Aller guten Dinge sind drei. Nach zwei vergeblichen Anläufen schaffte es Marc Benker (CSU) am 15. März. Bei der Bürgermeisterwahl in Marktschorgast setzte er sich mit 71,98 Prozent der Stimmen gegen seinen SPD-Mitbewerber Dieter Zeidler durch. Das bisherige Gemeindeoberhaupt Hans Tischhöfer hatte im Vorfeld auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Waren die ersten 100 Tage Amtszeit mehr Spaß oder Stress?

Da am Anfang einiges aufzuarbeiten war, war es zumindest nicht langweilig. Zusammen mit meinem Hauptberuf waren beziehungsweise sind 16-Stunden-Tage keine Seltenheit, wobei mir die Arbeit für die Menschen in meiner Heimatgemeinde sehr viel Spaß macht.

Haben Sie den Aufwand für das Amt unter- oder überschätzt? Was war die größte Umstellung im Vergleich zu ihrem bisherigen Beruf?

Vom Umfang her hatte ich schon genaue Vorstellungen, da ich ja bereits 18 Jahre Mitglied im Marktgemeinderat war und auch die Funktion als Fraktionsvorsitzender immer sehr intensiv ausgeübt habe.

Die größte Umstellung war für mich, plötzlich von den Mitarbeitern im Rathaus und Bauhof als "Chef" wahrgenommen und angesprochen zu werden. Die Anrede habe ich gleich abgeschafft, da ich mich als Teil eines Teams sehe und auch so agieren möchte. Ich pflege einen kooperativen Führungsstil und bin jederzeit für jeden ansprechbar.

Zwischenzeitlich habe ich damit begonnen, Entscheidungskompetenzen an die Mitarbeiter in der Verwaltung zu delegieren, damit die Arbeit effektiver wird. Insgesamt habe ich eine tolle Mannschaft in Verwaltung und Bauhof und bin sehr dankbar für die großartige Unterstützung, die ich von dort bekomme. Ich bemühe mich, mit schrittweisen Verbesserungen für unsere Mitarbeiter das Betriebsklima und somit letztlich auch die Motivation anzuheben.

Wie hat sich ihre Familie an Ihr neues Amt gewöhnt? Was ist im Familienleben anders geworden?

Meine Kinder sind schon Jugendliche und freuen sich mit mir, dass ich dieses Amt bekleiden darf. Sie nehmen es gelassen, und wir genießen unsere gemeinsamen freien Zeiten dafür umso intensiver. Wenn sie allerdings Hilfe bräuchten, würde ich alles andere liegen und stehen lassen. Papa zu sein ist für mich definitiv der wichtigste Job, auch vor dem des Bürgermeisters.

Wie viele Stunden pro Woche wenden sie durchschnittlich für das Amt auf?

Ich schaue nicht auf die Uhr, saß auch schon bis nach Mitternacht am Schreibtisch im Rathaus. Ich versuche jeden Tag, die anstehenden Aufgaben abzuarbeiten, damit die Verwaltung weiterarbeiten kann.

Weniger als 40 Stunden hatte ich bislang aber noch nicht. Der Tag ist dann zu Ende, wenn die Arbeit gemacht ist.

Auf welchen Erfolg in ihrer bisherigen Amtszeit sind Sie am meisten stolz? Was wollen Sie als nächstes angehen? Wir haben trotz Corona unseren Goldbergsee eröffnen, ein Ferienprogramm für unsere Kinder auf den Weg bringen und unsere Kirchweih in abgeänderter Form zusammen mit unseren Wirtshäusern feiern können. Das hat alles in kürzester Zeit unheimlich viel Arbeit gemacht, aber es gibt den Menschen ein Stück ersehnte Normalität zurück.

Als Erfolg betrachte ich auch, dass es nach der Kommunalwahl politisch in Marktschorgast ruhig und sachlich geblieben ist. Ich habe dazu von Beginn an alle Fraktionen eingebunden und wichtige Entscheidungen vorab gemeinsam besprochen. Ich glaube, das ist ganz gut gelungen.

Als nächstes wollen wir weiter die geplante Erschließung des Gewerbegebiets voranbringen, bei der endlich eine geordnete Struktur in die Vorgehensweise gebracht wurde.

Welches Projekt bereitet ihnen am meisten Kopfzerbrechen?

Auch hier die Erschließung des Gewerbegebietes, weil es zügig vorangehen muss, um die zeitlichen Interessen des Investors einerseits, aber auch die Herausforderungen für unsere Gemeinde anderseits in Einklang bringen und stemmen zu können. Dazu gab es bereits viele Termine und wird es auch noch viele weitere geben. Wie das Ergebnis am Ende aussehen wird, ist noch nicht klar, aber ich gehe an diese - wie an alle anderen Herausforderungen auch - grundsätzlich positiv heran.

Unmittelbar nach der Wahl kam der Lockdown. Was hätten Sie ohne Corona unmittelbar nach ihrem Amtsantritt anders gemacht?

Ich habe mich unabhängig von Corona an die Arbeit gemacht, weil es auch ohne das Virus in Marktschorgast viel zu tun gibt. Gerne hätte ich von Anfang an unsere Jubilare zu ihren Feierlichkeiten besucht, das mussten wir leider die ersten zwei Monate ausfallen lassen. Ich habe aber jeden angerufen und zumindest am Telefon gratuliert. Der Kontakt zu unseren Bürgerinnen und Bürgern ist für mich absolut wichtig, deswegen war es ein seltsamer Beginn in diese Amtszeit.

Gibt es etwas, von dem sie nach 100 Tagen im Amt sagen: Damit hätte ich nicht gerechnet?

Der große Zuspruch nach dem Wahlsieg war wirklich überwältigend, damit hätte ich tatsächlich nicht gerechnet. Es haben sich unglaublich viele Menschen mit mir gefreut, wofür ich ebenso dankbar bin wie für die großartige Unterstützung aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens in unserer Marktgemeinde. Mit dieser Folge endet unsere Serie mit den elf neuen Bürgermeistern im Landkreis Kulmbach.red