Neulich wollte ich einen guten Freund anrufen. Er ging nicht ans Telefon. Vermutlich war er nicht zuhause. Oder er war zuhause und lag in der Badewanne. Oder er hatte Besuch. Oder keine Lust zum Telefonieren. Egal... er wird zurückrufen, wenn es passt.

Ganz anders eine Bekannte, mit der ich gelegentlich einmal ausgiebig ratsche. Sie geht ans Telefon, wann immer es klingelt. Auch wenn sie gerade Kuchenteig rührt, einen Krimi im Fernsehen schaut oder die Treppe wischt. Sie hält sich dann nicht damit auf, sich mit ihrem Namen zu melden. "Du, es ist grad ganz schlecht", sagt sie meist. "Hab' überhaupt keine Zeit! Ich ruf' morgen zurück." Etwas gehetzt klingt sie dabei.

Und ich frage mich: Wenn sie nicht kann, warum hebt sie dann ab? Hat sie Angst, etwas zu verpassen? Einen Anruf aus Hollywood vielleicht? Oder von der Lotto-Zentrale, die ihr den Millionen-Gewinn mitteilen will? Macht sie dann konsequenterweise auch die Tür auf, wenn es klingelt, obwohl sie gerade tropfnass und nackt aus der Dusche kommt - weil ja der berühmte Prinz mit seinem weißen Pferd draußen stehen könnte?

In Zeiten, in denen (fast) alle Telefone (fast) alle eingehenden Nummern anzeigen, sollte es doch kein Problem sein, zurückzurufen... dann, wenn es passt.

Das mache ich selbst ziemlich konsequent. Wenn ich so gar keine Zeit oder Lust zum Telefonieren habe, schaue ich kurz auf die angezeigte Nummer. Und gehe nur dran, wenn ich den Eindruck habe, es pressiert.
Dann zum Beispiel, wenn ich die Nummer 1 818-560.... sehe. Das nämlich ist Hollywood.