Dienstagabend, 18.45 Uhr. Eine Viertelstunde vor Beginn der Veranstaltung ist der kleine Saal schon rappelvoll. Weit über 150 Besucher, von denen mehr als die Hälfte stehen muss, sind zum BRK-Heim in Mannsflur gepilgert. Ein Beamer wirft den Grund für den in dem beschaulichen Marktleugaster Ortsteil seltenen Menschenauflauf an die Wand: Infoabend zum Bau eines Bio-Legehennenstalls für 12 000 Tiere.

Doch dazu wird es nicht kommen. Stephan Haas, der derzeit einen Bauernhof mit 30 Milchkühen bewirtschaftet, hat sich den Abend anders vorgestellt, ebenso seine Co-Referenten, Ernst Baierlein vom Landwirtschaftsamt und Walter Stingl aus Wilhelmsthal, der mit seiner Firma Poulano GmbH seit 1989 auf den schlüsselfertigen Bau solcher Ställe spezialisiert ist und die Deutschland-Vertretung der Kovobel "Lucky Hen Volierensysteme" für Bio-, Freiland- und Bodenhennenhaltung hat. Bevor Haas richtig zur Begrüßung der Zuhörer ansetzen kann, wird er unterbrochen.


Mysteriöse Postwurfsendung

"Das ist eine Zumutung", "Wir gehen wieder heim", "Termin verschieben" und "Wir wollen doch alle was hören" skandieren erboste Bürger, die zudem den Flyer kritisieren, der ihnen in den Briefkasten geworfen worden war: "Das Blatt ist anonym, wir sind ja nicht einmal richtig eingeladen worden."

Auf dem Schreiben - angeblich soll es von Kindern ausgetragen worden sein - wird Stimmung gemacht: "Wir als Mannsflurer sollten aus folgenden Gründen dem Projekt skeptisch gegenüberstehen: Gestank und Lärm vor der Haustür, Belastung durch Ammoniak und Nitraten", heißt es unter anderem.

Eine Einladung mit dieser Resonanz war freilich weder geplant noch ist sie rechtlich vorgeschrieben. "Es sollte eigentlich eine Goodwill-Aktion für unsere nächsten Nachbarn sein, damit die wissen, was genau geplant ist. Aber wenn die Gemeinde über die Presse einlädt, dann braucht man sich ja nicht zu wundern, wenn der halbe Landkreis kommt", sagt Haas.

Bürgermeister Franz Uome, der sich ob der aufgeheizten Stimmung im Saal mit Verwaltungsleiter Michael Laaber und einigen Beteiligten bespricht, ergreift nach fünf Minuten das Wort. Unter Beifall verkündet er, dass der Infoabend verschoben und in den Bürgersaal oder die Schulturnhalle verlegt wird. Der Bauantrag werde deshalb von der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung am 28. November genommen.

Zu dem neuen Termin - geplant war der 8. Dezember - wird es aber nicht kommen. Am Mittwochvormittag teilt Stephan Haas dem Bürgermeister mit, dass er an einer solchen Veranstaltung nicht teilnehmen wird.


"Kasperltheater"

Angedeutet hat sich das schon am Dienstagabend im BRK-Heim. Als die Veranstaltung abgebrochen war und die enttäuschten Zuhörer nach und nach den Saal verlassen, übt Walter Stingl von der Firma Poulano, die das Projekt umsetzen will, harsche Kritik. "Das Gespräch sollte mit den betroffenen Anliegern bei Kaffee und Kuchen stattfinden. Fünf Familien wären das gewesen. Aber wir sehen ja, was daraus geworden ist. Und jetzt will der Bürgermeister in der Turnhalle wieder eine Faschingsveranstaltung machen. Wir gehen zu dem Kasperltheater nicht hin."

Stingl ("Das Ganze hier ist von einigen Leuten systematisch aufgezogen worden") mutmaßt, dass vor allem Michael Laaber hinter der Stimmungsmache steckt. Der Verwaltungsleiter besitze in Mannsflur ein Grundstück, das er verkaufen wolle und nicht loswerde. Die Aufregung verstehe er nicht, da für das Vorhaben alle Auflagen "übererfüllt" seien.

Die Situation im Sportheim und die unflätigen Bemerkungen eines Zuhörers ihm gegenüber überraschen Stingl nicht: "Für mich ist so etwas nicht das erste Mal. Aber viel Feind, viel Ehr'. Es ist halt so, dass alle gerne Lebensmittel aus einheimischer Produktion haben wollen, aber nicht vor ihrer Haustür."


"Von Größe völlig überrascht"

Von der Bayerischen Rundschau auf Stingls Vorhaltungen angesprochen, macht Verwaltungsleiter Laaber keinen Hehl aus seiner persönlichen Betroffenheit: "Als Herr Haas den Bauantrag abgegeben hat, waren wir von der Größe des Vorhabens völlig überrascht. Dass ich ein betroffener Anwohner bin, stimmt. Unser Grundstück liegt eigentlich dem Hühnerstall am nächsten."

Bürgermeister Uome ("Die E-Mails und Einwände, die wir in der Gemeinde bekommen haben, kann man an einer Hand abzählen") gibt zu verstehen, dass er Bedenken wegen Geruchsbelästigung und in Bezug auf das Landschaftsbild schon nachvollziehen kann: "Mannsflur ist eine naturnahe Wohnsiedlung, die wird da schon beeinträchtigt." Er legt allerdings Wert auf die Feststellung, dass er im Vorfeld und in Absprache mit dem Antragsteller den Infoabend angeregt und Haas selbst das BRK-Heim als Veranstaltungsort vorgeschlagen hat. Die Gemeinde habe die Einladung natürlich an die Presse weitergegeben.

Der Bauantrag bleibt also am kommenden Montag auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung.