Der Raub sollte eine große Nummer werden. Mindestens 5000 Euro Beute hätten sich die beiden Angeklagten beim Überfall auf eine betagte Rentnerin versprochen, die angeblich ihr Geld immer bei sich trägt. So jedenfalls hatten es die beiden gerüchteweise gehört.

Frau ein halbes Jahr beschattet

Also beschatteten sie die Frau fast ein halbes Jahr lang, ehe sie am 26. November 2011 ernst machen wollten. Doch der Raub scheiterte - vermutlich, weil plötzlich Passanten auftauchten.

Vor Gericht stellte es der ältere der beiden Angeklagten anders dar. Ein Raub sei nie geplant gewesen, man habe der Frau lediglich die Taschen entwenden wollen, wenn sie diese auf dem Gehsteig abstellt.
Warum er es nicht getan habe? Er habe Angst bekommen und es sich plötzlich nicht mehr getraut, so der Jüngere, während der Ältere von einer blöden Idee sprach.

27 Ampullen Testosteron

Noch etwas eint die beiden Angeklagten: Ihre Verbindung zur Bodybuilding-Szene, die sie laut Anklage auch in einem Kulmbacher Fitnessstudio zusammengebracht hatte. Bei Hausdurchsuchungen im Zusammenhang mit Drogengeschichten stellten die Beamten bei dem 44-Jährigen insgesamt zehn Ampullen Testosteron fest. Der 59-Jährige hatte gar 17 Ampullen davon im Küchenschrank - mehr als jede gut sortierte Apotheke. Ein klarer Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz, so die Staatsanwaltschaft. Denn zum einen seien die Mittel aufgrund ihrer Nebenwirkungen bereits seit den 1980er Jahren vom Gesetzgeber als bedenklich eingestuft worden, zum anderen seien sie zu Dopingzwecken im Sport komplett verboten.

Die beiden Angeklagten hatten dagegen medizinische Erklärungen parat. Er habe ein Implantat in der Wirbelsäule, deshalb müsse seine Muskulatur mit Hilfe der Anabolika gestärkt werden, so der 59-Jährige. Für ihn seien die Anabolika Schmerzmittel aufgrund mehrerer Bandscheibenvorfälle, erläuterte der 44-Jährige. Ihren Lieferanten wollten die beiden aus Angst vor Repressalien trotzdem nicht nennen.

Die Strafbarkeit sei im Hinblick auf die große Menge aber in jedem Fall gegeben, sagte vorsitzender Richter Michael Eckstein.

Der jüngere der beiden Männer ist außerdem wegen eines schwungvollen Handels mit Kokain angeklagt. Einige konkrete Fälle hatte die Staatsanwaltschaft aufgelistet, darunter 7,5 Gramm an den Mitangeklagten, zwei Mal zehn Gramm an einen anderweitig Verfolgten sowie vier Mal zehn und einmal neun Gramm an einen kürzlich zu zweieinhalb Jahren verurteilten Geschäftsmann aus dem Landkreis Kulmbach. Dazu mache er keine Angaben, sagte der Angeklagte, was Richter Eckstein überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Grund dafür ist, dass der Verurteilte erst vor wenigen Wochen angegeben hatte, genau diese Menge vom Angeklagten bezogen zu haben. In der jetzigen Hauptverhandlung wiederholte er seine Aussage sogar noch einmal, doch der Angeklagte blieb dabei: "Keine Angaben zur Sache."

Der Zeuge bestätigte auch, dass er von dem 44-Jährigen bedroht worden war, weil er den Angeklagten verpfiffen hatte. Er sei in Kontakt mit den Hells Angels, soll der Angeklagte getönt haben, er habe doch bestimmt auch in Zukunft ein Interesse daran, dass es seiner Firma gut geht. "Stimmt nicht", so der Angeklagte vor Gericht. Er habe den jetzigen Zeugen lediglich darum gebeten, ihm 2000 bis 3000 Euro zu leihen, damit er sich einen Rechtsanwalt leisten könne. Die Richter nannten dieses Ansicht absurd: "Erst verpfeift er einen, dann soll er auch noch den Anwalt bezahlen."

Am ersten Verhandlungstag wurde auch bekannt, dass der 44-jährige Himmelkroner aus einer Verurteilung des Hofer Landgerichts vom Oktober 2012 eine offene Bewährungsstrafe von zehn Monaten hat, die in ein neues Urteil einbezogen werden müsste. Der Mann war unter anderem deshalb verurteilt worden, weil er einem Bekannten half, Antiquitäten aus einem Einbruch in eine Villa in Helmbrechts abzutransportieren.

Der Prozess wird fortgesetzt.