Der Ferienhof Kosertal von Ferdinand und Silvia Schramm gleich oberhalb von Marktleugast hat einen guten Namen. Oft wurde, mit Blick auf die Tradition in der Region, das Maibaumaufstellen nun schon von den Feriengästen als Wunsch an die Inhaber herangetragen "Wann stellt ihr denn Euren eigenen auf? So etwas gehört doch zu einem Ferienhof dazu!"

Heuer wurde das Rufen endlich erhört: Die Schramms fällten einen Fichtenstamm, schälten und schmückten ihn. Das Fundament für die Halterung war schon vor einigen Tagen betoniert worden. Und am Donnertagabend, also zwei Tage vor dem geplanten Aufstellen, wurde der Baum sicherheitshalber in der Scheune unter acht 400 Kilogramm schweren Quaderballen sorgsam versteckt. Oben drauf lag noch der Teleskop-Arm des Laders. Und quer davor stellte Ferdinand Schramm zwei Schlepper, einen davon mit Ladewagen.


Azubis mit finsteren Absichten

Der Auszibildende auf dem landwirtschaftlichen Betrieb, Max Kittlas, lud nichts Böses denkend und ebenfalls am Donnerstag seine Kameraden von der Landwirtschaftsschule zum Maibaumaufstellen am Samstagabend ein, denn jede kräftige Hand wurde ja gebraucht. Und es kamen Kumpels - körperlich gut gebaut! - bereits noch am selben Abend, um nach ebenfalls alter Tradition den Maibaum zu stibitzen!

Vorher hatten die Diebe wohl schon bei hereinbrechender Dunkelheit die Lage ausgekundschaftet und gingen ans Werk. Sie brachten es nicht nur fertig, die Quaderballen unter dem schweren Teleskop-Arm wegzuschieben, sondern auch noch den 13 Meter langen geschmückten Fichtenstamm über den vier Meter hohen Ladewagen zu hieven. Als Hinweis hinterließen sie ein Blatt Papier mit der Aufschrift Bauern-5 und eine Handynummer.


Elf starke Schultern

Elf starke Mannen nahmen den Maibaum auf die Schultern und trugen ihn 300 Meter weit zum ehemaligen Firmengelände der Firma Meinel, wo der Holztransportwagen stand, und transportierten ihn ab. Bei der Heimfahrt nach Dörnthal bei Selbitz wurde das Gefährt noch in Marktleugast von mehreren Personen gesehen, die rätselten, wessen Maibaum das wohl war.

Ferdinand Schramm fiel am Donnerstag gegen 23 Uhr "aus allen Wolken", als er eine Bildnachricht auf seinem Handy hatte. Drauf waren - auf einem geschmückten Maibaum sitzend - elf jubilierende Jungs im Halbdunkel zu erkennen. Und gleich darunter stand die Forderung für die Rückgabe des Diebesgutes: elf Liter Bier, elf Steaks und elf Paar Bratwürste. In seiner Antwort sagte er "den Dieben" für Samstagabend Unterkunft und Verpflegung zu. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: "Akzeptiert- und wir bringen das gute Stück am Freitagabend unversehrt zurück!"


Er grüßt Gäste und Wanderer

Ferdl Schramm fiel buchstäblich ein Stein vom Herzen, hatte er doch Mitte der Woche schon alles für das ins Auge gefasste 1. Maibauaufstellen bestellt. Ab Samstagmittag schritten dann die Vorbereitungsarbeiten voran. Der geschmückte Maibaum wurde in der Halterung befestigt. Am Abend hievte ihn dann geballte Manneskraft gekonnt unter den Augen einer großen Zuschauermenge in die Höhe. Das gute Stück grüßt nun in den kommenden Monaten auf den Höhen von Marktleugast bereits von weitem die Urlauber und Wanderer.