Im Fußballstadion vielleicht, wenn die eigene Mannschaft hinten liegt, man von großer Niedergeschlagenheit erfasst wird, und dann Sekunden vor Schluss doch noch der nicht mehr für möglich gehaltene Ausgleich fällt. Oder wenn nach monatelanger Trennung von einem lieben Menschen genau dieser völlig unverhofft für einen Kurzbesuch vor der Tür steht.

Ich kam neulich in eine ähnliche Situation, allerdings an ganz profaner Stelle. In der Schlange jener Autofahrer, die an einem Freitagnachmittag das Parkhaus des "Fritz"-Einkaufszentrums in Kulmbach verlassen wollten. Ich betone: wollten. Denn es bewegte sich gar nichts. Der Grund: Ganz vorne hatten gleich zwei Ortsfremde vergessen, ihren Parkschein zu entwerten.
Die zwei Schranken blieben zu, der Rückstau wurde größer und größer, der Ärger wuchs (wobei mich gerade in fremden Städten in gleicher Situation hin und wieder die Sorge beschleicht, die Schranke könnte sich auch bei mir mal bei der Ausfahrt stur verhalten).

Egal. Nach ein paar Minuten sauste ein junger Mensch (es ist an dieser Stelle völlig unerheblich, ob es ein Mann oder eine Frau war) an mir vorbei nach vorne, stieg ein, schob das Ticket in den Schlitz, und weg war das Hindernis. Freilich nur an einer Ausfahrtsschranke. Der Mensch des anderen Autos entschied sich dazu, Verkehrspolizei zu spielen, stieg aus und lotste alle nachfolgenden Fahrzeuge in die freie Spur.

Wie dieser Mensch das machte, war herrlich. Ich, gerade noch genervt, musste spontan lachen. "Tut mir leid, ich bin aus Kronach", rief die Person jedem Vorbeifahrenden zu und zeigte auf ihr Nummernschild. Na, wenn das keine mildernden Umstände waren!