Thomas Simmler ist nervös. Seine Anspannung ist zu spüren. Ihn treibt die Angst um, die von Tag zu Tag größer werde, sagt er am Telefon. "In der Stadt Nikopol, die nur 20 Kilometer entfernt ist, ist eine russische Bombe eingeschlagen. Das hat man auch bei uns gehört. Ein Benzinlager wurde getroffen, Menschen sollen getötet worden sein", berichtet der gebürtige Mainleuser, der sich mit seiner Lebensgefährtin Irina und der neunjährigen Tochter Sofia in Marhanez befindet, einer 40.000-Einwohner-Stadt am rechten Ufer des Dnepr in der Region Dnipropetrowsk.

Simmler war vor Kriegsbeginn mit der Bahn in die Ukraine gereist, um seine Familie nach Deutschland zu holen. Der russische Angriff hat das Vorhaben dann aber zunichtegemacht. Der 63-Jährige sitzt nun schon seit Wochen in der Stadt fest, nur zehn Kilometer Luftlinie entfernt vom größten Atomkraftwerk Europas in Saporischschja, das von der russischen Armee gleich in den ersten Kriegstagen angegriffen und übernommen worden ist.

"Der Hass wird von Tag zu Tag größer"

Simmler spricht von einer bedrückenden Atmosphäre, aber auch vom Patriotismus der Ukrainer, der mehr und mehr zu spüren sei. Auch viele Zivilisten seien bereit, für ihr Land in den Krieg zu ziehen. "Der Hass gegen die Russen wird von Tag zu Tag größer."

Simmler will raus aus der Ukraine, hat die Flucht aber noch nicht gewagt. Da sei zu gefährlich. Jetzt hat er neuen Mut geschöpft, und er ist zuversichtlich: "Ich habe Kontakt zu Leuten geknüpft, die mir helfen wollen, dass wir nach Deutschland kommen. Hoffentlich klappt das." Eventuell werde er sich mit der Bahn auf die Heimreise machen. "Wenn das möglich ist."

Den Töchtern seiner sehr guten Freundin Inna Bikkuzhyna (53) sei die Flucht aus Dnipropetrowsk geglückt, einer Stadt, die - 120 Kilometer von Marhanez entfernt - unter russischem Beschuss steht. Die beiden jungen Frauen Julia (26) und Renata (30) seien in Deutschland gelandet. Inna, die ihm bei seinen ersten Aufenthalten in der Ukraine bei Behördengängen und der Wohnungssuche geholfen habe, habe in ihrer Heimatstadt bleiben müssen, weil sie dort ihre 80-jährige Mutter versorge. Julia und Renata ("Ich kenne sie, seit sie Kinder waren") seien allein auf die Reise gegangen. Sie sind nach einer langen Bahnfahrt in Wasserburg gelandet.

Wer hat eine Unterkunft?

Simmler will seiner Freundin einen Gefallen tun. Er möchte, dass die beiden jungen Frauen nach Oberfranken ("Am liebsten in den Landkreis Kulmbach") kommen, wo er sich nach seiner erhofften Rückkehr dann selbst um sie kümmern werde. "Ich hoffe da auf die Unterstützung aus Kulmbach. Wir suchen eine Familie, die die beiden in der Zwischenzeit bei sich aufnimmt", sagt der 63-Jährige, der in Kontakt mit den Geschwistern steht und fast täglich mit der Mutter telefoniert.

Inna Bikkuzhyna macht sich große Sorgen um ihre Kinder, wie aus einer an die Bayerische Rundschau gerichteten WhatsApp-Nachricht hervorgeht, die Simmler für uns übersetzt. "Ich bitte Deutschland: Helft meinen Töchtern", sagt Inna.

"Wer Renata und Julia aufnehmen will, kann sich an mich wenden", sagt Thomas Simmler, der unter Telefon 00380/953599978 sowie thomas.bavaria@gmail.com zu erreichen ist.