Gemahlener Kaffee stapelt sich neben Marmeladengläsern und Mehltüten, flankiert von einer Armada an Spülmitteln: In den Räumen der Burgkunstadter Tafel stehen diese und viele weitere Gegenstände Schlange nach den Kunden. Auf der Facebook-Seite des Vereins sind Fotos von der Warenausgabe gepostet. "Aufbau für die Weihnachtsausgabe. Einlass ab 15 Uhr!" hieß es erklärend dazu. Kurz vor dem Fest können sich Bedürftige dort für die Feiertage nochmals eindecken.

Den Nachschub holen sich die Mitarbeiter der Initiative diesmal auch aus Kulmbach. Martin Kotschenreuther, Geschäftsführer des Real-Marktes, bestätigt gegenüber der BR, eine Mitarbeiterin hätte den Kontakt nach Burgkunstadt hergestellt. "Bei uns geht also nichts verloren", sagt der Marktleiter hörbar erfreut über die Abnehmer.


Verständnis für die Pause

Für gewöhnlich ist es die Kulmbacher Tafel, deren Fahrer die Waren mit entsprechendem Verfallsdatum vom Real und vielen anderen Märkten abholen. Doch die Einrichtung hat seit dem 17. Dezember geschlossen und macht erst am 10. Januar wieder auf. Kotschenreuther selber äußert durchaus Verständnis für die längere Pause. "Die Tafel-Mitarbeiter sind ehrenamtlich tätig und möchten sicher gerade an Weihnachten und Neujahr Zeit für ihre Familien haben. Das akzeptieren wir natürlich, es ist ja in den vergangenen Jahren auch so gewesen. Ich kann mir aber vorstellen, dass es für die Kunden ärgerlich ist, wenn sie drei Wochen lang auf die Ausgabe verzichten müssen."


Beschwerde erreicht die BR

In der Tat moniert mancher Kulmbacher Tafel-Gänger genau diesen Umstand. An die BR hat sich ein Mann gewandt, der nach eigenen Angaben seit drei Jahren Hartz-IV-Empfänger ist und regelmäßig zur Warenausgabe in der Blaich geht. Der 55-Jährige muss, wie er sagt, mit dem ALG-II-Regelsatz in Höhe von 408 Euro auskommen. "Ich habe Enkel, denen ich gerne etwas schenken möchte. An Weihnachten ist man als Bedürftiger aber leider von Haus aus mehr pleite als sonst", sagt er mit ironischem Unterton.

Er würde seine Liebsten auch gerne beschenken. "Aber wenn ich nichts von der Tafel holen kann, muss ich mein Geld zusammennehmen für die eigene Versorgung. Das ist frustrierend - zumal es ja genügend Lebensmittel gibt, die grade jetzt übrig sind."

Insofern spricht er offen von einer "Frechheit", dass sich die "Kulmbacher Tafel" gerade vor dem Fest und zwischen den Jahren so lange ausklinke. Er macht seinen Unmut vor allem an der Vorsitzenden des Vereins, Elfriede Höhn, fest. Mitarbeiter hätten ihm gegenüber hinter vorgehaltener Hand gesagt, sie würden gerne gleich nach den Feiertagen den Laden wieder öffnen wollen - aber die Vorsitzende habe das untersagt. "Mir wurde berichtet: Wenn Elfriede nicht da ist, dann geht nichts. Sie hat gern alles unter Kontrolle."

Die BR hätte Elfriede Höhn gerne befragt, doch sie befindet sich auf einem Auslandsurlaub und ist nicht zu erreichen.


"Kein Alleingang"

Die Anschuldigungen nicht stehen lassen will Wolf Macht. Der Schriftführer beim Tafel-Verein räumt ein, "dass es bei vielen Menschen immer verschiedene Meinungen und Wahrnehmungen gibt". Was aber einen vermeintlichen Alleingang der Vorsitzenden in Sachen Öffnungszeiten angeht, stellt Macht klar: "In einer Organisation wie der unsrigen müssen Dinge nun mal geregelt und beschlossen werden. Dafür gibt es einen gewählten Vorstand, der aus vier Mitgliedern und drei Besitzern besteht. Und selbstverständlich haben wir im Vorstand die Schließung vor und nach Weihnachten diskutiert. Der Vorstand hat mehrheitlich dafür gestimmt, dass eine Pause bis ins neue Jahr vor allem mit Rücksichtnahme auf die Mitarbeiter erfolgen soll." Da sei nichts Geheimnisvolles dahinter.

Die wiederholt geäußerten Vorwürfe in Richtung Vereinsführung seien freilich nicht neu, sagt Macht. "Wer kritisiert, sollte bedenken, dass jeder bei der Tafel ehrenamtlich tätig ist. Wir bekommen keinen Cent dafür, und die Öffnungszeiten an und zwischen den Feiertagen tragen auch der Belastung der Ehrenamtlichen Rechnung. Ich bitte dafür um Verständnis."


Schützenhilfe aus Bayreuth

Schützenhilfe bekommen die Kulmbacher von ihren Kollegen aus Bayreuth. Ein Tafel-Mitarbeiter dort springt den Helfern im Nachbarlandkreis explizit bei: "Wer jemandem einen Vorwurf draus macht, dass eine Tafel mal zwei oder drei Wochen geschlossen bleibt, hat keine Ahnung von der Belastung, die mit dieser Arbeit verbunden ist."

Die Bayreuther Tafel hat regulär mittwochs und samstags geöffnet - da Heiligabend und Silvester auf einen Samstag fallen, entfallen diese Tage. "Am nächsten Mittwoch machen wir für unsere Bedürftigen wieder auf. Dafür schließen wir im Sommer für drei Wochen und nehmen uns die Zeit unter anderem für Renovierungen. Man kann eine solche Einrichtung nicht an 365 Tagen offen halten. Und man darf nie vergessen: Eine Tafel ist kein Vollversorger, wir unterstützen lediglich Menschen bei ihrer täglichen Versorgung."

Auch mit einem anderen Vorurteil räumt der Mann, der ungenannt bleiben möchte, auf: "Es heißt immer, nach Weihnachten und nach Silvester würde der Handel besondere Leckereien im Angebot haben. Das stimmt so nur zum Teil. Die Geschäfte halten die Waren relativ lange auf Vorrat vor. Höchstens schneller verderblicher Fisch zum Beispiel ist in dieser Phase vermehrt für uns dabei. Ansonsten ist es keine außergewöhnliche Ware, die der Tafel durch die Lappen gehen würde."


Nur Gemüse hält nicht so lange

Michael Seidl, Inhaber des E-Centers in Kulmbach, sagt auf Nachfrage. "Wir haben über die Feiertage viele haltbare Sachen im Angebot. Diese Lebensmittel können auch im neuen Jahr noch ohne Problem und guten Gewissens abgegeben werden. Eine Ausnahme ist Gemüse, das wir nicht lange aufheben können."