Der Arbeiter war bereits im Sommer des vergangenen Jahres wegen der Taten in erster Instanz vom Amtsgericht in Kulmbach zu zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt worden und hatte dagegen Berufung eingelegt.

Dem Ersturteil zufolge hatte der Mann das kleine Kind Anfang 2011 zwei Mal innerhalb von wenigen Wochen so schwer mit einem hölzernen Küchenwerkzeug geschlagen, dass es großflächige Hauteinblutungen am Gesäß und andere, länger andauernde Verletzungen erlitt.

Ursache für die schweren Züchtigungen war es unter anderem, dass das Kind nicht essen wollte oder dem Mann angeblich ins Bein gebissen hatte.

Nur noch einmal pro Monat Kontakt

Mittlerweile ist der Mann geschieden, Mutter und Kind leben in einer anderen Stadt, lediglich einmal pro Monat hat der Angeklagte noch Kontakt zu seinem Sohn.

Weil Verteidiger Nikolai Obebralski aus Essen die rechtliche Würdigung des Ersturteils als "total verfehlt" bezeichnete und erhebliche körperliche und seelische Folgen für das Kind in Frage stellte, kündigte der vorsitzende Richter Werner Kahler gleich zu Beginn der Berufungsverhandlung eine mehrtägige und umfangreiche Beweisaufnahme an. Für den Angeklagten werde es dabei um alles oder nichts gehen, denn die Aktenlage spreche eine klare Sprache, so der Richter.

Völlig überfordert

Aus den Ausführungen des Angeklagten zur Tat ging hervor, dass er mit dem Kleinkind offensichtlich völlig überfordert war. Der Junge habe gekratzt, gebissen, gespuckt, geschlagen und habe mit Essen um sich geworfen, da sei er einfach nicht mehr zurechtgekommen. Er habe aber nie die Absicht gehabt, dem Kind wirklich weh zu tun, vielmehr habe er nur drohen und dem Jungen Angst einjagen wollen.

Diese Aussage stieß beim Gericht auf völliges Unverständnis, denn im Gutachten des Landgerichtsarztes war mehr oder weniger von einer wahren Prügelorgie und einer Vielzahl von Schlägen die Rede.

Er sei einfach nicht Herr seiner Sinne gewesen, entschuldige sich der Angeklagte einmal mehr. Seine Probleme seien seine Arbeitslosigkeit, die vielen erfolglosen Bewerbungen, Geldmangel und die Angst gewesen, dass ihn seine Frau verlässt, was mittlerweile auch geschehen ist. "Ich hatte Zukunftsangst und war depressiv", so der Angeklagte, da habe er automatisch zugeschlagen, ohne drüber nachzudenken.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.