Seit letzter Woche müssen Bayerns Schüler wieder im Wechselunterricht lernen. Viele können sich noch gut an die Zeit des Lockdowns im zweiten Schulhalbjahr 2020 erinnern, einige mussten auch schon in diesem Schuljahr aufgrund von Quarantäneverordnungen in den Distanzunterricht gehen.

Eine von ihnen ist Florentine Müller. Sie besucht die dritte Klasse der Grundschule Kasendorf und meint: "Zu Hause lernen klappt recht gut, aber ich mag es in der Schule schon viel lieber. In der Schule helfen wir uns gegenseitig, und man kann jederzeit die Lehrerin fragen, wenn etwas fehlt."

Mit ihrer Lehrerin hatte sie während der Quarantäne wenig Kontakt. "Sie hat meinen Eltern E-Mails geschrieben, und die haben mir dann die Aufgaben gesagt." Ab und zu habe ihre Lehrerin angerufen, und Florentine hätte ihr dann Fragen stellen können.

Etwas Positives kann Florentine dem Lernen zu Hause aber auch abgewinnen. "Jetzt, wo ich viele Schulsachen gemeinsam mit meinen Eltern mache, hab ich das Gefühl, dass sie sich viel mehr interessieren und sich viel Zeit dafür nehmen."

Zudem würden sie seit Beginn der Coronakrise zu Hause viel mehr miteinander spielen. "Ich mach viel mit meinem Bruder, und mein Papa hat mir neue Kartenspiele beigebracht. Ich vermisse meine Freunde, aber ich mag es auch, viel Zeit zu Hause zu verbringen."

Balkis und Mohammad Alissa mussten in diesem Schuljahr ebenfalls schon im Distanzunterricht lernen. Die Zwillinge wurden in Syrien geboren und besuchen aktuell die 5. Klasse des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums. "Ich fand es manchmal nicht so toll, denn wenn man etwas nicht versteht, bekommt man nicht gleich Antwort vom Lehrer. Das ist im Unterricht anders", findet Balkis.

Nach der Grundschule kamen viele neue Fächer dazu, da war es im Homeschooling gar nicht so einfach, sich zurechtzufinden. Darüber hinaus hat sie im Distanzunterricht hauptsächlich ihre Freunde vermisst.

Gut fand Balkis, dass ihre Klasse im Rahmen des Ethikunterrichts eine umfassende Einweisung in das MGF-Portal erhalten hatte. "Zu Hause konnte ich dann mit dem Tablet meiner Mama oder manchmal mit dem meines Bruders ganz gut arbeiten", sagt die Fünftklässlerin. Ihre Arbeitsaufträge bekam sie im Distanzunterricht von ihren Lehrern zugeschickt, erledigte sie nach Stundenplan und konnte ihre Fragen in einem Chat stellen.

Ihr Bruder Mohammad fand es okay, zu Hause zu lernen, "es ist nicht so hektisch wie in der Schule. Allerdings dauerte es lange, Sachen hochzuladen oder Video oder Bilder zu laden". Die zwei Wochen Homeschooling fand er besser als die Schule, "denn man musste nicht jeden Tag die Maske aufsetzen", sagt er. "Aber es war schwieriger, zu Hause alleine zu lernen. Ich habe die Lehrer und vor allem unsere Schulbücherei vermisst."

Mohammad ist nämlich sehr wissbegierig und hätte am liebsten auch Zugriff auf die Oberstufenbücherei. "Ich lerne gerne, und da kam mir das Homeschooling entgegen. Ich hatte viel mehr Ruhe." Mohammads Lieblingsfächer sind Geographie und Natur und Technik, im kommenden Jahr freut er sich schon auf Geschichte, denn er will Archäologe werden.

Beide Geschwister würden einen Wechselunterricht im tageweisen Wechsel bevorzugen. "Dann kann man mehr Fragen stellen."

Dafür wären auch die beiden Schwestern Lorena und Natalie Bahl. Sie sind zu Hause drei Kinder. Da konnte es am Anfang des Lockdowns im letzten Schuljahr schon mal knapp zugehen bei einem Rechner und Drucker, auf dem alle Arbeitsaufträge einliefen.

Lorena besucht die 6. Klasse des Caspar-Vischer-Gymnasiums, Natalie die 9. Klasse der Carl-von-Linde-Realschule. "Wir haben vor einiger Zeit ein Tablet für mich angeschafft", sagt Natalie. Sie mochte das Homeschooling, da man länger schlafen und seine Arbeit dann machen konnte, wann man wollte. "Wir hatten Arbeitsaufträge für die Woche erhalten, ab und zu gab es Videokonferenzen, in denen man Fragen stellen konnte", sagt sie.

Anfangs ging alles über E-Mail, aktuell nutzen Schüler und Lehrer das Tool Microsoft Teams, dessen Nutzungsgenehmigung das Kultusministerium noch bis zum April 2021 verlängert hat.

"Wir müssen uns früh um 8 Uhr per Videokonferenz melden, das ist sozusagen ein Weckruf", erklärt sie. Im Distanzunterricht hat Natalie nichts vermisst. Sie stellte fest, dass sie so besser für sich arbeiten konnte. "Ich war eh noch nie ein Fan von Teamarbeiten."

Ihre Schwester Lorena hingegen vermisst die Schule und ihre Freunde. "Es war blöd, dass man nicht mehr alle sehen konnte. Und nur bei manchen Lehrern hat sich das Homeschooling wie Unterricht angefühlt."

Nicholás Mager, der die 10. Klasse des CVG besucht, hatte mit seiner Eigenmotivation mehr Probleme. Aufgrund einer schweren Covid-Erkrankung seiner Mutter besuchte er im zweiten Halbjahr 2020 die Schule gar nicht mehr, lernte nur noch zu Hause.

"Wenn ich nicht richtig dahinter war, wurde es viel und unübersichtlich, hier war viel Eigeninitiative gefragt", erklärt der Schüler. Er musste sich Sachen selbst beibringen, hatte nur Hefteinträge und Arbeitsblätter erhalten. "Videokonferenzen wären gut gewesen." Allerdings empfand er den fehlenden Druck als positiv. "Natürlich wird vielleicht ohne Notendruck alles etwas schleifender, aber man lernt viel entspannter."

Aktuell fände es Nicholás klüger, daheim zu bleiben, die Einführung des Wechselunterrichts sei das Mindeste gewesen. "Gut finde ich auch, dass durch das Weglassen der schriftlichen Leistungsnachweise bis Weihnachten etwas Druck von uns genommen wurde, man kann entlasteter in die Schule gehen."

Im letzten halben Jahr habe er viel schleifen lassen, in diesem Jahr ist er eifrig am Ball, erledigt seine Aufgaben noch am selben Tag. "Wenn man insbesondere in Kernfächern viel verpasst hat, hängt man schon etwas hinterher", hat Nicholás gelernt. In den anderen Fächern käme er klar wie sonst auch.

Ein kleines Motivationstief empfanden auch Theresa Schuller und Maya Konopka während des Lockdowns im Frühjahr. Die beiden Mädchen besuchen die 6. Klasse der freien Mittelschule Wernstein. "Wir sind keine Fans des Distanzunterrichts", befinden beide, "man kann nicht so gut lernen".

Sie erinnern sich zurück an die Zeit im letzten Schuljahr und meinen: "Unsere Mütter mussten sich zerteilen." Sie konnten zwar über Whatsapp ihre Lehrerin kontaktieren oder anrufen, aber es sei schwieriger gewesen. "Ich hatte vor allem das Problem, dass ich mich nicht immer so aufraffen konnte", erzählt Theresa. Außerdem sei die Mutter nicht so geduldig wie ihre Lehrerin. Ihre Arbeitsaufträge habe die Schülerin immer gleich früh erledigt, damit sie nachmittags frei hatte.

Anders als ihre Mitschülerin Maya, die gerne ausgeschlafen hat. "Der Vorteil war, dass man sich aussuchen konnte, wann man die Aufgaben gemacht hat", findet Theresa. Ein weiterer Vorteil sei gewesen, keine Maske tragen zu müssen. "Ich finde Wechselunterricht am besten, denn wenn man Fragen zu einer Aufgabe hat, kann man das am nächsten Tag mit der Lehrerin klären", sagt Maya.

Zwar habe man sich im Lockdown auch mal gegenseitig angerufen, um sich zu helfen, aber man könne das schriftlich oder übers Telefon nicht so gut formulieren und darstellen wie in der Schule. "Wir freuen uns beide nicht auf den bevorstehenden Distanzunterricht", so die Schülerin.