Ein bisschen Druck hier, ein wenig Drehen dort. Sie dauern nur Sekunden - die wichtigen Handgriffe, die bei Wolfgang Müller so fließend ineinander übergehen. Schaut man ihm zu, wirkt alles spielerisch leicht. Doch der Mann hat schlicht Routine. Hinter den Handlungen steckt detailliertes Wissen darüber, was für eine hygienische Maß wichtig ist.
"Der Laie würde mehr kaputt machen", sagt der 52-Jährige Schankanlagentechniker, der während der Bierwoche in den ganz frühen Morgenstunden im Einsatz ist. "Wenn der Hahn Luft zieht, kommt zu viel Schaum raus", erklärt Müller, während er in der Kulmbacher-Ecke gerade dafür sorgt, dass der Gerstensaft am nächsten Tag wieder einwandfrei in die Krüge fließt.
Seit 25 Jahren kümmert sich der Veitlahmer um Schankanlagen auf großen Festen - neben der Bierwoche betreut er die Erlanger Bergkirchweih, die Michaeliskirchweih in Fürth oder die Fuldaer Wiesn. "Ich bin nachts eigentlich für alles zuständig, was anfällt und ich selbst machen kann." Seine Schicht beginnt zwischen 3 und 5 Uhr. Wenn die ersten Gäste zum Frühschoppen eintreffen, muss alles fertig sein.


Aufträge hängen am Fass

Worauf Müller, der zunächst bei der Mönchshof Schreiner war und sich dann zum Fachkundigen für Schankanlagen weitergebildet hat, besonders achten soll, verraten ihm handgeschriebene Zettel, die die Festwirte oder Chef-Schenker an die geschmückten Zierfässer kleben. "Bitte Außentheke Leitungen spülen und Spülmaschine Düsen prüfen" stand beispielsweise am Donnerstag in der Kulmbacher-Ecke zu lesen.
"Manchmal wollen sie auch, dass ich Zapfhähne, beispielsweise Alkoholfrei und Weizen, austausche, weil sich der jeweilige Schenker dann leichter tut."
Während der Nacht wechselt Wolfgang Müller munter hin und her zwischen Arbeiten, die Feingefühl benötigen, und anderen, bei denen es grobmotorischer abläuft. Beispiel Spülmaschine: Das Herunterheben des Deckels und das Abspritzen der Laufbänder sind körperliche Tätigkeiten. Wenn der Schankanlagen-Experte aber die feine Nadel ansetzt, um kleinste Verstopfungen in den Spritzdüsen zu lösen, kommt es auf Genauigkeit an.
Doch Wolfgang Müller sorgt nicht nur für Hygiene, sondern koordiniert in Abstimmung mit der Logistik-Abteilung auch den Biernachschub. Zum Beispiel unterzeichnet er die Lieferquittungen der neu befüllten 50-Hektoliter-Biertanks, von denen in jeder Bierecke einer steht. "Dazu kommen dann noch kleinere 10-Hektoliter-Tanks zur Reserve", berichtet Müller, als er gerade die Ware von Lkw-Fahrer Horst Heil von der Firma Trapper abzeichnet.
An seinem Job mag Wolfgang Müller vor allem die ersten Stunden in der Nacht, in denen er zusammen mit dem vierköpfigen Reinigungstrupp alleine im Zelt ist: "Da kann ich mir meine Zeit selbst einteilen und einfach zuarbeiten." Ab 6 Uhr ist es mit der Ruhe vorbei. "Dann kommt ständig irgendjemand und will irgendwas."
Natürlich bleiben bei der Arbeit auf einem Bierfest auch kuriose Erlebnisse nicht aus. So hat sich jemand einen Spaß daraus gemacht, eine Getränkekarte aus der Vorrichtung zu ziehen und - vermutlich als Souvenir - mit nach Hause zu nehmen. "Auch eine zweite Vorrichtung hängt schief, aber da haben sie es nicht geschafft", sagt Müller, der auch eine andere Geschichte nicht vergessen wird:


Tiefschlaf im Stadel

Es war vor ein paar Jahren, als eine Reinigungsdame ihn darauf aufmerksam machte, dass auf einer Bank noch immer ein Gast schläft. "Wir bekamen den einfach nicht wach", erinnert sich Wolfgang Müller, der um den stark angetrunken Mann seine Arbeit erledigte. "Als er irgendwann aufwachte, wusste er zunächst gar nicht, wo er war."
Doch damit nicht genug: Der Mann aus Unterfranken hatte im Gewühl seine Kollegen verloren und auch nichts dabei - kein Geld, kein Telefon. Und seine Nummer wusste er auch nicht. "Ich habe dem Gast 20 Euro für die Fahrkarte geliehen, ihn zum Bahnhof gefahren und in den Zug gesetzt." Der junge Mann kam wohlbehalten an an und gab de 20 Euro auch prompt zurück.


Spezialwissen ist gefordert

Doch es sind nicht alleine diese Geschichten, welche die Arbeit von Wolfgang Müller spannend machen. Es ist auch viel Spezialwissen über chemisch-biologische Zusammenhänge gefragt. "Wir pumpen C0 2 -Druck in die Tanks, der dafür sorgt, dass das Bier in die Leitungen gedrückt wird und gezapft werden kann."
Unter Beweis stellen musste er sein Können im Rahmen seiner Weiterbildung auch bei einer Prüfung in München. "Damals haben sie eine Schanktheke bewusst manipuliert, zum Beispiel Anschlüsse vertauscht oder den Druckminderer verändert, um uns zu testen."
Doch was sich die Prüfer auch ausdachten, der Veitlahmer brachte das Bier damals ebenso sauber zum Fließen wie auf der Bierwoche, wo er gegen die realen Tücken kämpft, die selbst die modernste Schankanlage so mit sich bringt.