Auch der Führerschein war erst einmal weg, für einen Berufskraftfahrer dürfte das die so ziemlich schlimmste denkbare Strafe sein.

Mit einem Einspruch gegen den Strafbefehl wollte der 42-Jährige nun eine niedrigere Strafe erreichen. Nach rund einer Stunde Verhandlung am Freitag vor dem Amtsgericht überlegte es sich der Mann aber schnell wieder anders.


Höhere Strafe drohte


Der Grund dafür war, dass der Führerschein laut Strafbefehl für sechs Monate gesperrt war. Bereits im März könnte der Angeklagte die Fahrerlaubnis wieder zurückbekommen. Wäre es zu einem neuen Urteil, dann hätte Richterin Sieglinde Tettmann die Fahrerlaubnis ab Rechtskraft des Urteils erneut für sechs Monate sperren müssen.
Für den Kraftfahrer undenkbar, so dass er in den sauren Apfel beißen musste und den ursprünglichen Strafbefehl nach Rücksprache mit seinem Anwalt kurzerhand doch akzeptierte.

Der Angeklagte hatte am 20. August um 4.30 Uhr, wie es Brummi-Fahrer gerne tun, an einer leichten Steigung zwischen Stadelhofen und Schirradorf einen anderen Sattelzug überholen wollen. Als er auf gleicher Höhe war, habe ihm der andere völlig unvermittelt in Richtung Mittelleitplanke abgedrängt, sagte der Mann vor Gericht.


"Auf der Standspur erst einmal eine geraucht"


Um eine Kollision zu verhindern, habe er nach links ausweichen müssen. Er habe dabei schon verdammt Angst gehabt, dass das gesamte Gespann kippt oder auf die Gegenfahrbahn gerät. Danach sei er erst einmal auf die Standspur gefahren und habe eine Zigarette geraucht. "Ich stand unter Schock und war ganz schön durcheinander", so der Angeklagte.

Der Lastzug sei gar nicht so stark beschädigt gewesen. Das Licht habe nicht mehr funktioniert und die Fahrertreppe sei kaputt gewesen. Da habe er einen Kollegen angerufen und ihn beauftragt, seinem Chef bescheid zu sagen, der wiederum die Polizei benachrichtigen sollte. Er selbst habe Frischware an Bord gehabt und die wertvolle Fracht termingerecht ausliefern wollen. "Sonst hätte es Ärger gegeben", sagte der Mann vor Gericht.


5600 Euro Schaden


Ärger gab es auch so, denn die Autobahnmeisterei Thurnau verzeichnete 29 niedergewalzte Leitplankenfelder und kam in einer ersten Schätzung auf satte 10 000 Euro Schaden. Eine Summe, die mittlerweile stark nach unten auf gut 5600 Euro korrigiert wurde.

Der Angeklagte gab an, dass er nicht im Entferntesten an eine Unfallflucht gedacht habe. "Es ist doch kein Personenschaden entstanden", verteidigte er sich. Außerdem hätte sein Chef ja die Polizei verständigen sollen.
Weil der Angeklagte aber dringend auf seinen Führerschein angewiesen ist, entschied er sich nach längerer Beratung mit seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Alexander Manig aus Nürnberg, den Einspruch zurückzunehmen und den Strafbefehl über 2000 Euro zu akzeptieren. Auch die Verfahrenskosten muss der Angeklagte tragen.

Inwiefern eine Versicherung für den Sachschaden aufkommt, ist noch nicht klar.