Die gute Nachricht zuerst: Carlos geht es besser. Der kleine Shetland-Hengst hatte vor zwei Wochen seine Herde auf einer wohnhausnahen Koppel in Losau vor einem Angreifer beschützt und war bei der nächtlichen Attacke durch Bisse am ganzen Körper schwer verletzt worden (die Bayerische Rundschau und infranken.de berichteten). Die Wunden heilen inzwischen, die Entzündungen klingen ab, berichtet Besitzerin Silke Settmacher. Das Pony wird durchkommen, doch wahrscheinlich muss Carlos am Auge operiert werden, da bei dem Angriff sein linkes Lid praktisch abgerissen wurde.

Nach wie vor steht die Frage im Raum, welches Tier in der Nacht zum Freitag vor zwei Wochen auf die kleine Pony-Herde losgegangen ist. War es ein wildernder Hund oder gar ein Wolf, wie manche vermuten. Die von Silke Settmacher verständigte Polizei zog im Laufe ihrer Ermittlungen einen ehrenamtlichen Sachverständigen des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) hinzu. Denn bei einer vermuteten Wolfsattacke ist das Wildtiermanagement "Großer Beutegreifer" des LfU zuständig; und das wiederum kann auf ein bayernweites Expertennetzwerk zur Dokumentation und Bewertung solcher Vorfälle zurückgreifen.

In dem Losauer Fall begnügte sich der Wolfsberater mit einer Ferndiagnose, da er aufgrund der Wundversorgung - die Ponybesitzerin hatte in guter Absicht alle Bisse desinfiziert - keine DNA-Probe mehr hätte nehmen können. Anhand der ihm von der Polizei übermittelten Daten (Biss-Abstand, Biss-Anzahl etc.) schloss er einen Wolfsangriff aus.

Damit schien das Thema erledigt zu sein. Doch kurz darauf meldete sich das Landesamt für Umwelt bei Silke Settmacher und kündigte den Besuch eines Mitarbeiters an. Der war inzwischen in Losau und hat sich das verletzte Pony und die Koppel, auf der der Angriff passiert ist, genauestens angeschaut. Der Mitarbeiter des Wildtiermanagements - diese Abteilung des LfU ist in Hof angesiedelt - habe sich viel Zeit genommen, "er war sehr freundlich und engagiert", so die Ponybesitzerin.

Auf Spurensuche

Obwohl es natürlich fraglich ist, ob sich nach einer Woche noch brauchbare Spuren finden lassen, hat der Mann vom LfU die Koppel und deren Umfeld noch einmal unter die Lupe genommen, nach potenziellen Durchschlupfmöglichkeiten oder Spuren des unbekannten Angreifers im und am Zaun gesucht und Wildkameras angebracht.

Doch woher nun dieser Umschwung und Einsatz von Seiten des LfU? In einer Stellungnahme heißt es: "Über den Vorfall in Losau (...) wurde das LfU spät informiert. Eine genetische Untersuchung auf Basis von Speichelproben konnte nach der unmittelbar erfolgten Desinfektion der Wunden nicht mehr stattfinden. Für eine genaue Beurteilung der Situation wurde der Sachverhalt von unserem Mitarbeiter vor Ort in Augenschein genommen. Das betroffene Tier und die Weide wurden untersucht. Am Gehege konnten keine Hinweise auf den möglichen Verursacher gefunden werden. Zwei Fotofallen wurden installiert. Diese werden nach zwei bis drei Wochen ausgewertet. Leider lässt die Datenlage keine abschließende Klärung hinsichtlich des Vorfalls zu."

Keine anderen Fälle

Weiter teilt das Umwelt-Landesamt mit, dass der Behörde keine weiteren Vorfälle mit Schädigung von Weidetieren aus der Region Kulmbach/Stadtsteinach bekannt seien.

Durch die Berichterstattung in der Bayerischen Rundschau und auf infranken.de wurde auch der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel (CSU) auf den Fall aufmerksam. Schöffel ist Vorsitzender des Arbeitskreises "Ernährung, Landwirtschaft, Forsten" der CSU-Fraktion und stellvertretender Vorsitzender des Landtagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. In diesen Funktionen beschäftigt ihn auch das Thema Wolf immer wieder. Am Mittwoch kam er deshalb nach Losau, um mit Silke Settmacher persönlich über den Vorfall und ihre Erfahrungen mit öffentlichen Stellen zu sprechen und so "Informationen aus erster Hand" zu erhalten.

Wichtig sei ihm vor allem, dass offen und transparent mit dem Thema Wolf umgegangen werde. Er halte es für absolut richtig, dass die Ponybesitzerin an die Öffentlichkeit gegangen ist, auch um andere Tierhalter zu warnen. Es sei immerhin nicht auszuschließen, dass der Angriff tatsächlich durch einen Wolf verübt wurde.

Infoveranstaltung?

"Der Wolf lebt in Europa, und er ist stark verbreitet. Wir müssen jetzt überlegen, wie wir damit umgehen", so Schöffel. Wichtig seien gute Lösungen für Weidetiertierhalter, die man "bestmöglich unterstützen und schützen" müsse. Dazu gehöre auch die Entnahme von Wölfen, die sich Menschen nähern und Tiere angreifen. Schöffel, der auch die Jäger mit einbinden möchte, überlegt, in Absprache mit dem Landesamt für Umwelt eine Informationsveranstaltung zum Thema Wolf für die Region Kulmbach/Stadtsteinach/Presseck zu organisieren.

Riss hier melden

Ihm lag vor allem auch die Botschaft am Herzen, dass sich Tierhalter, "wenn so etwas wieder passiert", gleich an die richtige Stelle wenden, nämlich das Wildtiermanagement des Landesamtes für Umwelt in Hof (Telefon 09281/18004640, Montag bis Freitag 8 bis 17 Uhr, Wochenende von 9 bis 18 Uhr).