen wieder steigen und Reisende das Virus mit nach Deutschland bringen.

Die Bitte der Gastronomen

Ertl geht zumindest davon aus, dass der Außer-Haus-Verkauf von Speisen nicht vom Oster-Lockdown betroffen ist. "Weil das nicht expliziert ausgeschlossen wurde und weil dazu auch noch nichts vom Verband gekommen ist." Eine Bitte hat er abschließend: "Wenn uns der Staat schon in den Lockdown schickt, dann sollte er seine Unterstützung nach oben fahren. Anders können viele Gastronomen nicht mehr überleben."

Kein Buchungsboom

Von einem Buchungsboom für Mallorca mag Stefan Schaffranek vom gleichnamigen Reisebüro nicht sprechen. Nachfrage sei zwar vorhanden, es habe zwei, drei Buchungen gegeben. Das sei jedoch kein Vergleich zum normalen Geschäft. Für Mallorca liege man bundesweit immer noch 75 Prozent unter dem Schnitt von Ostern 2019. Dass Bundesbürger auf die spanische Insel fliegen dürfen, in einer Zeit, in der in Deutschland die Infektionszahlen steigen, sei aber schwer nachvollziehbar und wecke die Erwartungshaltung, dass wenigstens Reisen innerhalb von Deutschland möglich sein sollten. Schaffranek spricht deshalb von handwerklichen Fehlern der Regierung und meint damit nicht nur solche Entscheidungen, sondern auch den mangelnden Impfstoff, die geringen Testkapazitäten oder die "ungenügende" Corona-Warn-App.

Nicht mehr wie vor Corona

Unabhängig davon hofft er, dass sich nach dem Lockdown einiges wieder normalisiert. Deshalb empfiehlt er allen, die im Sommer Urlaub in Deutschland machen wollen, in den nächsten Wochen zu buchen. Sonst könnte es eng werden mit Blick auf die freien Unterkünfte. Sollten die Reisen nicht möglich sein, müssten die deutschen Reiseunternehmer die Kunden kostenlos aus dem Vertrag entlassen.

Auch bei Fernreisen sieht er Engpässe: "Wenn das Fliegen wieder geht, dann nicht mehr mit den Kapazitäten wie vor Corona und nicht mehr zu den Preisen." Dass ein schöner Urlaub trotz Corona möglich ist, habe er selbst vor vier Wochen auf Gran Canaria erlebt - trotz aller Corona-Einschränkungen.